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Raus aus der Esoterik-Ecke

  • Foto: Lothar Lindberg

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    Erfolg mit Feng-Shui-Beratung: Innenarchitekt Lothar Lindberg - Foto: J. Frantzen

Lothar Lindberg sitzt bei unserem Gespräch in der Geschäftsstelle des „Feng-Shui-Netzwerk e.V“. in Leverkusen. Und zwar falsch. Er sitzt falsch. Eigentlich müsste er für optimale Gesprächsbedingungen an der Ostseite des Raumes platziert sein. Oder sie zumindest im Blick haben, denn Himmelsrichtungen sind wichtig. Lindberg ist nämlich nicht nur Innenarchitekt, sondern auch Feng-Shui-Berater. Er erklärt seinen Kunden, wie sie ihre Wohnungen oder Geschäftsräume harmonischer und effektiver gestalten können. Mit stetig wachsendem Erfolg.

Herr Lindberg, wenn Sie als Feng-Shui-Berater zu einem neuen Kunden kommen, was tun Sie da?

Lindberg: Es geht beim Feng Shui um die Harmonisierung der Energieflüsse in einem Raum, einem Haus, einer Landschaft. Ein schönes Schlagwort dafür ist „Feng-Shui ist Akupunktur für Gebäude“. Daher mache ich – im Prinzip wie ein Heilpraktiker – erstmal eine Gesamtanalyse, nicht nur der Räume, sondern auch des Umfelds, der Landschaft und der Menschen. All das sehe ich mir an, angefangen vom Treppenhaus bis zu den Geburtsdaten der Bewohner. Denn daraus lassen sich nach der chinesischen Lehre der Elemente bestimmte Typen ableiten, zu denen zum Beispiel bestimmte Farben passen. Außerdem ordne ich mit einem Kompass die Räume den Himmelsrichtungen zu. Jetzt kann man schauen, wie die Wohnung optimiert werden kann. 

Wie kann das aussehen?

Manchmal tauschen die Leute die Raumfunktionen, zum Beispiel Arbeits- und Schlafzimmer. Ferner können dann zu den Typen passende Farben gewählt werden. Beispielsweise gehört zu einem Mann mit Geburtstag im April 1974 – dem Jahr des Tigers – das Element Erde. Dazu passen gut gelbe Farbtöne und kubische Formen. Die könnten jetzt in der Wohnung Anwendung finden. Leben viele unterschiedliche Element-Typen in der Wohnung, gilt es diese auszubalancieren. Aber darüber hinaus gibt es auch ganz einfache Grundsätze, die mit normalem Menschenverstand nachvollziehbar sind. Ordnung zum Beispiel: Ein aufgeräumter, klar strukturierter Lebensraum trägt ganz viel zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Andererseits kann man aber auch einen Neubau für ein Wohn- oder Bürohaus von Anfang an nach Feng-Shui-Prinzipien planen. In asiatischen Ländern ist das ja die Regel, ganz Hongkong ist schließlich nach Feng-Shui-Regeln gebaut. In Europa fängt der Trend erst an.  

Was halten denn andere Innenarchitekten von diesem Trend?

Die Lager sind gespalten: Die einen halten es für Humbug, aber viele andere sind überzeugte Anhänger. In unserem Netzwerk bin ich wahrlich nicht der einzige Innenarchitekt oder Architekt. Zusammen versuchen wir, Feng-Shui aus der Esoterik-Ecke zu holen, wo es in Deutschland von vielen noch gesehen wird.

Was raten Sie denn einem Kollegen, der sich für Feng-Shui interessiert?

Sich erstmal ein wenig zu informieren, so wie ich es getan habe. Ein Buch lesen, oder mal einen Vortrag hören. Wer sich für eine Ausbildung zum Feng-Shui-Berater interessiert, sucht sich dann eine passende Schule. Dabei sollte man darauf achten, dass die Lehrer dort bei einem namhaften chinesischen Meister oder sogar Großmeister ausgebildet wurden. Am besten sollte man sich vorher auch einfach mal ein paar Objekte anschauen, die die Lehrer realisiert haben. Meine Ausbildung beim Internationalen Forum Feng Shui (IFFS) in Bergisch Gladbach hat ein Jahr gedauert, wobei das Wochenendkurse waren, ein bis zweimal pro Monat. Da bekommt man die Grundlagen vermittelt, selber muss man natürlich immer sein Wissen ausbauen und vertiefen.  

Kommen denn Ihre Kunden gezielt wegen Feng Shui zu Ihnen?

Mittlerweile: Ja. Vielleicht überraschenderweise sind es übrigens eher ältere Semester, die eine Beratung wünschen. Mehr als zwei Drittel meiner Klienten sind über 50 Jahre alt. Und von denen bekomme ich auch viel positives Feedback, von „ich schlafe jetzt viel besser“ bis „ich kann viel konzentrierter arbeiten“. Das freut mich natürlich sehr.  

Zur Person:
Lothar Lindberg, Jahrgang 1958, studierte Innenarchitektur an der FH Düsseldorf und arbeitet seit 1988 als freier Innenarchitekt. Vor acht Jahren hörte er zum ersten Mal von Feng Shui und war sofort begeistert. Er absolvierte eine Ausbildung zum Feng-Shui-Berater. Mittlerweile ist dies sein Hauptbetätigungsfeld. Außerdem ist Lindberg der Mitbegründer des Feng-Shui-Netzwerk e.V. mit Sitz in Leverkusen, eines Zusammenschlusses von derzeit rund 20 Feng-Shui-Beratern.


 

www.feng-shui-netzwerk.info
Autor: Jens Frantzen