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Eine Lösung für alle

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    Schwerpunkt Mediation: Ulrich Kortemeier - Foto: Kortemeier

Mediation beschreibt Verfahren, die Konflikte außergerichtlich lösen. Am Ende eines erfolgreichen Mediationsprozesses steht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Mediation kann jedoch auch zur Konfliktvermeidung eingesetzt werden, etwa bei schwierigen (städte)baulichen oder landschaftsplanerischen Projekten. Der Paderborner Landschaftsarchitekt Ulrich Kortemeier hat sich auf Mediationsprozesse spezialisiert.

Herr Kortemeier, was hat Sie dazu bewogen, als Mediator zu arbeiten?

Letztlich die Berufspraxis. Bei größeren Entscheidungsprozessen in der Stadt- oder Landschaftsplanung ist es besonders wichtig, konsensuale Lösungen zu finden, die von allen Beteiligten getragen werden. Dazu gehören bei großen Projekten neben den Gemeinderäten auch die Träger öffentlicher Belange oder zum Beispiel Umweltschutzorganisationen. Wir versuchen im Rahmen einer Mediation, mit einem integrativen, dialog-orientierten Ansatz die unterschiedlichen Interessen bereits im Vorfeld zu erörtern und gemeinsam eine für alle stimmige Lösung zu erarbeiten.

Bei Ihrer Mediation steht also die Konfliktvermeidung im Vordergrund?

Wenn es bei der Realisierung eines Projekts aller Voraussicht nach Probleme geben wird, d. h. wenn schon bei Bestandsaufnahme und -analyse Fakten erkennbar sind, die eine einvernehmliche Lösung nach der üblichen Vorgehensweise unmöglich machen, schlagen wir ein Mediationsverfahren vor und versuchen, alle Beteiligten möglichst früh mit ins Boot zu nehmen. Auf diese Weise wird vermieden, dass im Nachhinein gegen eine bereits beschlossene Planung gerichtlich vorgegangen wird - und sich die Verfahren dann unnötig in die Länge ziehen. 

Wie gehen Sie bei einer solchen Mediation vor?

Wir laden zunächst alle Beteiligten zu einem Diskussionsforum, dem „Großen Arbeitskreis“, ein. Diesem Gremium von 20 bis 30 Personen stellen wir die Bestandsdaten des Projekts vor und definieren dann gemeinsam Leitbilder. Anschließend sortiert ein „Kleiner Arbeitskreis“ von maximal zehn Personen, in dem die wesentlichen Entscheidungsträger vertreten sind, das Spektrum der gesammelten Vorschläge und diskutiert die Schwerpunktbereiche. Während in regelmäßigen Abständen die politischen Gremien über den aktuellen Stand informiert werden, erarbeitet dieses Planungsforum eine Lösung, die alle Interessen mit einbezieht. Den so gefundenen Konsens stellen wir schließlich dem Großen Arbeitskreis vor und erläutern den Beteiligten, welche Vorschläge aus der anfänglichen Sitzung in welchem Umfang umgesetzt werden sollen. Hier kommt der psychologische Aspekt der Mediation zum Tragen, denn auf diese Weise fühlt sich jeder mit seinen Wünschen ernst genommen und findet sich in der Planung wieder. Nur so ist er auch bereit, einen Kompromiss mit zu tragen. 

Wie sieht Ihre Rolle als Mediator aus und wie wird diese vergütet?

Das wichtigste ist, Neutralität zu wahren und überparteilich zu sein. Auch kann ich nur davor warnen, einen bereits fertigen Entwurf im Rahmen einer Mediation legitimieren zu lassen. Ziel ist ja gerade das gemeinsame Erarbeiten einer konsensualen Lösung von den Beteiligten selbst. Unsere eigentliche Entwurfs- und Planungsarbeit beginnt erst nach Abschluss und auf dann Basis der Mediation. Vorher schließen wir mit der Kommune oder dem Antragsteller einen gesonderten Werkvertrag ab, der nur die Mediation umfasst und als besondere Leistung im Rahmen der HOAI abgerechnet wird. In manchen Fällen macht die Mediation sogar einen großen Teil unseres gesamten Entwurfshonorars aus. 

Welche Kenntnisse sind notwendig, um als Mediator zu arbeiten?

Ich habe entsprechende Erfahrungen als Lehrbeauftragter an der Universität Paderborn gesammelt. Auf dieser Basis ist die Mediation entstanden, wie wir sie jetzt in der Praxis anwenden. Da diese konsensualen Verfahren gerade in der Stadt- und Landschaftsplanung zunehmend an Bedeutung gewinnen, kann ich nur empfehlen, entsprechende Seminare zu besuchen. 

Dipl.-Ing. Ulrich Kortemeier arbeitet als freischaffender Landschaftsarchitekt in Herford. (www.kobro.de) 

Dipl.-Ing.Gonni Engels arbeitet als Fachjournalistin in Bielefeld

Autor: Gonni Engel