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Christian Wendling konstruiert Web-Sites für Kollegen

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    Architekt und Web-Designer: Christian Wendling - Foto: T. Saltmann

Vor eineinhalb Jahren sattelte Christian Wendling um: Statt, wie früher, Verwaltungsbauten plant der junge Architekt jetzt den virtuellen Büro-Auftritt von Kollegen. Ein neuer Beitrag unserer Interview-Reihe mit Architekten, die abseits der herkömmlichen Tätigkeitsfelder tätig sind.Die meisten Architekten stehen mit Computern nicht gerade auf Du und Du. Bei Ihnen ist das anders. Warum?

Ich habe mich schon am Gymnasium für Informatik interessiert, das Fach zwei Semester studiert, mich dann aber doch für Architektur entschieden. Später, als ich in Architekturbüros arbeitete, waren die Chefs immer sehr froh, dass da einer war, der etwas von EDV verstand. Zusätzlich habe ich mir früh Kenntnisse im Programmieren von Web-Sites angeeignet. So entstand die Idee, diese Schnittstelle zwischen Architektur und Computerwelt für eine Existenzgründung zu nutzen.

Unter freiberuflichen Web-Designern ist die Konkurrenz inzwischen sehr groß. Wie schaffen Sie es, sich am Markt zu bewähren?

Als Architekt, der in erster Linie für Architekten arbeitet, habe ich einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil: Ich spreche die gleiche Sprache wie der Kunde. Ich verstehe seine Architektur und die Botschaft, die er rüberbringen will. Umgekehrt verzichte ich darauf, mit Fremdwörtern und Fachbegriffen aus dem EDV-Bereich um mich zu werfen. Das mögen Architekten nämlich gar nicht.

Was verbindet die Tätigkeit eines Web-Designers mit der eines Architekten?

Beide müssen gut analysieren und in Alternativen denken können. Und: Jeder Web-Designer hat seinen persönlichen Stil, wie ein Architekt. Meine Devise: Weniger ist mehr! Ich bevorzuge eine klare Gliederung und verzichte weitgehend auf Animationen.

Gibt es Parallelen zwischen dem Entwurf eines Gebäudes und dem eines Internet-Auftritts?

Für einen Internet-Auftritt gilt ähnlich wie für einen Gebäudekomplex, dass man sich früh über die Gesamtwirkung im Klaren sein muss. Auch die Vorgehensweise ist sehr ähnlich, von der Analyse der Kundenwünsche über die Grobplanung bis zu den Details. Und schließlich das Ziel: Der Nutzer muss sich in einem Internet-Angebot ebenso gut zurechtfinden wie in einem öffentlichen Gebäude. Wo geht es rein, wo finde ich was, wo geht es wieder raus?

Als die Internet-Nutzung aufkam, stand ein großer Teil der Architekten dem neuen Medium reserviert gegenüber. Hat sich das geändert?

Vor allem bei älteren Kollegen gibt es immer noch Vorbehalte und Zweifel am Nutzen eines Internet-Auftritts. Mehr und mehr setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass Architekten Dienstleister sind, die ihre Bauherren mit Informationen versorgen und aktiv Marketing betreiben müssen. Da gehört eine Web-Site einfach dazu.Man hört bereits von der virtuellen Abwicklung von Bauprojekten......richtig, da liegt die Zukunft. Heute ist das Internet noch in erster Linie ein Präsentationsmittel, in wenigen Jahren wird es Arbeitsmittel sein. Wir werden erleben, wie virtuelle Projekträume eingerichtet werden und bei größeren Bauvorhaben Arbeitsschritte wie Ausschreibung und Abrechnung nur noch über das Netz laufen. Pilotprojekte gibt es schon. Wer nicht einmal eine eigene Web-Site besitzt, läuft Gefahr, sich von der Entwicklung abzukoppeln.

Die AKNW hat mit einem Internet-Dienstleister eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen: Kammermitglieder können sich dort zu einem günstigen Pauschalpreis eine Web-Site erstellen lassen. Welchen Mehrwert bieten Sie?

Das Angebot der Kammer ist als Einstieg ganz okay, aber eben Standard. Bei mir kriegt der Kollege ein wirklich individuelles Konzept. Außerdem kann ich aus Erfahrung sagen: Auf der Festplatte der meisten Architekten herrscht ein kreatives Chaos, da muss zunächst viel strukturiert und organisiert werden. Schließlich sind hunderte, manchmal einige tausend Dateien zu verwalten. Dabei sind viele Büros und Kollegen auf die Hilfe eines externen Fachmanns angewiesen. Die Kosten dafür bewegen sich üblicherweise im vierstelligen Bereich.

Sie arbeiten zuweilen auch noch als freier Mitarbeiter in Architekturbüros ...

... ja, kürzlich habe ich zum Beispiel bei der Projektentwicklung für eine Schulsanierung mitgearbeitet. Das geht, wenn es sich um zeitlich begrenzte Projekte handelt. Ich muss diese Flexibilität auch haben, um in der Nische bestehen zu können. Schließlich stehe ich als Existenzgründer noch am Anfang.

Zur Person:
Christian Wendling, Jahrgang 1967, studierte an der Universität Kaiserslautern zunächst zwei Semester Informatik, bevor er ins Fach Architektur wechselte. Nach seinem Examen 1995 arbeitete er in Architekturbüros in Stuttgart und Köln. Im Juli 2000 machte sich Wendling als Webdesigner in Köln selbstständig.

Autor: Christine Mattauch