Mit der Ausstellung „Save Ukrainian Architectural Heritage – Digitale Modelle von Bauten aus Dnipropetrowsk“ präsentiert die ukrainische, interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe „Skeiron“ noch bis zum 28. März im NRW-Landtag 3D-Modelle von zerstörten und gefährdeten Bauwerken in ihrer Heimat.
Die Ausstellung, die über einen Kontakt der Technischen Universität Dortmund entstand, wurde bereits im Herbst 2023 in einer ersten Fassung im Baukunstarchiv NRW gezeigt. Im NRW-Landtag sind nun Bauwerke aus der nordrhein-westfälischen Partnerregion Dnipropetrowsk zu sehen, die mit Postern und interaktiven digitalen 3D-Darstellungen den Besucherinnen und Besuchern präsentiert werden.
AKNW-Pressesprecher Christof Rose sprach mit Skeiron über ihre Arbeit (Interview aus dem Englischen übersetzt).
Was ist das Hauptziel von Skeiron?
Wir haben uns auf die Digitalisierung des kulturellen Erbes der Ukraine spezialisiert, um dessen Erhalt zu gewährleisten. Viele historische Denkmäler befinden sich in einem kritischen Zustand und laufen Gefahr, innerhalb weniger Jahre zu verschwinden. Der Krieg hat dieses Problem noch verschlimmert, sodass unsere Arbeit dringender denn je ist. Wir digitalisieren derzeit historische Stätten, damit sie im Falle einer Zerstörung anhand präziser Daten wiederhergestellt oder zumindest in digitaler Form erhalten werden können. Unsere 3D-Modelle und Datensätze dienen als wertvolle Ressourcen für Restaurierungs-, Rekonstruktions- und Erhaltungsmaßnahmen.
Über die Erhaltung hinaus wollen wir den Reichtum und die Schönheit der ukrainischen Geschichte in verschiedenen Formaten präsentieren. Digitale Werkzeuge ermöglichen es uns, das kulturelle Erbe besser zugänglich zu machen, indem wir es in Ausstellungen, Bildungsprogramme und interaktive Erlebnisse einbinden, die einem weltweiten Publikum helfen, das architektonische und historische Erbe der Ukraine kennen und schätzen zu lernen.
Wie groß ist die Skeiron-Gruppe? Welchen beruflichen Hintergrund haben die Mitglieder?
Das Kernteam hat an der Universität in den Bereichen Softwareentwicklung und Ingenieurwesen studiert, während sich andere auf Geodäsie spezialisiert haben, wo das 3D-Scannen rasch auf dem Vormarsch war. Daher besteht unser derzeitiges Team aus Experten, die in diesen Bereichen ausgebildet sind. Wir arbeiten jedoch häufig mit Historikern, Archivaren und Architekten zusammen - Fachleute, die keine festen Teammitglieder sind, sondern die Projekte bei Bedarf ergänzen.
Mit welchen Schwierigkeiten sind Sie bei Ihrer Arbeit in Kriegszeiten konfrontiert?
Unsere größte Herausforderung ist das Risiko, Kulturerbestätten durch militärische Aktionen zu verlieren. Manchmal müssen wir unter gefährlichen Bedingungen arbeiten, da wir mit unerwarteten Angriffen ohne vorherige Luftangriffswarnung konfrontiert werden, wie es in der Region Charkiw und in Izium der Fall war. Außerdem haben wir Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden, da viele Kollegen zum Militär gegangen sind. Auch der begrenzte Zugang zu wichtiger Ausrüstung und Ressourcen stellt eine Herausforderung dar. Diese Hindernisse schrecken uns jedoch nicht ab – sie stärken nur unsere Entschlossenheit, Lösungen zu finden.
In der Ukraine gibt es in Kriegszeiten keine stabile Finanzierung für das kulturelle Erbe. Daher sind wir ständig auf der Suche nach Partnerschaften und der Umsetzung von Projekten mit Hilfe von Spenderinnen und Spendern, was viel Zeit und Mühe erfordert. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass unsere Projekte langfristig angelegt sind und eine nachhaltige Wirkung entfalten, die auch Jahrzehnte nach ihrem Abschluss noch relevant ist.
Welche Unterstützung benötigen Sie, um Ihre Arbeit erfolgreich fortzusetzen?
Wir wissen um die strategische Bedeutung einer langfristigen Zusammenarbeit mit internationalen Partnerinnen und Partnern im Bereich des kulturellen Erbes. Dies ist eine Investition in die Zukunft, und wir sind bestrebt, uns Schritt für Schritt auf unsere Ziele vorzubereiten.
Weitere Informationen unter www.skeiron.com.ua/mission/
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