« zurück

Serie: "Wir zeichnen nicht einfach nur ein Bild"

  • Bild 1 von 1

    Mit einem sehr speziellen Fachwissen hat sich Architekt Alexander Pfeiffer ein berufliches Standbein neben der Entwurfsplanung geschaffen.

Eine gute Entwurfsidee ist das Eine. Doch Auftraggeber oder Investoren von dieser Idee zu überzeugen – das ist das Andere. Dazu bedarf es oft bis ins Detail durchdachter Präsentationsformen. „Wir erzählen Geschichten“, sagt Alexander Pfeiffer. Der 32-jährige Architekt aus Aachen hat sich mit seinem Büro „rendertaxi“ auf die Illustration von Entwurfsplanungen spezialisiert. Er bietet Dienstleistungen aus den Bereichen Visualisierung und Simulation an und fertigt für Architekturbüros virtuelle 3D-Modelle, Renderings oder Objekt-Animationen.

Herr Pfeiffer, sind Sie eigentlich mehr Grafik-Designer oder mehr Architekt?
Ich bin natürlich Architekt! Wenn auch einer mit einem sehr wertvollen Spezialwissen. Aber Sie haben schon recht - wir bewegen uns tatsächlich in einer Grauzone. Die Leistung, die wir anbieten, ist beispielsweise nicht über die HOAI abgedeckt. Doch Entwerfen und Visualisieren gehören absolut zusammen. Erst wenn ein Entwurf sichtbar wird, kann man einen Entwurfsgedanken nachhaltig überprüfen.

Was hebt Sie vom Mitbewerber am Markt und Grafik-Designer ab, der kein Architekt ist?
Ich weiß, wie Planungsprozesse ablaufen. Ich kenne gestalterische und technische Voraussetzung. Und das führt dazu, dass ich auch mit abstrakt kommunizierten Eckdaten etwas anfangen kann. Für eine funktionierende Visualisierung reicht mir zur Not auch mal eine Skizze mit Rastermaß und drei weiteren Bezugsgrößen. Ein Grafikdesigner ohne mein Hintergrundwissen müsste da erst aufwändig gebrieft werden.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich auf Visualisierung zu spezialisieren?
Ich bin während meines Studiums da hinein gewachsen. Natürlich habe ich auch Freihandzeichnen gelernt. Doch irgendwann wuchs eine Begeisterung für die sich immer rasanter entwickelnden technischen Möglichkeiten der Darstellung. Irgendwann habe ich nächtelang vor dem Computer gesessen. Die Nachfrage nach Leuten, die sich auskennen, ist groß. Das habe ich dann auch gemerkt.

Was fasziniert Sie an dem Aufgabengebiet?
Es vereint die Fähigkeiten eines Architekten mit denen eines Fotografen, Grafikers, ja Künstlers. Hinzu kommt die Vielfalt. Visualisierung ist nicht gleich Visualisierung. Die Anforderungen an eine Illustration für einen Wettbewerbsbeitrag sind ganz andere als die Anforderungen an eine Illustration, die für Vermarktungszwecke erstellt wird.

Beschreiben Sie doch mal die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den Architekturbüros?
Das Business ist manchmal stressig. Oft werden wir erst ein oder zwei Wochen vor einer Abgabe eingeschaltet. Aber gerade hier können wir dann ja die Stärken ausspielen, die unser fachlicher Hintergrund mit sich bringt. Wir zeichnen nicht nur ein Bild, wir steigen in den Entwurfsgedanken detailliert ein, damit wir ihn unterstützend darstellen können.

Haben Sie nicht Sorge, irgendwann vom technischen Wandel überholt zu werden?
Das Geschäft ist schnelllebig. Man muss technisch auf den Laufenden bleiben. War es früher noch ein Riesenschritt, wenn man zum ersten Mal eine Wand im dreidimensionalen Raum darstellen konnte, wird das heute quasi als Grundkenntnis vorausgesetzt. Dafür tut sich aktuell ganz viel im Kleinen, etwa im Bereich der Oberflächendarstellung, die immer realistischer wird. Auch da muss man die Nase vorn haben.

Zur Person:
Alexander Pfeiffer (32) studierte Architektur in Aachen. 2004 gründete er sein Büro für Visualisierung (www.rendertaxi.de), das er neben seiner Weiterbildung zum Architekten zunächst nur nebenberuflich betrieb. Inzwischen beschäftigen er und sein Partner Felix Volland zwei Angestellte und mehrere freie Mitarbeiter. Daneben entwirft Alexander Pfeiffer Bauprojekte in Kooperation mit anderen Architekturbüros.

Autor: bra