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Kein Tag ohne Linie

  • Foto: Portrait Hawlina

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    Architekt, Zeichner, Karikaturist: Arnd Hawlina schwört auf die größere Emotionalität des Gezeichneten - Foto: Simke Strobler

Hinter einer Batterie von Stiften sitzt Arnd Hawlina an seinem Schreibtisch im sauerländischen Kierspe. Wenn er wollte, könnte er sein Gegenüber sofort mit nur wenigen Strichen treffend karikieren. Hawlina ist nämlich nicht nur Architekt mit einer Vorliebe für Freihandzeichnung, sondern auch scharfäugiger Karikaturist, schneller Grafiker und generell ein großer Freund des Gezeichneten. Sein Talent nutzt er auch als Auftragszeichner für andere Architekturbüros und weitere Auftraggeber. - Ein Beitrag in unserer Serie „Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern“.

Herr Hawlina, Ihr Lebensmotto orientiert sich an einem alten Griechen. Der antike Maler Apelles hat gesagt „Nulla dies sine linea“ – frei übersetzt heißt das „Kein Tag ohne Zeichnung“...

Hawlina: Genau. Ich habe schon immer viel und für mein Leben gerne gezeichnet. Mit zehn Jahren hatte ich meinen ersten 40-seitigen Comic fertig, eine Detektivgeschichte, inspiriert von den bekannten Tim&Struppi-Heften. Später gab es dann mit meinem ebenfalls zeichnenden Bruder regelrechte Zeichen-Duelle. Und mein großer Traum ist immer noch, irgendwann mal einen richtig aufwendigen Science-Fiction-Comic mit viel futuristischer Architektur zu produzieren. Die Leidenschaft, die Welt genau zu beobachten und aufs Papier zu bringen, hat mich immer begleitet.  

Und auch zum Studium der Architektur motiviert?

Ich fand die Architektur eine spannende Symbiose aus Kreativität und handfester Wissenschaft. Es reicht nicht, wenn ein Gebäude nur schön ist, sondern es muss ökonomisch, ökologisch und auch soziologisch sinnvoll sein. Das Zeichnen hat mir dabei immer viel geholfen, weil es ein sehr gutes und vor allem sehr preiswertes Werkzeug ist, wenn man Menschen von seinen Ideen überzeugen will. Und natürlich ein bisschen Talent mitbringt. 

Was sind für Sie die Vorteile einer Freihandzeichnung? 

Ich kann mehr transportieren. So eine Freihandzeichnung, vielleicht sogar selbst coloriert, bringt Emotionen rüber. Viele Menschen, für die wir als Architekten arbeiten, können sich Dinge nicht so gut räumlich vorstellen. Wenn ich ein Haus von innen entwerfe, und dann ganz flexibel noch einen Möblierungsvorschlag mit reinbringe –  oder ganz profane Kleinigkeiten, die Obstschale, den Sekretär an der Wand – bekommt das Bild direkt Leben, Gefühle. Viel mehr als ein CAD-Entwurf. Nicht dass ich Computer nicht schätze, ich arbeite selbst mit CAD-Programmen und bearbeite meine Zeichnungen auch mit Photoshop. Aber manchmal kommt ein wenig Handarbeit einfach gut an. Außerdem bin ich als Freihandzeichner meist schneller und preiswerter. So ein CAD-Rechner nebst aktueller Software muss sich ja erstmal amortisieren.

Wer sind die Abnehmer für diese Handarbeit?

Ganz normale Bauherren im Rahmen regulärer Entwurfs- und Planungsarbeit, aber auch andere Architekturbüros, denen ich mich als externer Zeichner anbiete. Genauso arbeite ich für Medien, etwa für Einrichtungsmagazine, denen ich Skizzen und Ansichten entwerfe, oder für Makler, die mal eine ungewöhnlichere Anzeige aufgeben wollen. Eine, wo neben dem zu bewerbenden Haus auch gezeichnete Menschen zu sehen sind, die dem Objekt Leben einhauchen.  

Und weil sie täglich zeichnen müssen, arbeiten Sie auch als Karikaturist mit spitzer Feder?

Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Zum Beispiel zeichne ich für mehrere Lokalausgaben des Märkischen Zeitungsverlags einen satirischen Wochenrückblick. Auch verschiedene Sportzeitungen wie etwa „Reviersport“ oder die BVB-Fanseite bekommen von mir regelmäßig Karikaturen. Da ist die Zielgruppe dann natürlich eine andere als bei Architektur-Zeichnungen, aber das Prinzip ist das gleiche: Das gezeichnete Bild ist oft der beste Weg um den Betrachter zu packen.   

Zur Person:
Arnd Hawlina, Jahrgang 1968, ging einen Monat vor dem Fall der Mauer nach Berlin und begann an der TU sein Architektur-Studium. Unter anderem arbeitete er an den Wettbewerbsunterlagen für den Potsdamer Platz mit.  Nach dem  Abschluss 1995 zog es ihn zurück ins Ruhrgebiet und das heimische Sauerland. Der freien Mitarbeit in verschiedenen Büros in Dortmund und im Märkischen Kreis folgte im Juli 2003 der Schritt in die Selbstständigkeit. Mit seinem Büro „Architektur & Grafik“ in Kierspe bei Lüdenscheid bietet er nicht nur Architektur-Leistungen an, sondern arbeitet auch als Zeichner und Karikaturist für Zeitungen und Magazine.

Autor: Jens Frantzen