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Serie: Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern

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    Architekt Peter Borgsmüller

„Wieso ist da eigentlich noch keiner drauf gekommen?“ fragt man sich, wenn Peter Borgsmüller einem seine Erfindung präsentiert. Der Architekt aus Marl hat ein neuartiges Belüf-tungssystem erdacht und erklärt nicht nur, wie es dazu kam, sondern auch, warum er davon überzeugt ist, dass Architekten prinzipiell auch gute Erfinder sind. - Ein Gespräch aus unserer Reihe „Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern.“

Herr Borgsmüller, was ist das von Ihnen erfundene airQuadsystem?

Borgsmüller: Ein Überdachbelüftungs- und Kühlungssystem, vornehmlich für Raumzellen. Das können beispielsweise Wohnwagen oder Container sein, alle Arten von Hallen, landwirtschaftliche Gebäude und generell alle einfachen Gebäude dieser Welt - etwa auch Schulbauten in Entwicklungsländern. Das System funktioniert ganz einfach: Über eine bestimmte Anordnung eines Strömungsleitelements als Verteilerkreuz unter einer Dachluke wird Frischluft – egal aus welcher Richtung kommend – ins Innere eines Raumes geleitet und durch eine zweite Öffnung wieder hinaus. Dabei reicht die natürliche Windbewegung völlig aus – kein Motor, kein Geräusch, keine Energiekosten. Es entsteht eine passive Kühlung und direkte Belüftung.                   

Wie kamen Sie dazu, dieses System zu entwickeln?

Wir sind gewissermaßen eine Erfinderfamilie, mein Vater war beispielsweise verantwortlich für die Mess- und Regeltechnikwerkstatt der Zeche Auguste Victoria in Marl. An meinem 50. Geburtstag habe ich mich hingesetzt und darüber nachgedacht, wie die schlechte Belüftung unseres familieneigenen Wohnwagens optimiert werden könnte. Da war die Richtung schnell klar.                                     

Die Erfindung ist gemacht - wie geht es dann weiter?                                   

Nun habe ich das rechtskräftige Patent und suche nach interessierten Produzenten oder einem Patentkäufer. Ich schreibe also Briefe, führe Gespräche und präsentiere. Und inzwischen habe ich auch schon einige ernstzunehmende Interessensbekundungen aus der Industrie sowie von einem der größten deutschen Caravanhersteller. Aber das ist ein langwieriger Prozess, der sich hinziehen kann. Wohlgemerkt: Für mich bleibt dieser Bereich ein Hobby, das ich neben meinem Beruf als Immobiliengutachter betreibe.

Meinen Sie, dass Architekten generell gute Erfinder abgeben?                                  

Vielleicht mehr als andere, ja. Weil wir das nötige Handwerkzeug mitbringen und Allrounder sind, uns zum Beispiel auf dem Bau mit jedem Gewerk zumindest ein bisschen auskennen; und weil wir uns relativ leicht in komplexe Strukturen eindenken können und diese visualisieren können. Was einem Architekten sicherlich sehr zugute kommt, ist zum Beispiel die Fähigkeit zu zeichnen. Bei einer Patentanmeldung ist es wichtig, dass man möglichst leicht verständliche, prägnante Skizzen einreicht. Das war natürlich nicht sehr schwer für mich.                                  

Was raten Sie einem Kollegen, der auch eine gute Idee hat? 

Die Idee sehr schnell mit einem Patentschutz zu sichern. Und sich dann mit viel Geduld durch die Bürokratie und Vorzimmer von potenziellen Industrieunternehmen zu kämpfen. Es gibt übrigens auch professionelle Vermarktungsmanager und natürlich spezialisierte Patentanwälte. Zu letzteren kann ich uneingeschränkt raten. Ein guter Patentanwalt berät über die Vielzahl verschiedener Patente von der nationalen bis zur internationalen, der sogenannten PCT-Anmeldung. Und er informiert den Mandanten über alle Fristen und verschafft ihm wertvolle Zeit, indem er etwaige Formfehler von vornherein ausschließt.     

Gibt es ein Fachgebiet, das Sie besonders reizt und in dem Sie Potenzial sehen?

Ich denke, dass vor allem das Thema Energie und Energieeinsparung sehr viel Raum für Erfindungen bietet. Nicht nur, weil es wegen der Klimadebatte gerade in den Medien und der Politik sehr präsent ist, sondern auch, weil es der Architektenschaft hier besonders leicht fallen sollte, spannende neue Lösungen zu finden.

Interview: Jens Frantzen        

Zur Person:Peter Borgsmüller, Jahrgang 1955: Lehre als Bauzeichner, dann Studium der Architektur an der GHS Essen. Mitarbeit in Architekturbüros, Wohnbaugesellschaften und einer großen Versicherung. Seit 1994 ist Borgsmüller als Immobiliengutachter für eine Bank tätig, seit 2002 ehrenamtlich im Gutachterausschuss Oberhausen. Borgsmüller lebt in Marl. Gegenwärtig versucht er, sein System für den Dacheinsatz auch für Seitenwände zu optimieren. 

Autor: Jens Frantzen