« zurück

Henry Beierlorzer organisiert die Regionale 2006

  • Bild 1 von 1

    Henry Beierlorzer in seinem Regionale-Büro in Wuppertal - Foto: T. Saltmann

Studiert hat er Stadtplanung, doch seine Tätigkeit besteht seit vielen Jahren im Konzipieren, Kommunizieren und Managen. Henry Beierlorzer war einer der IBA-Organisatoren und ist heute Geschäftsführer der Regionale 2006. Ein weiterer Beitrag unserer Interview-Reihe mit Kollegen, die außerhalb der traditionellen Tätigkeitsfelder arbeiten.Wie wird man Geschäftsführer eines Renommierprojekts wie der „Regionale“?

Das Städtebauministerium kam auf mich zu. Ich hatte bei der IBA Erfahrungen mit regionalen Strukturprogrammen sammeln können, das gibt es nicht so häufig.

Und Sie waren begeistert und sagten sofort zu?

Im Gegenteil, ich war zunächst skeptisch. Wird sich das Bergische Städtedreieck wirklich auf das Projekt einlassen? Wie groß wird die politische Rückendeckung sein? Nachdem ich Gespräche mit den Oberbürgermeistern und anderen Entscheidungsträgern geführt hatte, merkte ich aber: Der Wille ist da. Und dann ist es natürlich sehr verlockend, ein solches Projekt von Anfang an mit zu prägen.

Das Konzept der Regionale 2006 ruht auf drei Säulen: Stärkung der Region als Wirtschaftsstandort, Förderung der Innenentwicklung und Profilierung der Kulturlandschaft. Lag diese Strategie bei Ihrem Jobantritt bereits vor?

Nein, es gab damals ein breites Spektrum einzelner Projektideen. Wir haben sie in Zusammenarbeit mit den Vertretern der drei Städte zu Oberthemen integriert, damit die Regionale ein Profil bekommt.

In Strukturen zu denken - das sind Sie als Stadtplaner ja gewöhnt.

Ja, auch Stadtplanung ist eine Form von Gesamtkoordination. Man lernt in der Ausbildung, sich nicht in Details zu verlieren. Und wer - wie ich während der IBA - zehn Jahre mit Karl Ganser arbeitet, bekommt Übung im strukturierten Handeln.

Jetzt konkretisieren sich die Projekte. Ihre Hauptaufgabe dabei?

Ideen sammeln und ihre Umsetzung befördern, Kommunikation und Moderation. Es ist ja nicht so, dass ich der alleinige Gestalter der Regionalen bin. Das ist alles Teamarbeit. Es gibt ein breites Netzwerk von Menschen und Institutionen, die an dem Prozess beteiligt sind: zum Beispiel die Regionale-Beauftragten in Wuppertal, Remscheid und Solingen, die Ratsausschüsse und Stadtverwaltungen, einzelne Projektträgergesellschaften.

Das klingt nach komplizierten Abstim­mungsprozessen.

Natürlich gibt es viele Runde Tische und Sitzungen. Ich sehe meine Aufgabe darin, sie produktiv zu gestalten und kreative Lösungen zu finden. Besprechungen sind für mich keine Foren zum Abnicken, sondern zum gemeinsamen Arbeiten.

Man gewinnt den Eindruck, dass Sie permanent in Besprechungen sitzen.

Es gibt auch noch andere Aufgaben. Ortsbegehungen zum Beispiel - wenn ein Politiker über die Zukunft eines Grünzugs entschieden sollen, muss er da mal durchgegangen sein. Außerdem präsentiere ich das Konzept der Regionale nach außen, sei es in Schulen, sei es vor dem Lions Club. Ich will Aufbruchstimmung vermitteln, die Menschen zu einer optimistischen Haltung veranlassen. Das ist im Bergischen nicht ganz einfach.

Wo drei Städte beteiligt sind, muss es Interessengegensätze geben. Wie vermeiden Sie, dass das Projekt darunter leidet?

Indem ich mich nicht auf eingefahrene Diskussionsmuster einlasse, sondern neue Zugänge finde. Das Thema “Qualität der Gewerbearchitektur und Unternehmenskultur" beispielsweise sind wir angegangen, indem wir positive Beispiele gesammelt und die Unternehmen dafür geehrt haben. Aus diesenArbeitskontakten entstand ein gemeinsamer Auftritt der Städte auf der Expo Real. Wenn man von vornherein abstrakt von den drei Wirtschafts­förde­rungsgesell­schaften solch eine Kooperation eingefordert hätte, wäre es sicherlich nicht dazu gekommen.

Der Begriff “Regionale“ ist ja auch ziemlich abstrakt.

Aber genau darum geht es: Aus dem Abstrakten rauskommen hin zu dem, was die Menschen wahrnehmen. Natürlich gibt es Unternehmens-Netzwerke, aber wie zeigen sie sich? Daraus entstand die Idee, Kompetenzzentren zu gründen. So werden die Themen geerdet.

Als Sie bei der Regionale anfingen, lagen sechs Jahre vor Ihnen. Ist es nicht schwierig, über einen so langen Zeitraum hinweg zu planen?

Es ist die originäre Profession eines Planers, in langen Fristen zu denken. Aber ich bin in der Tat ein Mensch, der gern Ergebnisse sieht. Insofern freut es mich, dass es auch Teil-Projekte gibt, die sich sehr schnell umsetzen ließen, etwa das Kulturrouten-Programm der Initiative „Bergischer Ring“.

Ihre Perspektive nach der Regionalen?

Schwierige Frage. Ich bin hier schon etwas verwöhnt ­ durch die ungewöhnliche Aufgabenstellung, den großen Freiraum, das Gefühl, etwas bewegen zu können. Solche Aufgaben entstehen oft aus Zufällen. Schauen wir mal. 

Zur Person:
Henry Beierlorzer, Jahrgang 1959, studierte Städtebau und Architektur an der RWTH Aachen. Anschließend war er fünf Jahre als Stadtplaner im Büro Wachten/Zlonicky tätig, bevor er 1989 als Bereichsleiter zur IBA Emscher-Park ging. 1995 wurde er dort stellvertretender Geschäftsführer. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei der LEG Wohnen in Brandenburg trat er im November 2000 als Geschäftsführer der Regionale 2006 an.

Autor: Christine Mattauch