Thesen zur Post-Corona-City

„Lebendige Städte – Innenstädte stärken“ – zu einem so betitelten Antrag der SPD-Fraktion fand am 18. November 2020 im Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des NRW-Landtags die mündliche Anhörung statt. Die Architektenkammer NRW war als Sachverständige in dem Anhörungsverfahren geladen und wurde durch ihren Hauptgeschäftsführer, Markus Lehrmann, in der mündlichen Anhörung vertreten.

20. November 2020Autor: Christof Rose
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer NRW, vertrat die Position der AKNW in der Landtagsanhörung. – Foto: Architektenkammer NRW

Grundlage seiner Positionierung bildete eine durch den Vorstand der Architektenkammer beschlossene Stellungnahme.

Im Mittelpunkt des Interesses der Abgeordneten aller Parteien stand die Frage, mit welchen Herausforderungen sich (Innen-)Städte angesichts der umfassenden Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert sehen und mit welchen Konzepten und Instrumenten diesen begegnet werden sollte.
Markus Lehrmann, selbst Stadtplaner, verglich die Wirksamkeit der Pandemie mit der eines Kontrastmittels. Bekannter Veränderungsbedarf werde freigelegt, zugleich würden neue Aufgaben deutlich.
Die Pandemie verändere alle Lebensbereiche: Arbeiten, Wohnen, Leben. Die Folgen würden zu einem neuen Bild von Stadt und einem neuen Verständnis von ländlichen Räumen führen. Lehrmann vertrat die These, dass „Post Corona“ zu einem neuen Megatrend werde, der den Megatrend Klimawandel inzwischen merkbar überlagere, nicht ersetze.
Daraus ergebe sich ein umfassender Planungsauftrag für die Kommunen, den Gesetz- und Fördergeber und den Berufsstand der Architekten und Stadtplaner, folgerte Lehrmann. Es brauche nun Ideen in Form eines Gesamtkonzeptes, getragen durch alle Verantwortungs- und Planungsebenen, und vor allem eine finanzielle Förderung. Die Landesregierung habe mit dem Sofortprogramm „Zukunft Innenstadt“, das mit 100 Millionen Euro Fördermitteln hinterlegt ist, einen ersten und wichtigen Beitrag geleistet.

Ordnungspolitisch sei dieser „Feuerwehreinsatz“, so Lehrmann, konsequent. Denn gerade in den Städten fänden sich viele Bausteine der grundgesetzlich definierten Daseinsvorsorge: Bildung, Kultur, Mobilität, Infrastruktur. Selbst Wohnen gehöre in Teilen dazu.

Der intensive Einsatz für die Weiterentwicklung unserer Innenstädte zahle sich auch gesellschaftspolitisch aus, „denn die pluralistische Gesellschaft spiegelt sich im Antlitz unserer Städte“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Städte seien ein wertvoller Schatz, den es zu pflegen gelte.
Es zeigen sich trotz der augenblicklichen Krisenstimmung auch Chancen. Die Pandemie löse bereits jetzt einen fundamentalen Innovationsimpuls für einen umfassenden Strukturwandel der Städte und Regionen aus. Es gehe nun darum, die damit einhergehenden Transformationsprozesse frühzeitig zu identifizieren und zu steuern, um die Stadt erfolgreich in die Zukunft zu transformieren und Schaden abzuwenden.

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