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Serie: Mit dem richtigen Rüstzeug

  • Porträtfoto: Rolf Bastian am Telefon

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    Rolf Bastian arbeitet als Energiebeauftragter bei der Stadt Ratingen. Seine Aufgaben liegen nicht nur im technischen Bereich sondern beispielsweise auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

Rolf Bastian (42) hat einen Auftrag - einen Auftrag, der mit Sparen zu tun hat. Mit „Ener-gie sparen“, um genau zu sein. Der Architekt aus Oberhausen ist Energiebeauftragter bei der Stadt Ratingen. Als solcher ist er seit 2007 für das gesamte kommunale Energie-management verantwortlich und ist inzwi-schen stellvertretender Hochbauamtsleiter. - Ein Interview in der Reihe "Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern".

Herr Bastian, Sie sind als ausgewiesener Fachmann für energetisch optimiertes Bauen eigentlich bestens aufgestellt für eine Selbstständigkeit. Wieso haben Sie diese dennoch aufgegeben?
In erster Linie hat mich die mit der Stelle verbundene Herausforderung interessiert. Es war ja klar, dass ich mit der Tätigkeit in der Verwaltung neues Terrain betrete. Zudem war die Stelle des Energiebeauftragten vorher lange unbesetzt. Doch die Entscheidung für die Festanstellung hatte auch persönliche Gründe. Wärmeschutz, Energieberatung und energetische Optimierung von Gebäuden - das war in der freien Wirtschaft lange ein zähes Geschäft.  

Für ihre Stelle wurde eigentlich ein Techniker gesucht. Sie waren also überqualifiziert. Was hat Sie dennoch gereizt?
Ich habe erfahren, welche Möglichkeiten sich mir bieten. In manchen Kommunen arbeitet der Energiebeauftragte im Umweltamt. Oder jemand in der Verwaltung übernimmt den Job quasi nebenher. Hier sollte die Stelle aber im Hochbauamt angesiedelt sein. Da ist man als Architekt natürlich genau richtig! 

Sie sind inzwischen stellvertretender Amtsleiter. Offensichtlich hatten Sie genau die richtigen Konzepte für die Stadt.
Mein Job hätte auch so aussehen können, dass ich regelmäßig den Kilowattstunden-Verbrauch der städtischen Gebäude messe und Statistiken präsentiere. Aber ich bekam freie Hand und konnte gestalten. Ich arbeite in einer Stadt, die sich früh zur Energieeffizienz bekannt, beispielsweise schon 2008 damit begonnen hat, den Gebäudebestand auf den EnEV-2009-Standard umzustellen. 

Was sind denn genau Ihre Aufgaben?
Ich überprüfe sämtliche Planungen der Kommune auf ihre energetische Optimierung hin. Das beginnt schon beim Bau eines Kindergartens, indem wir etwa überprüfen ob regenerative Energien vorgesehen werden können. Das betrifft aber beispielsweise auch das Gebäudemanagement. Zurzeit sind wir dabei ein Controlling-System für die städtischen Gebäude aufzubauen. Dieses soll den Energieverbrauch messen und Ausreißer ausfindig machen. 

Sie sagen, Sie sind auch Klimaschützer. Was heißt das?
Meine Aufgaben erschöpfen sich nicht im technischen Bereich. Wir versuchen auch auf das Verbraucherverhalten Einfluss zu nehmen. Zuletzt haben wir eine Energiesparbroschüre für Bürger aufgelegt. Hinzu kommt dass der Energiebeauftragte auf einer übergeordneten Ebene mitdenkt, etwa wenn es um nachhaltiges Flächenmanagement geht.  

Wie häufig begegnen Sie Architektenkollegen, wenn Sie andere kommunale Energiebeauftragte treffen?
Viel zu selten! Ich schätze, nur etwa zehn bis 15 Prozent sind Architekten. Das ist schade, wo wir doch das richtige Rüstzeug mitbringen.  Architekten können kalkulieren, planen und koordinieren. Dadurch kann sich die Energiebilanz einer Stadt verbessern – und die Baukultur gleich mit.

Zur Person:

Rolf Bastian studierte Architektur an der FH Bochum. 1994 legte er sein Diplom ab. Er sammelte in verschiedenen Büros Erfahrungen im Bereich Energieberatung. Als staatlich geprüfter Sachverständiger für Wärmeschutz sowie zertifizierter Bafa-vor-Ort-Berater machte er sich 1998 mit einem eigenen Büro selbstständig. 2007 wurde er Energiebeauftragter der Stadt Ratingen.

www.aknw.de/mitglieder/profilbildung-taetigkeitsfelder/architekten_in_nrw/index.htm
Autor: Melanie Brans bra