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Holzbaufachberater Ludger Dederich: Leuchttürme aus Holz

  • Foto: Ludger Dederichs während eines Vortrag

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    Informiert über den Baustoff Holz: Architekt Ludger Dederichs - Foto: privat

Das Bonner Büro von Ludger Dederich ist angefüllt mit zwei Dingen: Broschüren und Ideen. Beide liegen in Form hoher Papierstapel auf dem Fußboden, beide handeln immer irgendwie von Holz, und zwischen beiden läuft der Architekt bei unserem Gespräch herum und schwärmt von seiner Arbeit. Offiziell ist Ludger Dederich Leiter des Arbeitsbereiches Holzbaufachfachberatung beim Holzabsatzfonds. Inoffiziell ist er der ultimative Kommunikator für den Baustoff Holz. Ein Interview in unserer Reihe „Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern“.

Herr Dederich, wird der Baustoff Holz in Deutschland unterschätzt?

Dederich: Ja. Und zwar massiv. Das kann ich aufgrund langjähriger Erfahrungen in Skandinavien sagen. Dort ist man uns beim Bauen mit Holz – zumindest was Technologie und Brandschutz angeht – um rund 30 Jahre voraus.  

Womit muss der Baustoff Holz denn hierzulande kämpfen?

Früher, bis in die 80er, hat man sich mit Händen und Füßen gegen industrielle Prozesse im Holzbau gewehrt, gegen die Idee, Bauteile im großen Maßstab und vorgefertigt zu produzieren. Heute ist es oft mangelndes Fachwissen oder zumindest das fehlende Bewusstsein dafür, was alles mit Holz möglich ist.  

Dagegen treten Sie beim Holzabsatzfonds, beziehungsweise dem Informationsdienst Holz an.

Genau, der Holzabsatzfonds ist eine Anstalt öffentlichen Rechts, deren Auftrag es ist, den Absatz heimischen Holzes zu fördern. Dazu nutzt er Mittel, die für ihn die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bei Betrieben der Forst- und Sägewirtschaft erhebt. Dies ist eine Art GEZ für die Holzwirtschaft, wenn man so will. Dafür versucht der Fonds unter anderem, die große kommunikative Lücke zwischen Produzenten und Endverbrauchern bzw. Entscheidungsträgern zu schließen. Seit 2003 betreibt der Holzabsatzfonds den Informationsdienst Holz, der auf allen Kanälen Wissen vermittelt. 

Was ist Ihre Aufgabe dabei?

Wir liefern Informationen in jeglicher Form. Wir beraten Architekten und Ingenieure, Bauherren und Ausführende, Hochschulen und Baubehörden und helfen bei der Vermittlung von Spezialisten. Dazu gibt es verschiedene Schriftenreihen, wie unser mehrteiliges „holzbau handbuch“, oder die Ausgaben des „Informationsdienst Holz spezial“, die immer zu Sonderthemen erscheinen. Allein unsere regelmäßige Publikation „Informationsdienst Holz aktuell“ verschicken wir an 70.000 Adressen. Insgesamt kommen wir auf eine Auflage von etwa 300.000 gedruckten Medien im Jahr. Die schreiben in der Regel externe Autoren. Darüber hinaus organisieren wir Fachveranstaltungen, gehen auf Messen und unterstützen Wettbewerbe wie den Deutschen Holzbaupreis. 

Wie gehen Sie denn strategisch vor, um auf den Holzbau aufmerksam zu machen?

Grundsätzlich ist uns extrem wichtig, auf Referenzen hinzuweisen, auf eindrucksvolle Leuchtturmprojekte, die zeigen, was alles geht. Zum Beispiel, dass Holzbau in der Stadt durchaus funktioniert. Unlängst waren wir beim Richtfest für ein siebenstöckiges Stadthaus in Berlin, ein vergleichbar hohes Wohngebäude aus Holz gibt es nirgendwo sonst. Bei diesem Projekt haben wir beraten und vermittelt und freuen uns, wenn die Bewohner im nächsten Frühjahr einziehen.  

Was empfehlen Sie Kollegen, die sich mit dem Thema Holzbau auseinandersetzen wollen?

Ganz generell, immer wenn Probleme – zum Beispiel formalistischer oder bürokratischer Natur – auftreten: Nie zu früh mit dem Denken aufhören. Holz erlaubt viele kreative Lösungen.      

Zur Person:
Ludger Dederich, Jahrgang 1964, machte nach seinem Abitur 1984 eine Lehre als Zimmerer. Einem kurzen Abstecher ins Studium der Bau- und Holztechnik für das Berufsschullehramt folgte ein Architekturstudium an der FH Lübeck. Schon während des Studiums arbeitete er für ein schwedisches Ingenieurbüro in Uppsala, das ihn bis 1997 beschäftigte. Nach Tätigkeit als angestellter Mitarbeiter in Architektenbüros begann er 2001 beim Informationsdienst Holz als regionaler Fachberater für Holzbau in Norddeutschland. Nach 2003 ersetzte der Holzabsatzfonds die Arbeitsgemeinschaft Holz als Träger des Informationsdienst Holz. Dederich leitet dort die Holzbaufachberatung und koordiniert den Informationsdienst.

Autor: Jens Frantzen