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Bernhard Pfau (1902 - 1989): Entwickeln statt Entwerfen

  • Foto: Schauspielhaus Düsseldorf

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    Foto: Schauspielhaus Düsseldorf

Das Schauspielhaus in Düsseldorf am Gustav-Gründgens-Platz, 1965-69 zwischen Hofgarten und Thyssen-Hochhaus errichtet, war der letzte prominente Auftrag, den Bernhard Pfau in der Stadt realisierte. Zugleich ist es sein einziges größeres Düsseldorfer Bauwerk, das unbeschädigt erhalten ist. Der bedeutende Architekt der jungen Landeshauptstadt rückte erst ins öffentliche Bewusstsein, als eines seiner Hauptwerke gefährdet war: das Studienhaus am Fürstenwall. Erbaut 1959-68, in Standardwerken publiziert und unter Denkmalschutz gestellt, wurde trotz Protesten 1996 abgerissen.

Schauspielhaus und Studienhaus wurden gleichzeitig geplant – der Wettbewerb für das Theater fand 1959 statt –  und sind eng miteinander verwandt. Das Studienhaus bestand aus zwei antithetisch aufeinander bezogenen Baukörpern, einer schmalen Hochhausscheibe und davor dem oktogonalen, flachen Hörsaalgebäude, unter dessen pilzförmiges Betontragwerk drei Auditorien eingestellt waren. Am Hofgarten war die "These" in Gestalt des Thyssenhauses von Helmut Hentrich bereits gegeben. In der ersten Entwurfsidee stellte Pfau eine Kugel daneben als in mehrfacher Hinsicht entgegengesetzte Position.

Hentrich zählte im Gefolge von Stadtbaurat Tamms zum "Block" derer, die, aus dem Arbeitsstab Speer hervorgegangen, konservative Planungsleitlinien der 1930er und 1940er Jahre weiterverfolgten, während Pfau 1950 Wortführer des oppositionellen "Architektenrings" war. Bei der Kugelidee blieb es allerdings nicht. Bernhard Pfau, der nach einer Ausbildung an der Werkkunstschule in Mainz und Lehrjahren von Berlin (Bruno Paul) bis Wien über Möbelentwürfe und Ladeneinrichtungen im Atelier von Emil Fahrenkamp zur Architektur fand und das rationale Planen bei den Bauten für die Kasseler Flugzeugwerke Fieseler gelernt hatte, betrachtete die Dinge ihrer Natur und ihrem Gebrauch gemäß. Das Entwickeln statt Entwerfen von Räumen von innen nach außen führte zu ablesbaren Strukturen, wie sie sich zuerst an dem heute verschandelten Düsseldorfer "Haus der Glasindustrie" (1948–51) manifestierten.

Die für das Schauspielhaus schließlich realisierte „hochgradig unbestimmt gekrümmte“ Hülle ergab sich aus einer gestuften Schleife um die Studiobühne und das Große Haus, die das Bühnenhaus folgerichtig in die Gesamtfigur einbezieht. Das Wellenmotiv wird innen in vielen Ausstattungsdetails aufgenommen, den matt durchsichtigen Acrylglaswänden oder den Holzlamellen, die den Zuschauerraum des Großen Hauses umfangen. Die weiße homogene Schale außen kontrastiert innen mit vielfarbiger Materialität. Für die Tribüne des Großen Hauses setzte Pfau das gleiche Tragwerk ein wie im Studienhaus, so dass sich das Hauptfoyer unter den Pilzrippen befindet, mit offenem Ausblick durch wandhohe Glasscheiben in den Hofgarten. Interessanterweise konzipierte Hentrich später die Tribünen für die Düsseldorfer Tonhalle wie für das Auditorium Maximum der Ruhruniversität Bochum nach ähnlichem Prinzip.

Auf eine Anregung von Tamms hin entschloss sich Pfau, seinen Entwurf spiegelverkehrt zu drehen, so dass die Bühneneingänge nicht gegenüber dem Hochhaus liegen. Anders herum hätte sich jedoch die Figur harmonischer in die Umgebung gefügt. So blieb die unbestimmte Form des Vorplatzes ein trotz zahlreicher Planungen ein ungelöstes Problem. Aktuell bietet die Initiative "Platz da!" zur Aufwertung des öffentlichen Raumes einen neuen Ansatz. Ein Projektentwurf von Dani Caravan, der dem runden Platz durch ein Podest und eine Rampe eine klar definierte Mitte und Ausrichtung zur Schadowstraße gäbe, dient als Grundlage öffentlichen Nachdenkens.  

Objekte von B. Pfau auf baukunst-nrw:
Schauspielhaus Düsseldorf
Haus Vogelsang in Krefeld

Im November 2002 soll Bernhard Pfau aus Anlass seines 100. Geburtstags mit einem Fachsymposium und einer kleinen Werkschau im Schauspielhaus geehrt werden.

Autor: Gudrun Escher