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Thomas Schriefers: Architektur in der Kunst

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    Künstler-Architekt Thomas Schriefers - Foto: T. Saltmann

Viele Architekten betrachten sich als Künstler - Thomas Schriefers ist tatsächlich einer. Seine Architektur-Collagen, bei denen er mit Räumen und Perspektiven spielt, sind gefragte Sammlerobjekte. Ein weiterer Beitrag unserer Interview-Reihe mit Architekten, die abseits der herkömmlichen Tätigkeitsfelder tätig sind.Sie stammen aus einer Künstlerfamilie - Ihr Vater ist Maler, Ihre Mutter Objektkünstlerin. War Ihr Berufsweg also vorgezeichnet?

Ich bin da zumindest reingewachsen. Meine Schwester und ich, wir waren als Kinder immer dabei: im Atelier, bei Ausstellungen, bei Treffen mit Künstlerfreunden. Die Entstehung und der Umgang mit Kunst waren Teil des Alltags. 

Trotzdem haben Sie sich für ein Architektur- und nicht für ein Kunststudium entschieden.

Architektur ist meine erste Leidenschaft, sie ist ja auch meinkünstlerischer Gegenstand. Außerdem habe ich mich schon während der Schulzeit für Collagen interessiert, und das war damals keine populäre Technik, nicht nur an den Kunstakademien. Meine künstlerische Entwicklung fand außerhalb der Hochschule statt. 

Sich als Künstler einen Namen zu machen ist schwer. Hatten Sie durchs Elternhaus einen Startvorteil?

Die Kontakte zu anderen Künstlern waren hilfreich, aber die zu Auftraggebern musste ich selbst aufbauen. Meine Eltern arbeiten ganz anders als ich, und wer ihre Bilder kaufte, kaufte keine von mir. Ich habe ganz klein angefangen, wie andere auch, etwa mit Ausstellungen in Restaurants. Nach und nach wurde ich bekannter, auch durch Bücher und die Mitwirkung an großen Ausstellungen. Ein Höhepunkt war die Teilnahme an der Expo in Hannover. Was fasziniert Sie am künstlerischen Arbeiten?In der Kunst geht es um Ideen, auf einem sehr viel abstrakteren Niveau als in der Architektur. Bilder sind für mich wie Strategiepapiere. Sie drücken Konzepte und Gedanken aus, ohne Anspruch auf materielle Realisierung. 

Sie sind aber auch als Architekt tätig, bauen zum Beispiel Wohnhäuser. Fließen künstlerische Gestaltungsprinzipien in Ihre Entwürfe ein?

Als Künstler denkt man freier, diese Herangehensweise ist bei der Planung vielleicht ein Vorteil. Aber ich baue keine Skulpturen – meine architektonischen Entwürfe sind sehr realistisch und nutzerbezogen. Wie jeder gute Architekt möchte ich Häuser bauen, in denen sich die Bauherren wohlfühlen. Zwar habe ich auch Konzeptionen für Bauten, die sich aus meiner künstlerischen Arbeit ableiten, aber bis ich die umsetzen kann, liegt noch ein weiter Weg vor mir. Es wird vielleicht morgen gebaut oder nie. 

In der Bauwirtschaft herrschen zurzeit alles andere als goldene Zeiten, aber Kunst gilt seit jeher als ausgesprochen brotlos. Subventioniert der Architekt Schriefers den Künstler Schriefers?

In diesen Zeiten ist es eher umgekehrt: der Künstler ernährt den Architekten. Mein Wirkungskreis in der Kunst ist sehr vielfältig. Zurzeit bearbeite ich zum Beispiel eine große Design-Sammlung, kategorisiere die Objekte und entwickele Dramaturgien für Ausstellungen. Ich schreibe auch Fachbücher und bin Dozent für Ausstellungsarchitektur an der FachhochschuleKöln. Und glücklicherweise gibt es zahlreiche Sammler, die immer wieder Collagen von mir erwerben. 

Als Künstler können Sie tun und lassen, was Sie wollen. Und als Architekt?

Planen und Bauen geht nur im Team, und das Produkt ist das Ergebnis einer ständigen Abstimmung. Während in der Kunst die Einladung zum Dialog erst durch die Ausstellungen erfolgt. Ich mag beides - die Arbeit im Team und die vollständige Ungebundenheit als Künstler. 

Sie passen in keine Schublade. Für manche Kollegen ein Problem?

Ich vereine, wo viele andere eine Trennlinie ziehen: Künstler, weil sie meinen, die Architekten sollten bei der zweckgebundenen Gestaltung bleiben; Architekten, weil sie glauben, durch ihre Arbeit die Kunst zu ersetzen. Hier wünsche ich mir eine größere Aufgeschlossenheit. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich schöpferische Menschen gegenseitiganerkennen und miteinander arbeiten. Übrigens auch an den Hochschulen. Dort wird zwar viel über Kooperation gesprochen, aber praktisch sehr isoliert gearbeitet.  

Zur Person:
Thomas Schriefers, Jahrgang 1964, studierte 1983 bis 1990 Architektur an der RWTH Aachen und war nebenher - u.a. als Schüler von Prof. Eduardo Paolozzi in Salzburg - freikünstlerisch tätig. 1988 hatte er seine erste Einzelausstellung von Architekturcollagen, 1993 erhielt er den Schinkel-Preis für Kunst und Bauen. Seit 1998 betreibt er in Köln ein eigenes Planungsbüro.

Autor: Christine Mattauch