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Software-Spezialist Peter Knoche: "Auch Software ist ein Projekt"

Er war schon drauf und dran, sich auf Krankenhausbau zu spezialisieren. Mindestens ebensoviel aber verstand Peter Knoche von EDV für Architekten. Als ihm ein Hersteller von Bau-Software kurz nach der Wiedervereinigung anbot, eine Niederlassung in Berlin aufzubauen, zögerte er nicht lange und sagte „ja". Heute ist Knoche Geschäftsführer und Gesellschafter des mittelständischen Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf und damit einer der Kollegen, die ihr Knowhow außerhalb der klassischen Tätigkeitsfelder der Architekten einsetzen.Als Sie 1985 Ihr Studium beendeten, sah die Situation für Architekten, ähnlich wie heute, nicht gerade rosig aus. Haben Sie sich deshalb mit der EDV ein zweites berufliches Standbein geschaffen?

Das war ein ganz wichtiger Grund. Ein anderer Grund war mein schon während des Studiums erwachtes Interesse, die vielfältigen Tätigkeiten des Architekten mit den modernen technischen Möglichkeiten der EDV zu unterstützen. Meine Idee war, durchgängige EDV-Lösungen über alle Leistungsphasen hinweg zu schaffen. Die Software für Architekten steckte damals aber noch in den Kinderschuhen. Bei meinem ersten Arbeitgeber, einem Architekturbüro, war ich der einzige, der etwas von EDV verstand.

Hatten Sie nicht, wie viele Absolventen, den Ehrgeiz, sich als Entwerfer zu profilieren?

Man muss realistisch bleiben. Ein Stararchitekt wäre ich ohnehin nie geworden - mal ehrlich, wer wird das schon? Meine Kombination Architekt und Computerfachmann ist hingegen so selten, auch heute noch, dass ich in der Branche als Ausnahmegestalt gelte. Und ich habe ständig mit namhaften ArchitektenKollegen zu tun, die ich sonst womöglich nie kennengelernt hätte.

Architekten, denen Sie zum ersten Mal begegnen, erwarten einen Software-Spezialisten. Wie reagieren sie, wenn sie erfahren, dass Sie Kollege sind?

Sehr unterschiedlich. Einige können kaum glauben, dass ein Architekt Spaß daran hat, Software zu entwickeln und zu verkaufen. Nach dem Motto: Nur Künstler sind vollwertige Menschen. Andere haben diesen Dünkel nicht. Sie sehen mich als gleichberechtigten Partner und sind froh, dass sie von einem Fachmann beraten werden, der etwas von Architektur versteht und ihre Wünsche umsetzen kann. Die fachliche Grundausbildung ist übrigens eine Anforderung, die ich an alle Mitarbeiter stelle, die in direktem Kontakt zu den Anwendern stehen.

Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt heute klar im kaufmännischen Bereich. Inwieweit sehen Sie sich noch als Architekt?

Es ist doch nicht so, dass man seine Identität als Architekt verliert, nur weil man auf einem Gebiet tätig ist, das nicht zu den klassischen Tätigkeitsfeldern gehört. Das traditionelle Berufsbild des Architekten ist, gemessen an den Anforderungen der Zukunft, ohnehin viel zu eng gefaßt. Wie ich es sehe, bin ich Architekt geblieben, bringe mein Wissen und meine Fähigkeiten nur woanders ein. Ich bin auch nach wie vor Kammermitglied und lese mit großem Interesse das DAB.

Wo sehen Sie Schnittstellen zu Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Software-Entwicklung ist ein Projekt, ebenso wie ein Bauvorhaben. Erfolgreiches Projektmanagement setzt in beiden Fällen voraus: die Fähigkeit zur Koordination, zur Menschenführung und zum vorausschauenden Denken. Auch strukturell existieren bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen der Computer- und der Baubranche: Die Entwicklungsphase der Produkte ist, gemessen an der Gebrauchszeit, vergleichsweise kurz. Während der Nutzung ändern sich oft die Bedürfnisse und die technischen Voraussetzungen, so dass immer wieder Anpassungen und Weiterentwicklungen erforderlich werden. Auch die Strukturen der Beteiligten sind ähnlich: Was beim Bauvorhaben der Bauherr ist, ist bei der Software der User; wo auf der Baustelle die ausführenden Firmen stehen, stehen bei der Software-Genese die Programmierer.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages wieder im Architekturbüro tätig zu sein?

Meine berufliche Zukunft sehe ich eindeutig bei der Firma, für die ich zur Zeit arbeite. Ich stehe hier vor sehr interessanten Aufgaben und verliere im Moment gar keine Gedanken darüber, wieder im Architekturbüro tätig zu sein. Wir arbeiten heute schon an völlig neuartigen Programmkonzepten für die nächsten Jahre. Damit habe ich die Chance, die Entwicklungen der Branche entscheidend zu gestalten, und das ist mir sehr wichtig.

Viele Praktiker meinen, die Architekten-Ausbildung sei zu sehr auf den Entwurf konzentriert. Teilen Sie die Kritik?

Es ist jedenfalls für die meisten Absolventen äußerst ratsam, sich Zusatzkenntnisse anzueignen, vor allem im betriebswirtschaftlichen Bereich. Architekten sind zwar oft gute Entwerfer, aber nicht unbedingt gute Unternehmer. Angesichts der scharfen Konkurrenz im Planungssektor werden sich gerade jüngere Kollegen dieses Manko nicht mehr leisten können. Ich persönlich wäre übrigens froh, wenn sich mehr junge Architekten mit CAD- und AVA-Kenntnissen bereit fänden, in der Computerbranche zu arbeiten. Der Bedarf ist groß - ich könnte sofort fünf Leute einstellen.

Zur Person:
Peter Knoche, Jahrgang 1958, studierte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität (RWTH) Aachen Architektur mit Schwerpunkt Städtebau. Nach seinem Diplom im Jahr 1985 absolvierte er eine Zusatzausbildung „EDV für Architekten" und stieg anschließend in ein Düsseldorfer Architekturbüro ein. Dort betreute er Krankenhaus-Projekte über alle Leistungsphasen hinweg; nebenbei machte er das Büro fit fürs EDV-Zeitalter. So entstand der Kontakt zu einem mittelständischen SoftwareHersteller, der sich auf BauSoftware spezialisiert hat. Dort ist Knoche heute Geschäftsführer und Gesellschafter.

Autor: Christine Mattauch