Leo Wild, Architekturabsolvent der PBSA, stellt bis zum 31. Juli seine Arbeiten in der Architektenkammer NRW aus – Foto: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW

Nachkriegsarchitektur zwischen Abriss und Zukunft: Ausstellung von Leo Wild in der AKNW

„Bestand ist nicht Vergangenheit. Bestand ist eine Frage der Zukunft.“ – Mit diesem Appell eröffnete Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen am 23. Juni die Ausstellung „Campus Golzheim“ des Fotografen und Architektur-Absolventen Leo Wild. Die Fotografien sind bis zum 31. Juli in der AKNW-Geschäftsstelle im Düsseldorfer Medienhafen zu sehen.

26. Juni 2026von Lea Thormeyer

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Aufnahmen des ehemaligen Campus der Hochschule Düsseldorf im Stadtteil Golzheim. Der zwischen 1967 und 2003 in drei Bauabschnitten entstandene Hochschulstandort wurde nach dem Umzug der Hochschule an den neuen Campus in Derendorf im Jahr 2018 aufgegeben. Während spätere Erweiterungsbauten erhalten bleiben, soll der erste Bauabschnitt aus den 1960er-Jahren zurückgebaut werden, um einem Neubau zu weichen. 

Hochschulbau mit Werkstattcharakter

Dabei zeige gerade dieser vom Büro Hentrich und Petschnigg entworfene Bau ganz besondere Qualitäten: „Der alte Campus hatte Werkstattcharakter, mit Räumen, die leicht weitergedacht werden können“, beschrieb Leo Wild die Gebäude bei der Vernissage. 

„Den Ateliercharakter der Architektur haben wir in der Lehre gespürt. Er gab uns besondere Möglichkeiten der Aneignung“, erklärte Prof. Christiane Ern-Heinzl, Dekanin der Peter Behrens School of Arts (PBSA), die Leo Wild den Anstoß für seine Fotografien des Campus im Rahmen eines Entwurfsseminars gab. 

1,5 Millionen Kilogramm CO₂ einsparen

Sie berichtete, dass sie sich zusammen mit Studierenden in einem vorangegangenen Seminar intensiv mit dem Gebäude auseinandergesetzt hatte. So stecke insbesondere bei einem Rückbau in der Wiederverwendung des Tragwerks aus Beton ein enormes Potenzial. „Wir nahmen eine CO₂-Bilanzierung vor und kamen dabei auf eine Summe von 1,5 Millionen Kilogramm CO₂, die man bei Wiederwendung der Bauteile einsparen könnte“, so Prof. Ern-Heinzl. In einem Folgeseminar, in dem es um den Entwurf eines Lernraums aus dem Material des anstehenden Rückbaus ging, bat sie Leo Wild, damals Student an der PBSA, um die Dokumentation der leerstehenden Campusgebäude. „Ich wusste, dass Leo Wild ein passionierter Fotograf ist.“

Bildungsbauten der Nachkriegszeit 

Diese Bilder seien zudem ein sehr guter Aufhänger, um nicht nur über den weiteren Verlauf des Projektes in Golzheim zu diskutieren, sondern das Thema bundesweit zu betrachten. In ganz Deutschland gäbe es tausende Bildungsbauten der Nachkriegsarchitektur mit ähnlichen Strukturen, die ebenfalls Sanierungsbedarf haben oder vor dem Abriss stehen. Die Ausstellung könne dabei Inspiration sein, um die Qualitäten dieser Bauten genauer in den Blick zu nehmen, meinte Prof. Ern-Heinzl.

Die Fotografien von Leo Wild zeigen ein Gebäude im Übergang: entkernt, teilweise bereits rückgebaut und ihrer ursprünglichen Nutzung entzogen. Gleichzeitig machen die Bilder die räumlichen Qualitäten und die Spuren der Zeit sichtbar, die sich in Materialien, Oberflächen und Konstruktionen eingeschrieben haben. Wild dokumentiert dabei nicht nur Architektur, sondern eröffnet einen neuen Blick auf ihren kulturellen und materiellen Wert. 

Fotografie als Dialog

„Ich fotografiere komplett analog. Die Fotografie als Medium dient dabei als Dialog zwischen dem Raum und mir“, erklärte Leo Wild seine Arbeitsweise. „Aus der Idee einer Dokumentation ist ein künstlerisches Projekt geworden“, fasste Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer NRW, im Gespräch mit Leo Wild zusammen. Der fotografierende Architekt sei ein Glücksfall, weil er Dinge noch einmal anders wahrnehmen kann als Menschen, die sich nicht mit der Fotografie auseinandersetzen. 

Die Ausstellung von Leo Wild liefert keine fertigen Antworten auf die Fragen nach dem Umgang mit dem Bestand. Sie macht jedoch den Wert des Vorhandenen sichtbar. Indem sie den Blick auf eine Architektur kurz vor ihrem möglichen Verschwinden richtet, eröffnet sie einen Raum für die Auseinandersetzung mit dem baulichen Erbe der Nachkriegszeit – und mit dessen Potenzial für die Zukunft.

Leo Wild - Campus Golzheim: Ausstellung: 24. Juni bis 31. Juli 2026 im Foyer der Architektenkammer NRW,  Zollhof 1, 40221 Düsseldorf (Öffnungszeiten: wochentags 9.00 -17.00 Uhr). Eintritt frei!

 

 

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  • (v.l.) AKNW-Präsidentin Katja Domschky mit Leo Wild und Prof. Christiane Ern-Heinzl, Dekanin der PBSA – Foto: Christof Rose / Architektenkammer NRW
  • Blick in die Ausstellung – Foto: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW
  • (v.l.) AKNW-Ehrenpräsident Hartmut Miksch, Leo Wild, Christiane Ern-Heinzl, Dekanin der PBSA, und AKNW-Hauptgeschäftsführer Markus Lehrmann – Foto: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW
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