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Bernhard Küppers (1934 - 2008): Beharrlichkeit und Witz

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Auf Publizität hat Berhard Küppers nie Wert gelegt - deshalb blieben die meisten seiner gut 35 großen Bauentwürfe als Leitender Baudirektor der Stadt Bottrop unveröffentlicht, oft auch unbeachtet selbst in der eigenen Stadt. Überragende Bedeutung für die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts kommt seinem Hauptwerk zu, dem Museum Quadrat Bottrop. "Wer draußen an Bottrop denkt, hat das ‚Quadrat‘ im Kopf. Es gelang diesem großartigen Stadtbaumeister, der Stadt Bottrop damit ein Symbol zu schaffen", so würdigte Roland Günter als Vorsitzender des Deutschen Werkbunds NW den Architekten, der seit 2002 Ehrenmitglied des DWB war. Bernhard Küppers, der am 30. Mai dieses Jahres verstarb, wurde beigesetzt auf dem Friedhof Grafenwald in Bottrop-Kirchhellen, wo er das Eingangs-Tor und die Friedhofs-Kapelle gestaltet hatte.

Geboren und aufgewachsen im Duisburger Norden im Schatten der Hochöfen, studierte Küppers Architektur in Hannover und anschließend 1958 bis 62 in Karlsruhe. Dort wirkte die Lehre von Egon Eiermann prägend, und natürlich pilgerte man zur Weltausstellung nach Brüssel, um den Deutschen Pavillon eingehend zu studieren. Die Erfahrung eines harmonisierenden Kontrastes zwischen der mehrteiligen, über den Park erhobenen, geometrischen Struktur der offenen Pavillons und der Natur ringsum trug später in Bottrop reiche Früchte. Zuvor aber waren zehn Jahre im Behördenapparat der Finanzbaudirektion Düsseldorf sowie dem Finanzbauamt Mülheim an der Ruhr und Wesel zu bewältigen. 1972 bot ihm die Stadt Bottrop die Leitung des Hochbauamtes an, er willigte ein unter der Bedingung, dass er auch selbst entwerfen dürfe, und blieb bis zur Pensionierung 1999.

„An kleinen Aufgaben lernt ein Entwerfer, menschlich zu arbeiten - und das geringste ausgezeichnet zu machen", diese Auffassung von Eiermann machte sich Küppers zu eigen, gleichgültig ob es um das Wiegegebäude an der Mülldeponie ging (1977) oder das Appartementhaus für Asylbewerber (1988), das er gegen ursprünglich vorgesehene Wohncontainer durchsetzte. Überhaupt gehörte Beharrlichkeit, aber auch Witz und Erfindungsgabe mit zum Rüstzeug, um Pläne realisieren zu können in einer vom Bergbau abhängigen Stadt, die früh und heftig die Auswirkungen des Strukturwandels zu spüren bekam.

So war die Entstehungsgeschichte des Museum Quadrat ein Hürdenlauf, angefangen mit der Amtsrichtervilla von 1913, deren Abriss der Forscher und Sammler Arno Heinrich verhinderte, um dort 1961 seine ur- und frühgeschichtliche Sammlung unterzubringen. Als sie um eine Halle für die Großskelette ergänzt werden sollte, kam Bernhard Küppers ins Spiel. Er konzipierte 1974 das Ensemble aus vier aneinander gefügten Quadraten, in das Villa und Stadtpark wie selbstverständlich eingebunden wurden. Im ersten Bauabschnitt bis 1976 wurden das Museum für Ur- und Frühgeschichte und die Moderne Galerie eingerichtet, die Ergänzung um das Museum Josef Albers als viertes, größtes Quadrat erfolgte 1981 bis 83.

Weitere Küppers‘sche Planungen prägen seine Stadt nachdrücklich, so der städtische Saalbau (1978 - 81), in dem der Saal, um ihn genehmigungsfähig zu machen, zum oben offenen Atrium umdeklariert wurde, und das Kulturzentrum (1992), ein umgebautes Gymnasium. In diesem, dem Theaterregisseur August Everding gewidmeten Multifunktionskomplex blieb allerdings ausgerechnet der vorgesehene Theatersaal unausgeführt, dafür ist das Kinderhaus eine kongeniale Reprise von Entwurfsgedanken des niederländischen De-Stijl-Architekten J.J.P. Oud.

An solche, aus dem Geist des Konstruktivismus und des Bauhauses gespeiste Auffassung von Architektur, die sich nicht zuletzt in malerischen wie bildhauerischen Arbeiten von Bernhard Küppers niederschlug, knüpft nicht nur das eigene Wohnhaus mit Garten in Bottrop an, sondern auch das Studienhaus für Roland Günter (2004). Hier gab der Kreuzgrundriss der Siedlungshäuser in Oberhausen-Eisenheim aus vier gleichen Rechtecken mit Orientierung nach allen vier Seiten das Maß vor. Der flache, weiße Kubus des Erdgeschosses wird im Zentrum durchdrungen von einem hoch aufragenden, blauen für zwei Obergeschosse. Die blauen Schluchten der steilen Treppen liegen in der Hausmitte, begleitet von gelben Ablagetischen, rote Vordächer akzentuieren die Öffnungen oben. Wie im Museum verhalten sich auch hier Form und Inhalt kongruent, bis hin zur Farbigkeit ein fruchtbarer Historismus.

Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop auf baukunst-nrw

Autor: Dr. Gudrun Escher