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Paul Donders berät Unternehmer und Manager

Nicht jeder, der Architektur studiert hat, muß sein Leben lang in diesem Bereich arbeiten. Unkonventionelle Wege gehen, Chancen außerhalb der klassischen Tätigkeitsfelder wahrnehmen - das wird angesichts der Krise am Bau und der großen Zahl der Hochschulabsolventen verstärkt gefordert, um dem Nachwuchs Perspektiven zu erschließen. Beispiele gibt es heute schon, sie sind allerdings - auch im Kollegenkreis wenig bekannt. Auf Initiative des Ausschusses „Angestellte und Beamte" der Architektenkammer NRW stellen wir deshalb in einer Interview-Reihe Kollegen vor, die neue Wege gegangen sind und in Bereichen arbeiten, in denen man Architekten nicht unbedingt vermutet, die aber gleichwohl an das berufliche Selbstverständnis anknüpfen. Den Anfang macht Paul Donders, freischaffender Architekt und Geschäftsführer einer Firma für Management- und Unternehmensberatung.Managementsberatung und Architektur - da scheint es auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten zu geben. Leben Sie in zwei Welten?

In gewisser Weise ja, aber Gemeinsamkeiten gibt es schon. Ob ein Bauherr zu mir kommt oder ein chronisch überlasteter Manager oder ein Unternehmer, der seinen Betrieb besser organisieren will: In allen Fällen geht es zunächst darum, bestehende Strukturen zu analysieren. Dann muß ich herauskriegen, was sich der Kunde wünscht und was realistisch ist. Gefragt sind hier wie dort kreative Lösungen, die zu den Personen passen und zugleich wirtschaftlich sind.

Image-Untersuchungen im Auftrag der AKNW haben gezeigt, dass sich viele Architekten mehr als Entwerfer und Gestalter verstehen denn als Manager und Controller. Sie jedoch sind nun ausgerechnet in der Managementberatung tätig. Ein Widerspruch?

Keineswegs. Ich habe nie verstanden, weshalb manche Kollegen glauben, als Architekten hätten sie eine Art Narrenfreiheit. Wir bieten doch eine Dienstleistung für den Bauherrn, und da finde ich es ganz selbstverständlich, dass Kosten- und Terminpläne eingehalten werden müssen. Das hat mich überhaupt zur Managementberatung geführt. Ich war als Angestellter in einem Architekturbüro für größere Projekte verantwortlich und besuchte deshalb konsequent Kurse zu Themen wie Zeitplanung, Mitarbeiterführung, Projektmanagement.

Viele Architekten klagen, dass ihnen die Zeit zur Fortbildung fehlt - bei Ihnen klingt das fast nach einem Hobby.

Die Themen entsprachen sicherlich meiner Neigung, sonst hätte ich mich ihnen nicht so intensiv gewidmet. 1986 habe ich mich sogar für ein halbes Jahr ausgeklinkt und ein Managementtraining an der University of the Nations auf Hawaii absolviert. Klingt wie Urlaub, war aber ein enorm anstrengendes Studium. Danach fühlte ich mich fit genug, um selbst Kurse zu geben, zunächst ehrenamtlich im kirchlichen Bereich.

Läßt sich die Managementsberatung mit dem Architektenberuf überhaupt zeitlich vereinbaren?

Das ist natürlich schwierig. Als ich mich 1987 selbständig machte, wollte ich eigentlich als freischaffender Architekt arbeiten und die Managementsberatung nur nebenbei ausüben. Aber dieser Zweig lief dann so gut, dass die Architektur in den Hintergrund trat. Heute macht sie vielleicht fünf Prozent meiner Tätigkeit aus. Vor zwei Jahren habe ich allerdings noch ein größeres Projekt in Dortmund-Huckarde fertiggestellt, ein Mehrfamilienhaus und sechs Reihenhäuser.

Bedauern Sie, nicht mehr Zeit für solche Projekte zu haben?

Ja, aber selten. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt ganz eindeutig in der Firma. Ich gebe nach wie vor Kurse zu Themen wie Mitarbeiterführung und Zeitplanung und führe selbst Unternehmensberatungen durch. Das macht mir Spaß. Langfristig würde ich den Architektur-Anteil allerdings gern wieder auf 20% steigern.

Haben Sie innerhalb der Beratungsfähigkeit Berührungspunkte zum Baubereich?

Bei der Unternehmensberatung geht es manchmal um Fragen wie: Neubau oder Erweiterung des Firmengebäudes? Da nützt mir natürlich meine fachliche Vorbildung. Dass Architekten oder Bauunternehmer zu meinen Kunden zählen, kommt vor, ist aber eher Zufall.

Was raten Sie Architekturstundenten, um ihre Berufsaussichten zu verbessern?

Sich während des Studiums ein breites Basiswissen aneignen. Eine Spezialisierung ergibt sich meist in der Praxis, wenn man den Beruf erst richtig kennenlernt. Jeder Absolvent sollte aber analysieren, wo seine Fähigkeiten, Neigungen und Ziele liegen. Jemand, der weiß, was er kann und wo er hin will, ist erfolgreicher als jemand, der sich einfach nur treiben läßt.

Zur Person:
Paul Christian Donders, Jahrgang 1957, studierte Architektur an der Fachhochschule Dortmund. Während seines Studiums spezialisierte sich der gebürtige Venloer auf Holzbau, einer Richtung, die damals in der Praxis indessen wenig gefragt war. In einem Architekturbüro in Gevelsberg betreute Donders als Angestellter sechs Jahre lang Projekte im Wohnungs-, Industrie-, Sakral- und öffentlichem Bau, bis er sich 1987 selbständig machte. Heute ist er Geschäftsführer der Firma Power Management Systems in Dortmund. 

Autor: Christine Mattauch