„Dem Berufsnachwuchs eine Perspektive eröffnen; Architektur, Baukultur und das Bauwesen fördern“ – das waren die Ziele, die die damaligen Präsidenten und -Vizepräsidenten der Architektenkammer NRW Hermannjosef Beu, Nikolaus Rosiny und Karl-Heinz Volkmann ihrem Architektenparlament vortrugen, als sie 1985 vorschlugen, eine gemeinnützige Einrichtung der Kammer zu gründen.
Die Vertreterversammlung (VVS) der AKNW folgte dem gerne. So konnte zu Beginn des Jahres 1986 die Stiftung Deutscher Architekten ihre Arbeit aufnehmen.
Das tat sie direkt mit einem konkreten Förderprojekt. Schon 1986 wurde der „Förderpreis“ ausgelobt. Besonders begabte Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung aus NRW wurden aufgerufen, sich auf Empfehlung ihrer Hochschule mit ihren Entwurfsleistungen dem Vergleich zu stellen. Ein Angebot, dem eine ganze Reihe junger Planer*innen direkt folgte. So konnten am 11. März 1987 in der Düsseldorfer Tonhalle erstmals drei Förderpreise und neun Anerkennungen an junge Planerinnen und Planer für außergewöhnliche Entwurfsleistungen vergeben werden.
Mit dem Förderpreis fing also alles an. Und der Förderpreis ist bis heute die Erfolgsgeschichte der Stiftung Deutscher Architekten. Auch 40 Jahre später wird er weiterhin im zweijährigen Rhythmus vergeben. Er ist inzwischen mit 16.000 Euro dotiert, und er erfreut sich einer wachsenden Teilnehmerzahl.
„Der Förderpreis ist ein Spiegel der Leistungsfähigkeit der nordrhein-westfälischen Hochschulausbildung“, sagt Ernst Uhing, Präsident der AKNW und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten. Zusätzlich habe die Stiftung mit dem Förderpreis ein Vehikel gefunden, das transportiert, was den Planungsnachwuchs beschäftigt. Das läuft seit einigen Jahren auf die immer gleiche Frage zu: Wie kann mit möglichst geringem ökologischem Fußabdruck zukunftsgewandte Architektur in anspruchsvollem Städtebau gelingen?
„Die junge Generation steht heute vor gewaltigen Herausforderungen: umweltgerecht zu planen, auf den Klimawandel zu reagieren, gewaltige Sanierungsbedarfe zu bewältigen und die soziale Integrationskraft von Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung zu stärken“, sagt Ernst Uhing. Umso wichtiger sei es, hochqualifizierte junge Kolleginnen und Kollegen für den Berufsstand zu gewinnen und zu motivieren.
Die Stiftung Deutscher Architekten bietet einen Resonanzraum für die Themen und Ideen des Nachwuchses. Das begann schon in den 90er Jahren, als die Stiftung mit ihren Sommerseminaren in ihre Workshop-Arbeit einstieg. Dabei setzten sich Studierende und Absolvent*innen der Architektur- und Planungsfakultäten in NRW immer wieder mit konkreten Planungsaufgaben im Land auseinander, suchten Lösungen für konkrete Problemstellungen und Herausforderungen. Unterstützt wurden sie von erfahrenen Berufskollegen, die die meist mehrtägigen Workshops begleiteten und ihre Erfahrung in der praktischen Arbeit weitergaben.
Diese Art Projektangebot, das als Bindeglied zwischen Forschung, universitärer Ausbildung und Berufspraxis gedacht war, gibt es bis heute. Es heißt heute nur anders und führt die jungen Kolleginnen und Kollegen inzwischen in andere Planungsdimensionen und in die ganze Welt. Aus den anfänglichen regionalen Sommerseminaren wurden „Internationale Workshops“, die nach Astana, in den Oman oder nach Italien führten. Inzwischen denken die jungen Planerinnen und Planer unter dem Label „Think-On“ workshopmäßig weiter.
Das Prinzip ist dabei ähnlich wie am Anfang: Es geht um die Auseinandersetzung mit Planungsaufgaben vor Ort, um neue Ideen und immer um den Umgang mit Architektur und Baukultur in anderen Regionen. Seit 2024 ist ein praktisch angelegtes „Design-and-Build“-Workshopangebot hinzugekommen. Unter dem Motto „Hands-On“ ist im Jubiläumsjahr zum dritten Mal eine Gruppe junger Planer*innen aus NRW nach Mae Sot/Thailand gereist, um vor Ort unter Anleitung eines erfahrenen Architektenteams und gemeinsam mit lokalen Fachkräften Schulgebäude für Kinder zu errichten. Der Planungsnachwuchs packt also auch mit an, knüpft weltweit Netzwerke – und erlebt gleichzeitig Dinge, die ein Leben lang prägen.
Doch nicht nur Förderpreisgewinnerinnen und -gewinner sowie Workshop-Teilnehmende profitieren von der Arbeit der Stiftung Deutscher Architekten. Seit dem Jahr 2008 unterstützt die Stiftung Promotionsvorhaben auf den Gebieten der Architektur und der Stadtplanung. „Das Studium der Architektur an deutschen Hochschulen konzentriert stark auf den Entwurf. Theoretische und wissenschaftliche Aspekte finden weniger Beachtung“, lautete seinerzeit die Analyse. Um hier auch das Feld der wissenschaftlichen Forschung zu stärken, wurden die Promotionsstipendien entwickelt und inzwischen in acht Fällen vergeben.
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