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Immobilien für den Markt fit machen - Architekt Bernd Heyder arbeitet in der Finanzbranche

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    Architekt Bernd Heyder Foto: privat

Entwerfen war eigentlich nie seine liebste Disziplin. Das gesteht Bernd Heyder lachend ein. Viel lieber war er in der Praxis tätig: Ausschreibung, Vergabe und vor allem Bauleitung. Sein zentrales Ziel als Architekt für ein Gebäude: Am Ende muss ein Produkt stehen, das nicht nur rundum gelungen ist, sondern auch am Markt nachhaltig funktioniert. Dabei ist es bis heute geblieben. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der Projektentwicklung ist Architekt Bernd Heyder in die Finanzbranche gewechselt. Der 47-Jährige ist Mitglied in der Geschäftsführung bei einer Düsseldorfer Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft.

Herr Heyder, normalerweise planen Architekten Häuser. Sie sind auf der Seite derjenigen, die Fonds verwalten, die Häuser halten. In wie fern nutzt Ihnen da Ihr Fachwissen als Architekt?
Jede Immobilie ist zunächst ein technisches Bauwerk, aber zum Immobilieninvestment gehört viel mehr als Gebäude zu kaufen und zu verkaufen. Eine Immobilie ist ein Produkt, das fit sein muss für den Markt und dessen Wert es zu erhalten gilt. Als Architekt hat man einen ganzheitlichen Blick auf diese Anforderungen.  

Skizzieren Sie doch einmal Ihren Aufgabenbereich.
Unsere Immobilienkapitalanlagegesellschaft ist seit über elf Jahren am Markt tätig. Innerhalb des Unternehmens gibt es drei Kernbereiche: „Investment“, „Asset Management“ und „Rechnungswesen“. Ich verantworte den Bereich „Asset Management“, also die renditeorientierte Vermögensverwaltung. Wenn unser Bereich „Investment“ eine Immobilie erwirbt, trage ich mit meinem Team sorge dafür, dass diese gut „performt“, wie wir sagen, also einen ordentlichen Ertrag erwirtschaftet. 

Wie geht das?
Eigentlich fängt das schon beim Erwerb der Immobilie an. Wichtig ist bereits da die Antwort auf die Frage, in wie fern die Immobilie den sich ständig verändernden Anforderungen der Nutzer dauerhaft gerecht wird. Wie steht es beispielsweise um die Drittverwendungsfähigkeit, etwa wenn ein Mieter kündigt? Lassen sich etwa Nutzungsänderungen durchführen, Grundrisse verändern? Das hat letztendlich sehr viel mit Architektur zu tun. 

Welche Rolle spielt dabei die Architekturqualität?
Die spielt eine wichtige Rolle. Dabei geht es um moderne und zeitlose, aber nicht unbedingt modische Architektur. Moden kommen und gehen. Als Architekt muss man letztlich insgesamt auf das Erscheinungsbild eines Gebäudes schauen.  

Wann haben Sie sich eigentlich entschieden, in die Finanzbranche zu wechseln?
Das war im Jahr 2003. Ich war vorher viele Jahre bei der Bilfinger Berger AG im Bereich der gewerblichen Projektentwicklung tätig. Doch irgendwann wuchs die Erkenntnis, dass es genau so spannend sein könnte, zu einem institutionellen Investor zu wechseln, der auch Projektentwicklung im Bestand macht. Vieles ist ja schon gebaut - gute Immobilien an guten Standorten. So bin ich zu meinem heutigen Arbeitgeber gewechselt.  

Was würden Sie Absolventen raten, die sich ähnlich orientieren möchten?
Vor allem muss man alle Möglichkeiten nutzen, die die generalisierte Architektenausbildung mit sich bringt. Wichtig ist insbesondere der ganzheitliche Ansatz, von dem wir Architekten ausgehen. Praktisch heißt das, den Schwerpunkt nicht nur bspw. auf Entwurfstätigkeiten zu legen. Der beste Entwurf nutzt nichts, wenn ihm die Funktionalität untergeordnet ist. Architektur beinhaltet immer einen interdisziplinären Ansatz. Und über allem muss dann das Thema Nachhaltigeit stehen, da sitzen die Planer letztlich im selben Boot wie die Nutzer und die Investoren. 

Zur Person:
Bernd Heyder, Jahrgang 1962, hat nach einer zweijährigen Ausbildung zum Beton- und Stahlbauer in Essen Architektur studiert. Nach seinem Diplom im Jahr 1989 war er für die Bilfinger Berger AG in der Projektentwicklung tätig. 2004 wechselte er zur APO Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft in Düsseldorf, wo er heute als Mitglied der Geschäftsführung den Bereich "Asset Management" leitet.

 

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