Schulbau ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben - im doppelten Sinne: Viele Milliarden Euro werden hier in den nächsten Jahren investiert: Das Startchancen-Programm ist die größte Bund-Länder-Initiative für allgemeine Bildung in der Geschichte der Bundesrepublik und fördert über eine Laufzeit von zehn Jahren (2024–2034) rund 4.000 Schulen in sozioökonomisch benachteiligten Lagen. Allein die Landeshauptstadt Düsseldorf steckt jeden zweiten Euro des Investitionshaushalts in Schulbau - zwei Milliarden bis 2030. Auf dem Schulbaukongress im Palladium in Köln wurde Anfang Oktober aber auch deutlich: Vergabefragen rücken in den Fokus und müssen diskutiert werden.
„Schulbau bedeutet weit mehr als die Errichtung von Gebäuden. Es geht um die Gestaltung von Lernorten und Lebenswelten.“ Das betonte Gesche Arns-Büsker, Vizepräsidentin der Architektenkammer NRW, in ihrem Impulsvortrag zum Schulbausalon NRW 2026, der am 30.09. und 01.10.26 im Kölner Palladium Architektenschaft, Schulverantwortliche aus Kommunen und Pädagogik sowie Produzenten und Produkthersteller zusammenführte.
Damit stünden Auftraggebende und Planende in einer doppelten Verantwortung: qualitätvolle Architekturen entstehen zu lassen, und zugleich der jungen Generation angemessene Räumlichkeiten für ihre individuelle Entwicklung anzubieten. Die Anforderungen seien enorm: Ganztagsausbau, Klimaanpassung, energetische Sanierung, Digitalisierung, Inklusion und das demografische Wachstum in Ballungsräumen sind nur einige der zentralen Aspekte, auf die unsere Kommunen und die Architekt:innen reagieren müssten, führte Gesche Arns-Büsker aus. „Der dringende Bedarf an Neu- und Umbauten darf aber nicht dazu führen, dass gestalterische Qualität, Nachhaltigkeit und eine sorgfältige Planung in den Hintergrund treten.“
Die Vizepräsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen konnte aus eigener Erfahrung berichten: Gesche Arns-Büsker arbeitet als Architektin beim Immobilienmanagement der Stadt Aachen. „Gute Schulgebäude sind das Ergebnis eines intensiven Dialogs und guter Planung. Deshalb sind Foren wie der Schulbausalon so wichtig“, betonte die Vizepräsidentin der AKNW. Dazu gehörten auch qualitätssichernde Verfahren wie Wettbewerbe.
Anna Montag und Dominik Thoma vom Amt für Schule und Bildung Düsseldorf ergänzten die Perspektive der Landeshauptstadt. Innerhalb von zehn Jahren sei der Bedarf an Schulplätzen zwischen 12 und 33 Prozent gestiegen, je nach Schulform. Mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro bis 2030 fließe jeder zweite Euro des städtischen Investitionshaushalts Düsseldorfs in den Schulbau. „Eine gewaltige Aufgabe, bei der wir auf architektonische Qualität achten“, betonte Anna Montag. Viele Großstädte stünden vor ähnlichen Aufgaben, weil die Bevölkerungszahlen – zumindest in den Scharmstädten – stark wüchsen.
Für die Immobilienwirtschaft der Stadt Dortmund richtete Andreas Grosse-Holz den Blick auf die Vergabepraxis. „Wir wollen anspruchsvolle Lösungen, müssen aber gegenüber der Politik unbedingt verlässlich planen und bauen – was den Zeitplan und die Kostenseite angeht“, hob Grosse-Holz hervor. Wichtig sei, dass die Betriebskosten in die Vergabekriterien aufgenommen werden. „Damit wird es uns auch möglich, Low-Tech-Lösungen umzusetzen.“
Zu den ungewöhnlichsten Projekten, die auf der Schulbaumesse vorgestellt wurden, gehörte eine KiTa in Bolivien. Prof. Pablo Molestina hatte den Bau mit Studierenden der Peter Behrens School of Arts (PBSA) an der FH Düsseldorf als Co-creativity-design-project mit Unterstützung der Stiftung Deutscher Architekten durchführen können. Entstanden ist ein Bauwerk auf Betonfundament aus Lehmziegeln, bewehrt mit Bambus und geschützt durch ein großes Stahldach. „Ein solches Projekt ist für angehende Architektinnen und Architekten enorm eindrucksvoll und sensibilisiert für diese anspruchsvolle Aufgabe“, so Prof. Molestina.
Der Schulbausalon in Köln regte zwei Tage lang einen intensiven Austausch zwischen Auftraggebenden, Planenden und der Herstellerseite an. Für Kirsten Jung, Gründerin des Salon und Geschäftsführerin des Cubus Medienverlags, bestätigte die Veranstaltung erneut das Konzept, den Schulbausalon durch die Regionen Deutschlands touren zu lassen. Um regionale Beispiele zu präsentieren, ergänzte die Architektenkammer NRW Fachvorträge – etwa durch ihr Vorstandsmitglied Barbara Eitner (mit Birte Riepenhausen, Innenarchitekturbüro null2elf) – sowie durch die Präsentation von Bildungsbauwerken aus der aktuellen „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW“.
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