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Deutsche Architekten für Ausführungsplanung gefragt

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    In Frankreich erfolgreich tätig: Architekten Arno Schützendorf (l.) und Holger Kohlenbach - Foto: Freiraum + Architektur

„NRW-Architekten im Ausland“ - unter dieser Rubrik stellen wir in unregelmäßigen Abständen nordrhein-westfälische Architektinnen und Architekten vor, die im Ausland tätig sind und Erfahrungen über das Arbeiten in einzelnen Ländern weitergeben können. Wie zum Beispiel das Planungsbüro Freiraum + Architektur aus Haan, das seit drei Jahren in Frankreich aktiv ist.

1987 gründete Arno Schützendorf in Haan das Planungsbüro Freiraum + Architektur, das anspruchsvolle Villen und Gärten realisiert. Seit 2001 wickelt Architekt Schützendorf in Kooperation mit einem französischen Partner auch Wettbewerbe und Planungen für kommunale Schwimmbäder in Frankreich ab. Der Anlass, ins Ausland zu gehen, ergab sich dabei durch Zufall, erinnert sich der Architekt. „Ein befreundeter Unternehmer aus Frankreich sprach mich vor drei Jahren auf ein Großprojekt hin an.“ Schützendorf, der in Paris studiert hatte und fließend Französisch spricht, sagte zu und startete vor drei Jahren mit der Projektierung einer großen Skihalle bei Paris. Als für die Umsetzung ein Partner vor Ort gebraucht wurde, wandte sich der Planer an einen Kommilitonen aus der Pariser Zeit. Tatsächlich ließ sich der alte Kontakt wieder beleben und es entstand eine enge deutsch-französische Kooperation mit einem Büro, das sich auf öffentliche Sportbauten spezialisiert hat. „Vor allem für unsere Ausführungsplanung ernten wir regelmäßig Lob“, freut sich Schützendorf, der sich vor allem in diesem Segment positioniert hat. Hierbei profitiert er von seiner umfassenden Architekturausbildung, die sich von den französischen Standards positiv abhebt. Das Arbeiten an zwei Standorten erfordere äußerste Disziplin, eine gute Zeiteinteilung und ein absolut verlässliches Mitarbeiter, betont der Planer. „Ohne meinen Partner Holger Kohlenbach wäre dieses Arbeitspensum nicht zu bewältigen“, bekräftigt der ständig zwischen beiden Ländern hin und her pendelnde Büroinhaber. 

Baurecht 

Bauen in Frankreich ist durch eine Vielzahl an Vorschriften geregelt, die teilweise stark von deutschen Normen abweichen. Zum Beispiel muss nur bei großen Wohnbauten bzw. öffentlichen Gebäuden ein Architekt als Entwurfsverfasser auftreten. Bauanträge für Wohnhäuser bis 150 qm kann jedermann  einreichen, was sich massiv auf die gestalterische Qualität der gebauten Realität auswirkt. „Im Bereich des ökologischen Bauens hinkt Frankreich den deutschen Standards um mindestens zehn Jahre hinterher“, schätzt Arno Schützendorf. Bislang existieren in Frankreich sehr laxe Vorschriften in punkto Energiebilanz von Gebäuden. Daraus könnte sich zukünftig ein wachsender Markt für geschulte Fachkräfte ergeben. 

Berufsausübung 

Ausländische Architekten können in Frankreich unter bestimmten Voraussetzungen arbeiten: Bei landesweiten Projekten ist eine Eintragung in die Architektenliste erforderlich; ansonsten genügt eine Deklaration bei der zuständigen Regionalabteilung der „Ordre des Architectes“. Neben einer Eintragungsbestätigung aus dem Heimatland muss u.a. eine Beschreibung des fraglichen Projektes mit Angabe der Kosten sowie ein Bauzeitenplan eingereicht werden. 

Akquisition  

Beschränkte Wettbewerbe loben die einzelnen Kommunen direkt aus. In der Regel werden drei Büros ausgewählt, die für ihren Beitrag eine Vergütung erhalten. Der Gewinner darf dann das Bauvorhaben realisieren. Bei der Bewerbung ist der Nachweis entsprechender Referenzobjekte in einer auch für Laien verständlichen Form entscheidend, da die Jury vor allem aus kommunalen Vertretern besteht. Für Ausländer ist jedoch ohne entsprechende Kontakte vor Ort eine Akquisition von Aufträgen - nach Einschätzung von Schützendorf - nahezu unmöglich.Zu beachten ist auch, dass die Gewährleistungsfrist für Architektenleistungen in Frankreich über zehn Jahre läuft. Dies führt oft zu Problemen mit deutschen Versicherungen, da diese oftmals nur fünfjährige Fristen abdecken.  

Kommunikation 

Eine sichere Beherrschung der Sprache ist die Basis erfolgreicher Kommunikation. „Ohne fließendes Französisch ist man als Architekt in Frankreich verloren“, gibt der Planer zu bedenken, denn die meisten Franzosen beherrschen lediglich ihre Muttersprache. Daher sein Tipp an alle jungen, an Frankreich interessierten Architekten: sich bereits frühzeitig um Kontakte zu bemühen.  

Wichtige Adressen:

· Conseil National de l’Ordre des Architectes (CNOA), www.architectes.org
· Union Nationale des Syndicats Français des Architectes, www.archilink.com/unsfa · Mission Interministerielle pour la Qualité des Constructions  Publiques, www.archi.fr/MIQCP
· Netzwerk Architektur-Export der Bundesarchitektenkammer (NAX), www.bak.de

Autor: Sibylle Eck