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Die Landschaftsarchitektin Imma Schmidt arbeitet als Fachjournalistin

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    Landschaftsarchitektur als Nische für die Journalistin: Imma Schmidt - Foto: T. Saltmann

Imma Schmidt schlägt Brücken zwischen zwei Welten: Sie kombiniert fachliches Know-How und das Talent zum Schreiben und arbeitet heute als Fachjournalistin für Landschaftsarchitektur. Ein weiterer Beitrag unserer Interview-Reihe mit Kammermitgliedern, die in ungewöhnlichen Berufsfeldern tätig sind.

Als Journalistin, die über Landschaftsarchitektur schreibt, sind Sie so etwas wie eine Dolmetscherin. Wie schaffen Sie es, Fachinhalte so zu verpacken, dass sie für Laien verständlich sind?

Gartenkunst und Naturschutz bergen viele Aspekte, die auch den Laien interessieren. Ich versuche, das Anschauliche und Inspirierende der Themen herauszuarbeiten und in eine plastische Sprache zu übersetzen, ohne Abstriche am fachlichen Anspruch zu machen. Sachliche Richtigkeit und Popularität schließen sich nicht aus.

Wenn Sie über planungsrechtliche Sachverhalte schreiben, ist das schwieriger.

Natürlich. Diese Texte richten sich zwar meist an ein Fachpublikum. Aber auch sie müssen verständlich sein, wie eine gute Gebrauchsanweisung.

Schreiben gehört nicht zu den klassischen Stärken von Architekten. Wie haben Sie das Feld für sich entdeckt?

Meine ersten journalistischen Gehversuche habe ich als Mitarbeiterin des Fachmagazins “Landschaftsarchitektur” gemacht, das heute “grünForum.LA” heißt. Außerdem habe ich für den Bund Deutscher Landschaftsarchitekten die “BDLA-Informationen NW” mit aufgebaut, eine vierteljährliche Publikation, und diese mehr als zehn Jahre redaktionell betreut. Das war eine ehrenamtliche Tätigkeit, durch die ich aber viel gelernt habe.

Profitierten Sie als Autodidaktin von dem Rat von Profis?

Die grünForum.LA-Redaktion vermittelte mir Handwerkszeug, und ich hatte einen Lehrmeister in der Familie: Meinen Bruder, einen gelernten Journalisten. Der gab mir viele Tipps und bestärkte mich in der Entscheidung, als Journalistin zu arbeiten.

Bei grünFormum.LA arbeiten Sie heute noch als feste freie Mitarbeiterin, außerdem schreiben Sie Beiträge für eine Medienpalette vom Bundesbaublatt bis zur Rheinischen Post. Aber Sie haben noch andere Aktionsfelder?

Vom Schreiben allein könnte ich nicht leben, das geht den meisten freien Journalisten so. Ich bin auch in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv, unterstütze die Entwicklung von Projekten wie das “Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur” auf Schloss Dyck und die “Strasse der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas”. Ich organisiere auch Veranstaltungen, etwa den Landschaftsarchitektentag der AKNW, der im November stattfindet. Außerdem schreibe ich Broschüren und konzipiere Buchprojekte oder Internetauftritte.

Ein vielfältiges Spektrum.

Das ist das Schöne an dem Beruf: Er gibt die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues zu entwickeln und kreativ zu sein. Eine Parallele zu der Arbeit als Landschaftsarchitektin.

Es gibt aber auch Unterschiede: So ist die Berufsbezeichnung Journalist, anders als die von Architekten, nicht geschützt. Führt das zur Verunsicherung von Auftraggebern, was die Qualität der Arbeit angeht?

Vorbehalte gibt es zuweilen bei ganz neuen Auftraggebern. Da helfen Textproben und Referenzen. Überhaupt spielen persönliche Empfehlungen eine ganz entscheidende Rolle. Mein Netzwerk ist mein Kapital.

Gleichwohl, als Fachjournalistin für Landschaftsarchitektur sind Sie in einer kleinen Nische tätig. Ein Problem, wenn es mal nicht so gut läuft?

Ich habe in dieser Nische fast ein Monopol, aber in schlechten Zeiten hilft das wenig. In den vergangenen Jahren liefen die Aufträge auch schon mal hinter mir her, jetzt ist es eher umgekehrt. Die Schwankungen in der Branche sind extrem. Was ich verdiene, reicht zurzeit gerade für einen studentischen Lebensunterhalt. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Wo sehen Sie Chancen?

Ich habe einen Riecher für Themen, die in der Luft liegen, und denke langfristig. Kürzlich habe ich beispielsweise den Organisatoren der Bundesgartenschau 2015 eine Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Ein weiteres Feld, das mich interessiert, ist Tourismusmarketing.

Als Landschaftsarchitektin wollen Sie nicht mehr arbeiten?

Nein. Ich glaube, ich bin im Schreiben, Kommunizieren und darin, Projekte zu entwickeln und Ideen zu verknüpfen, talentierter als im Planen. Und ich mache lieber das, was ich wirklich gut kann.

Zur Person:
Imma Schmidt, Jahrgang 1956, studierte Landespflege an der TU Hannover. Sie arbeitete zunächst als angestellte Landschaftsarchitektin bei der Stadt Kempen und in einem Planungsbüro in Essen, bevor sie sich 1992 selbständig machte. Seit 1997 konzentriert sie sich auf ihre Tätigkeit als Fachjournalistin für Landschaftsarchitektur.

Autor: Christine Mattauch