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Serie: Der etwas andere Blick auf die Stadt

  • Ein Mann steht vor dem Olympiastadion in Peking und hält eine Karte in die Höhe

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    Detlev Bruckhoff in Peking. Der 40-Jährige bietet Architekturexkursionen an und führt Interessierte durch das Ruhrgebiet und nach China. - Foto: privat

Seine Kamera hat Detlev Bruckhoff immer dabei, wenn er durch seine Heimatregion, das Ruhrgebiet fährt. Denn es könnte sein, dass er ein ihm bis dato noch unbekanntes, bemerkenswertes Bauwerk entdeckt. Das wird dann fotografiert, Urheber, Baujahr und Bauherr werden nachrecherchiert - und schon ist die neue Sehenwürdigkeit gefunden. Dabei ziehen nicht das Weltkulturerbe „Zeche Zollverein“ oder der Duisburger Innenhafen das Interesse des 40-jährigen auf sich. Detlev Bruckhoff ist mit dem etwas anderen Blick unterwegs und organisiert besondere Architektur-Fachexkursionen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Architekturexkursionen anzubieten?
Die Idee ist im Ausland gewachsen. Ich habe zwei Jahre lang in Shanghai gearbeitet. Dort ist die Kulturlandschaft relativ monoton. Da ist mir die kulturelle Vielfalt des Ruhrgebiets bewusst geworden. Zurück in Deutschland habe ich – vor dem Hintergrund der schwierigen Marktsituation für junge Architekten – im Bereich der Architekturvermittlung einen kleinen, speziellen Markt entdeckt.

Sie haben sich mit dem Markennamen „FAR" positioniert. Was heißt das?
Das meint zweierlei. Zum einen drückt es als Übersetzung des englischen Wörtchens „far" Weite und Offenheit aus. Daneben kann man sich auf die Abkürzung FAR beziehen - englisch für „Geschossflächenzahl". Die Bebauungsdichte einer Metropole ist ein Grundparameter, mit dem man sich ein Bild von einer Stadt machen kann. Darauf zielen wir ab. Wir wollen Bilder einer Stadt produzieren.

Welches Angebot haben Sie zu diesem Zweck aufgebaut?
Wir organisieren klassische Rundgänge, Tages- und Wochenend-Exkursionen. Schwerpunkt ist das Ruhrgebiet. Seit kurzem bieten wir aber auch Reisen nach Shanghai und Peking an, weil das die Region ist, mit der ich mich zwei Jahre auseinandergesetzt habe. Wichtig ist, dass wir immer den Status Quo zeigen, nicht ein Idealbild einer Stadt. Daher steuern wir nicht nur die Highlights an, die in der Zeitung stehen. Denn interessant ist doch gerade das, was daneben passiert, beispielsweise im suburbanen Raum. Nehmen Sie das Ruhrgebiet mit seinen 53 Städten. Da gibt es auch 53 Stadtgrenzen – ein architektonisches sowie städtebauliches Spannungsfeld, das man sich einfach anschauen muss.

Das klingt sehr speziell. Für wen organisieren Sie die Führungen?
Natürlich für Architekten und Ingenieure, aber auch für baukulturinteressierte Laien. Im Grunde jeden, der ein echtes Interesse hat, hinterher wirklich schlauer zu sein als vorher.

Wie sprechen Sie Ihre Zielgruppe an?
Hauptsächlich über das Internet. Wir sind aber auch Mitglied im Netzwerk „Guiding Archi-tects", einem europäischen Verbund von Kolleginnen und Kollegen, die Architekturführungen anbieten. Das Besondere dabei: Wir führen nur durch unsere Heimat, durch Regionen, die wir kennen. Und wir bringen alle praktische Erfahrung als Grundreferenz mit. Es ist ein Unterschied, ob ich Architekturführungen mit theoretischem Wissen mache oder ob ich selbst schon mal auf einer Baustelle gestanden habe und aus dem Nähkästchen plaudern kann.

Sie haben auch noch ein Planungsbüro als Standbein. Bleibt dafür überhaupt noch Zeit?
Ja, ich bin nach wie vor Architekt. Die Architekturexkursionen betreibe ich mit dem Know-how eines Architekten. Die beiden Standbeine befruchten sich gegenseitig. Außerdem sind die Exkursionen ein Saisongeschäft.

Zur Person:
Detlev Bruckhoff, Jahrgang 1968, studierte Architektur in Bochum und Wuppertal. 2001 bis 2004 arbeitete er als selbstständiger Architekt, bevor er für zwei Jahre nach Shanghai ging, um dort im Bürobau tätig zu sein. Seit 2006 ist er zurück in Bochum, plant schwerpunktmäßig Umnutzungsmaßnahmen und bietet Architekturführungen an.

www.far-galerie.de
Autor: Melanie Brans