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Holger Gronski betreibt Krisenmanagement

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    Krisenmanager Holger Gronski; Foto: Thilo Saltmann

Konflikte zwischen den Baubeteiligten führen manchmal zu scheinbar ausweglosen Situationen. Dann hilft der Architekt Holger Gronski: Seine Spezialität ist das Krisenmanagement. Dabei kommen ihm einige Semester Jurastudium zu Gute. Ein weiterer Beitrag unserer Interview-Reihe mit Architekten, die abseits der herkömmlichen Tätigkeitsfelder tätig sind.Als Krisenmanager zu arbeiten klingt ziemlich strapaziös. Haben Sie sich dafür gezielt entschieden?

Nein, das hat sich so ergeben. Ich habe in den ersten Jahren der Selbständigkeit eine Reihe von Projekten übernommen, bei denen es um die Beseitigung von Bauschäden und Mängeln ging. Da musste ich oft zwischen den Beteiligten vermitteln. Außerdem merkte ich, dass mir juristisches Know-how fehlt. Deshalb studierte ich parallel zur Berufstätigkeit noch drei Jahre Jura. Ans Staatsexamen habe ich mich allerdings nicht mehr gewagt – dafür war im Büro zuviel zu tun. Es hat sich ziemlich schnell rumgesprochen, dass da einer ist, der Feuerwehr spielt. 

Kaum ein Bauvorhaben läuft vollkommen reibungslos ab. Insofern ist doch jeder Architekt ein Krisenmanager.

Stimmt, eigentlich sollte das, was ich tue, jeder Architekt beherrschen. Aber aufgrund der meist entwurfslastigen Ausbildung ist das eben nicht der Fall. Viele haben auch keine Lust, sich mit Baumanagement zu beschäftigen. Obwohl ich finde: Nur wer ein guter Manager ist, ist auch ein guter Architekt. 

Wer sind Ihre Auftraggeber?

In erster Linie Bauherren, die nicht mehr weiter wissen. Außerdem seit etwa einem Jahr die Abteilung Problemkredit-Mana­gement der Deutschen Bank, die Bauten von insolventen Bauherren übernimmt. Da geht es um Vertragskontrolle, Kündigungen, neue Ausschreibungen... 

...nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung der meisten Architekten.

Ich übernehme die Fälle, bei denen andere die Hände über den Kopf zusammenschlagen, weil alles so kompliziert ist. Ich bin glücklicherweise jemand, der gern an einem Problem tüftelt. Auch wenn es darum geht, zwischen zerstrittenen Parteien einen Kompromiss zu finden. Es gibt immer Lösungen! 

Was ist denn ein typischer Fall?

Der Schwerpunkt der Fälle liegt im Wohnungsbau. Da soll zum Beispiel ein Haus schlüsselfertig erstellt werden, aber auf halber Strecke geht der GU pleite. Mein Job ist es dann, Haftungsfragen zu klären, Mängel zu dokumentieren, Ansprüche aus der Insolvenzmasse geltend zu machen, neu auszuschreiben. Beklagt werden auch immer wieder schlechte Ausführungsqualität und fehlerhafte Verträge. Da gibt es das Einfamilienhaus, wo der Heiz-Estrich stellenweise nur drei Zentimeter dick ist, die Treppenauftritte ungleichmäßig sind, die Treppe in nichttragenden Wänden verankert wurde und einiges mehr. Der Architekt lässt sich nicht mehr auf der Baustelle blicken, der Bauherr ist verzweifelt. 

Wenn Sie in so einem Fall bei einem Kollegen vorstellig werden, ist der wahrscheinlich erst mal nicht sehr begeistert.

Das stimmt. Die erste Reaktion ist Befremden, manchmal auch Herablassung, nach dem Motto, was will der mir denn erzählen? Die zweite Reaktion ist Angst: Da will mir einer die Schuld in die Schuhe schieben. 

Wie kommen Sie da weiter?

Ich argumentiere ganz sachbezogen und mache klar, dass es nicht darum geht, den Schwarzen Peter zu verteilen, sondern darum, eine konstruktive Lösung zu finden. Wenn der Kollege das realisiert, ist er in der Regel schnell zur Zusammenarbeit bereit. Schließlich trägt keiner gern ungelöste Konflikte mit sich herum. Übrigens kommt es auch vor, dass ich bei näherer Beschäftigung mit der Materie dem Bauherren sagen muss, dass er die Lage falsch einschätzt. 

Die AKNW besitzt eine Schlichtungsstelle, die bei Konflikten kostenfrei zwischen Bauherren und Architekten vermittelt. Was können Sie, was dieses Gremium nicht kann?

Ein großer Unterschied liegt sicher darin, dass ich nicht nur versuche zu vermitteln, sondern bei Bedarf auch ganz praktisch helfe, indem ich zum Beispiel einen Bau weiterführe oder dafür sorge, dass Mängel beseitigt werden. Ich erteile allerdings keine rechtlichen Auskünfte. Das übernimmt bei Bedarf ein Jurist, mit dem ich kooperiere. 

Wenden sich auch Architekten an Sie, wenn sie einen neutralen Vermittler suchen?

Das kommt vor. Neulich wollte ein Bauherr einem Kollegen das Honorar nicht zahlen, angeblich wegen eines Beratungsfehlers. Zum Glück war das Bauvorhaben sehr gut dokumentiert. Nach intensivem Aktenstudium war klar, dass definitiv kein Beratungsfehler vorlag. Das hat der Bauherr im Gespräch mit mir sehr schnell eingesehen. Der Kollege bekam sein Geld und sogar einen Folgeauftrag. Klingt erstaunlich, aber tatsächlich ist es ist für einen Außenstehenden sehr viel einfacher, solche Gespräche zu führen, weil nicht gleich die Emotionen hochgehen. 

Dafür braucht es wohl eine gehörige Portion Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft. Das ist nicht jedem in die Wiege gelegt.

Um gut zu verhandeln, müssen Sie kein brillanter Rhetoriker sein. Sie können andere überzeugen, wenn Sie Ihrer Sache sicher sind und sehr gute Kenntnisse besitzen. Wissen ist Macht. Auch im Baumanagement. 

Planen Sie denn nebenbei noch eigene Projekte?

Aber natürlich! Ich bin ja Architekt. Zum Beispiel habe ich gerade ein Kino in Heerdt umgebaut. In Velbert beplanen wir zurzeit ein großes Areal mit 40 Doppelhaushälften. Welchen Anteil das Krisenmanagement einnimmt, hängt immer von konkreten Projekten ab – mal sind es 40, mal 80 Prozent. Tendenz allerdings steigend. 

Zur Person:
Holger Gronski, Jahrgang 1962, studierte Architektur an der Fachhochschule Düsseldorf und an der Universität Florenz. 1992 machte er sich selbständig, heute führt er zwei Büros in Meerbusch und Düsseldorf mit insgesamt sechs festangestellten Mitarbeitern. Bis zum Sommersemester 2001 unterrichtete er außerdem an der Fachhochschule Düsseldorf Planungs- und Baumanagement.

Autor: Christine Mattauch