Personen stehen für ein Gruppenbild auf einer Bühne zusammen und lächeln in die Kamera.
Impuslgeber:innen der Konferenz waren u.a. (v.l.): Petra Voßebürger (Moderation), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Josef Hegger (Institut für Massivbau, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen), Dipl.-Ing. Karl Arnolds (Geschäftsführer, nesseler bau GmbH), Dipl.-Ing. Peter Verspay (Geschäftsführer, Hahn Helten Architektur, HHA Bauleitung GmbH), Katja Domschky (Präsidentin Architektenkammer Nordrhein-Westfalen), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Guido Spars (Inhaber des Lehrstuhls Ökonomie des Planen und Bauens, Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, Bergische Universität Wuppertal), Julia Koch (Assoziierte, Team- und Projektleiterin, RKW Architektur + GmbH), Hanna Kurbach (Schulleiterin, Städt. Gemeinschaftsgrundschule Hamminkeln), Prof. Beate Wiemann (Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbands NRW e. V.), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Guido Spars (Inhaber des Lehrstuhls Ökonomie des Planen und Bauens, Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, Bergische Universität Wuppertal) und Holger Unkhoff (Geschäftsführer, GOLDBECK West GmbH). - Foto: Melina Beierle/Architektenkammer NRW

Modulares Bauen für Effizienz, Materialeinsparung – und Baukultur?

Wie können modulares und serielles Bauen dazu beitragen, die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen? Wie können modulare Bauweisen und Baukultur zusammengedacht werden? - Auch in diesem Jahr gingen die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Bauindustrieverband Nordrhein-Westfalen diesen und ähnlichen Fragestellungen nach.  Unter dem neuen Titel „Planen, Bauen, Zukunft - Modular für Baukultur, Nachhaltigkeit und Effizienz“ tagten rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kommunen, der Planungs- und Baubranche am 22. September in der nordrhein-westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf.

25. September 2026von Martina Pöcker/Christof Rose

Gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit

Die Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen brachte es gleich zu Beginn des Eröffnungsdialoges auf den Punkt: „Wir reden über Interdisziplinarität, aber wir müssen sie leben.“ Um zu verhindern, dass heute die Probleme von Morgen gebaut werden, sei die Baukultur im Sinne der Nachhaltigkeit von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig lobte Katja Domschky die erreichten Erleichterungen und Änderungen für den Bestand, die sich mit der Novellierung der Landesbauordnung NRW 2018 zum 1. September 2026 ergeben haben. Für die Präsidentin der Architektenkammer NRW geht mit den Chancen zum modularen Bauen die Verpflichtung einher, Qualität im öffentlichen Raum sicherzustellen. „Modulares oder serielles Bauen muss nicht eintönig sein“, so Domschky, „entscheidend ist eine anspruchsvolle und auch verantwortungsvolle Planung. Diese Verpflichtung hat auch der Auftraggeber.“

Professorin Beate Wiemann, Geschäftsführerin des Bauindustrieverbandes NRW e.V. ermutigte insbesondere die Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen: „Wir wollen schneller, in guter Qualität und personalschonend bauen. Ein Austausch auf Augenhöhe ist die Grundlage für den Abbau von Vorurteilen. Letztlich verfolgen wir die gleichen Ziele und Gemeinsamkeiten, um Neues in die Welt zu bringen." Die Hauptgeschäftsführerin der Bauindustrie NRW unterstrich die Notwendigkeit, die Sanierung des Gebäudebestandes schnell voranzubringen. Dazu sei das Skalieren bewährter, qualitätvoller Systeme eine große Hilfe. 

Ministerin Scharrenbach: Wir dürfen miteinander schneller werden

Dass die neue Landesbauordnung, deren Novellierung am 1. September 2026 in Kraft getreten ist, dazu vielfältige neue Möglichkeiten bietet, machte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach deutlich. Sie erinnerte daran, dass sie auf dem Neujahrsempfang der Architektenkammer NRW eine Novellierung der Bauordnung NRW angekündigt hatte und darum bat, konkrete Reform-Vorschläge zu machen. Viele der rund 200 Ideen seien eingeflossen – und hätten nun zu einer Bauordnung geführt, die „einen Rahmen gibt, aber nicht mehr alles vorschreibt“. Das Grundprinzip, dass nur erlaubt ist, was nicht verboten ist, sei nunmehr „ein Stück weit auf den Kopf gestellt worden“, indem die allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht länger als feste Vorgabe gelten. Auf Bundesebene habe NRW vorgeschlagen, das Baurecht als Grundlage für die zivilrechtlichen Regelungen zu setzen.

Die nordrhein-westfälische Bauministerin dankte der Architektenkammer NRW für die Entwicklung der „Oldtimer-Regelung“, die in die Landesbauordnung aufgenommen werden konnte. Jetzt müsse umgesetzt werden – und dazu stünden die Zeichen „auf Geld ausgeben“. Die Ministerin belegte diese Aussage mit langsam, aber stetig wachsenden Bauantragszahlen. Seitens des Ministeriums untersuche man die Frage, wie neben der Bauzeit auch die Planungszeit weiter verkürzt werden könne, um den Bauaufgaben der heutigen Zeit gerecht werden zu können. Ina Scharrenbach betonte an dieser Stelle die Bedeutung des Modulbaus. Neben der Zeitersparnis berge dieser auch die Möglichkeit der Wiederverwendung und damit die Chance, Abfall zu vermeiden. Die Ministerin legte bei der Novellierung der Landesbauordnung NRW 2018 besonderen Wert auf die Einbindung der Praktiker und verwies auf das vorausgegangene Verfahren „Bürokratie am Bau, Ciao!“ Abschließend betonte sie: „Als Gesetzgeber muss man einen Rahmen schaffen, in dem man sich bewegen kann. Wenn er zu eng ist, müssen wir sprechen. Wenn er zu weit ist, auch.“

Das serielle modulare und systemische Bauen hat große Potentiale

Prof. Guido Spars von der Bergischen Universität Wuppertal bestätigte diese These in seinem Impuls zum modularen Bauen im Wohnungsbau. Um weiterzukommen, müssten wir schneller und digitaler werden. Guido Spars berichtete aus seiner Erfahrung als Gründungsdirektor der Bauakademie Berlin, für die er den „Runden Tisch zum seriellen, modularen und systemischen Bauen“ ins Leben gerufen habe. Seit 2023 arbeiteten hier Vertreter:innen von 40 Forschungsstellen, Organisationen und Unternehmen zusammen, um zu konkreten Umsetzungen zu kommen. Der Runde Tisch habe eine Definition gefunden, nach der sms-Bauweisen (seriell, modular, systemisch) die Vorfertigung von Bauelementen bis hin zu Raumzellen in Serie beschreiben, die dann auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Vorteile seien die Einsparung von Material und Herstellungskosten sowie Rationalisierungs-, Effizienz- und Qualitätsgewinne in Planung und Ausführung. Nach einer Studie von EY sind dadurch bis zu 30 Prozent Zeitersparnis erzielt werden können; das BKI habe Zeitersparnisse bis zu 56 Prozent im Wohnungsbau gemessen.

Wer „A“ sagt muss auch „B“ sagen

Im Entwurf der KiTa Monschau-Mützenich von Hahn Helten Architektur wird eine besondere Form der Nachhaltigkeit umgesetzt. Peter Verspay, Geschäftsführer von Hahn Helten Architektur, präsentierte das Projekt, das sich durch seine Anpassung an die Umgebung und seine soziale Akzeptanz auszeichnet. Durch die Zusammenlegung von Räumen, die Reduzierung von Verkehrsflächen und die Schaffung einer zentralen Begegnungsstätte wurden Orte des Miteinanders geschaffen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die soziokulturelle Nachhaltigkeit gelegt. "Aneignung schafft Identität", führte Architekt Verspay aus. "Es ist wichtig, den Kindern selbständige Handlungsspielräume zu ermöglichen und nicht zu viele vorbestimmte Vorgaben zu machen." Peter Verspay führte aus, dass hinsichtlich der Ökologie und Ökonomie im Sinne der Nachhaltigkeit bereits viele Fortschritte erzielt wurden, während bei den soziokulturellen Aspekten weiterhin Lernbedarf bestehe. Er selbst sieht in der Gemeinschaft einen Faktor, der Kraft entfalten kann. Dabei stellte er fest: „Die kleinen Rädchen drehen die großen - und nicht umgekehrt“.

Modularer Brückenbau reduziert volkswirtschaftliche Kosten und CO2

Im Vortrag von Prof. Josef Hegger vom Institut für Massivbau der RWTH Aachen und Karl Arnolds, Geschäftsführer der nesseler bau GmbH, wurden die Anforderungen an Ersatzneubauten im Brückenbau behandelt. Hegger kam zu dem Schluss, dass in Zeiten ausreichender finanzieller Mittel zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde. In Nordrhein-Westfalen sind 30.000 Brücken verzeichnet, von denen 2.500 sanierungsbedürftig seien. Laut Prof. Hegger sind die heutigen Straßenbrücken im Durchschnitt 50 Jahre alt. Die Vorteile des modularen Brückenbaus seien evident: Geringere volkswirtschaftliche Kosten und ein reduzierter CO2-Fußabdruck, hohe Bauqualität und Langlebigkeit sowie Beschleunigungseffekte in Planung und Herstellung. „80 % der Brücken in Deutschland weisen eine Länge von unter 50 Metern auf: Das ist genau der Teil, den man modular bauen kann“, so Hegger. Die präsentierten Projekte – die Brücke über den Teichbach Brachelen bei Hückelhoven sowie über A1-Brücke bei Hagen – verdeutlichten, dass die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, um schnelle und dauerhafte Lösungen zu etablieren. Karl Arnolds erläuterte, dass die verkürzte Bauzeit für die Brücke über die A1 zu einer Einsparung von knapp 12.500 t CO2 geführt habe. „Wir produzieren also einen deutlich geringeren volkswirtschaftlichen Schaden als bei einem Ersatzneubau.“

Serielles Bauen heißt nicht serielle Architektur

Julia Koch, Architektin, Assoziierte, sowie Team- und Projektleiterin bei RKW Architektur+ in Düsseldorf, berichtete, dass in der Gemeinschaftsgrundschule Hamminkeln Raum für Menschen und zum Wohlfühlen geschaffen wurde. Das Projekt sei mit einer DGNB-Auszeichnung in Platin ausgezeichnet worden. Die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, Hanna Kurbach, unterstrich die Relevanz mit den Worten: „Lernzeit ist auch Lebenszeit.“ Die Schule verfügt über Lernlandschaften und ein Clustersystem, die Platz für Gemeinschaft schaffen und allen Bedürfnissen – insbesondere auch denen von Kindern mit Handicap – gerecht werden könne. Es handele sich um ein interdisziplinäres Projekt, von dem sich die Stadt Hamminkeln, das planende Büro, das ausführende Unternehmen als auch die Schulleitung gleichermaßen überzeugt zeigten. Bernhard Payer, Technischer Dezernent der Stadt Hamminkeln, erklärte, dass dem gesamten Projekt der Mut zur Veränderung vorauseilte. Gleichzeitig seien einige Parameter wie das pädagogische Konzept und das Budget von vorneherein gesetzt gewesen.  „Wenn wir das Know-how und die Innovation des Marktes haben wollen, dann dürfen wir in den funktionalen Ausschreibungen nicht anfangen, zu dezidiert zu beschreiben“, warnte Payer. 

Das Schulprojekt basierte auf einem Verhandlungsverfahren mit einem vorgeschalteten Verfahren, den RKW Architektur+ für sich entscheiden konnte. Julia Koch betonte: „Der Architekt muss die serielle Bauweise verstehen, bevor er loslegt.“ Auf Unternehmerseite wurde die Bedeutung wiederkehrender Bauteile, von Rastern und guter Fügeprinzipien erläutert. Auch Holger Unkhoff, Architekt und Geschäftsführer der Goldbeck West GmbH, machte deutlich: „Nur durch die integrale Planung kriegen wir die Geschwindigkeit hin.“ Er hob zudem hervor, dass sich die Stadt Hamminkeln nur aufgrund der hohen Qualität des Entwurfs des Architekturbüros letztlich für die Umsetzung entschieden habe. 

Resümee

In der Abschlussdiskussion wurde noch einmal deutlich, dass das modulare Bauen in bestimmten Bauaufgaben zur Steigerung des Bautempos, zu Einsparungen und zugleich guter Qualität führen kann. Nicht für jede Bauaufgabe ist Modularität sinnvoll. „Vielmehr brauchen wir Wiederholungseffekte, damit es sich lohnt“, so Prof. Guido Spars. 

Peter Verspay hob an dieser Stelle den geregelten Wettbewerb hervor, denn dieser ermögliche kreative und innovative Lösungen – Insbesondere unter Beteiligung von jungen Architekturbüros. 

Die Diskutanten zeigten sich darin einig, dass neben möglichen Zeitersparnissen auch die CO2-Reduktion ein wichtiges Argument für das modulare und vorfabrizierte Bauen sein kann. 

Die Veranstalterinnen, Prof. Beate Wiemann und AKNW-Präsidentin Katja Domschky, kündigten an, dass man sich im nächsten Jahr auf eine Fortführung der Veranstaltung mit anschließenden Netzwerkmöglichkeiten freuen könne.

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  • Eine Frau steht an einem Pult und spricht in ein Mikrofon.
    Fotos: Melina Beierle/Architektenkammer NRW
  • Rund 200 Teilnehmer:innen nahmen an der Veranstaltung teil.
  • Die Konferenz bot auch Raum für offene Diskussionen und Networking.
    Ende des Karussells

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