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Albert Erbe (1868 - 1922): Für eine malerische Stadt

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    Die Friedenskirche in einer historischen Ansicht aus den 1920er Jahren (Foto: Stadt Essen)

Die Alt-Katholische Friedenskirche in Essen ist nicht präsent im öffentlichen Bewusstsein, obgleich sie in prominenter Nachbarschaft zur Alten Synagoge steht. Im Zuge einer umfassenden Restaurierung ist ihr markanter Turm bereits in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt, und auch die Maßnahmen an den Außenmauern sind bald abgeschlossen: Anlass genug, sich das Bauwerk und seinen Baumeister in unserer Reihe „Retrospektive“ ins Gedächtnis zu rufen.

Wenn Albert Erbe hätte wählen können, wäre er wohl lieber in Hamburg geblieben und vom Stadtbaumeister zum Baudirektor aufgerückt; aber die Hansestadt berief 1911 Fritz Schumacher auf den Posten.

Der Architekt Albert Erbe
Nach dem Studium an der Technischen Hochschule Charlottenburg hatte der aus Weilburg an der Lahn gebürtige Albert Erbe zunächst für verschiedene Eisenbahndirektionen gearbeitet, bevor er 1901 nach dem 2. Staatsexamen in den Hamburgischen Staatsdienst eintrat. Nach der Promotion wollte er in Hamburg unter Schumacher nicht der zweite Mann bleiben und bewarb sich anderweitig - mit Erfolg als Beigeordneter in Essen. Dort trat er im Bauamt das Erbe von Edmund Körner an, der 1911 auf die Mathildenhöhe nach Darmstadt berufen worden war. Beide wohnten in Essen im Moltkeviertel.
Wie schon in Hamburg beschäftigten Erbe in Essen zunächst hauptsächlich Schulen wie die Viktoriaschule Kurfürstenplatz oder das Lehrerseminar in Huttrop, beides großvolumige Ziegelbauten. Die Aufgabe, für die seit 1873 in Essen bestehende Alt-Katholische Gemeinde eine eigene Kirche zu entwerfen, stellte die Stadt Essen in dem Bestreben, die Stadterweiterung östlich des ehemaligen Mauerrings aufzuwerten. Als Standort war das Steeler Tor vorgesehen, wo mit dem Jahrhundertbrunnen (1902-07) bereits eine Platzanlage vorgegeben war. Diese sollte einerseits durch die Synagoge (Entwurf Edmund Körner 1911-13), andererseits durch die Friedenskirche (Albert Erbe 1914-16) eingefasst werden. Im Baumaterial Bruchstein bzw. Ziegel unterscheiden sie sich deutlich, dennoch antworten beide Entwürfe einander mit ihren Vor- und Rücksprüngen, hier Kuppel dort Krüppelwalmdach, hier Giebel dort schlanker Turm. Beide bilden ein Ensemble im Sinne des damals angestrebten, malerischen Städtebaus.

Essener Friedenskirche - fügt sich zurückhaltend in die Quartiersbebauung ein
Im Gegensatz zur Synagoge ist die Friedenskirche nur teilweise freistehend konzipiert, denn entlang der Front Schützenbahn schließt sich das 1912 gebaute katholische Gesellenheim an, heute Katholisches Stadthaus. Auch beherbergte der winkelförmige Baukomplex selbst verschiedene Funktionen: Auf der Straßenseite eine Schule für die Gemeinde und darüber die Pfarrerwohnung sowie in Richtung Steeler Straße im Untergeschoss einen Gemeindesaal und darüber erst die eigentliche Kirche. Das Bindeglied bildet der achtseitige Turm mit von Säulen umstandenem Glockengeschoss und konisch sich zuspitzendem Helm. Das Turmuntergeschoss umläuft eine Galerie, durch die man in die Kirche gelangt. Die hohe Terrasse, die den Jahrhundertbrunnen wirkungsvoll hinterfängt, ist zugleich Vorplatz der Kirche. Die dort gepflanzten, schlanken Bäumchen sind allerdings inzwischen so hoch gewachsen, dass sie diese fast ganz verdecken. Der Kirchenraum mit seinen hohen, schlanken Fenstern wirkt von außen wie ein großes Haus, das sich zurückhaltend in die Quartiersbebauung einfügt. Anders der Innenraum, ein einfacher Saal mit Apsisnische, aber kostbar wie ein Schatzkästlein ausgestaltet nach Entwurf von Jan Thorn Prikker, damals Lehrer an der Essener Kunstgewerbeschule. Wie ein in Rautenmustern gestickter Sternenhimmel überspannt den Raum das Tonnengewölbe, dessen Ausmalung nach Originalbefunden wieder hergestellt wurde.

Außensanierung der Friedenskirche durchgeführt
Stifter für die reiche Ausstattung der Kirche waren „Herr und Frau Krupp von Bohlen und Halbach“, wie eine Inschrift in dem Mosaik vermerkt, welches die gesamte Apsis füllt. Das Mosaik wurde in den Werkstätten von Gottfried Heinersdorf in Berlin hergestellt, der wiederum über Karl Ernst Osthaus mit Prikker bekannt war. Bindeglied zwischen allen Beteiligten war der 1907 gegründete Deutsche Werkbund, dem Albert Erbe spätestens seit 1913 angehörte wie auch Heinersdorf und Prikker. Albert Erbe musste aus gesundheitlichen Gründen 1920 den Dienst aufgeben und starb 1922 in Essen. - Die Außenrestaurierung der Friedenskirche leitet das Büro Planwerk Essen.

Objekte auf baukunst-nrw:
Alte Synagoge in Essen

Autor: Dr. Gudrun Escher