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Bernhard Pfau (1902-1989): Moderne am Niederrhein

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Einfamilienhaus von Bernhard Pfau in Viersen erwacht zu neuem Leben.In den Jahren 1930/31 errichtete der junge Architekt Bernhard Pfau, der sich soeben in Düsseldorf in die Selbstständigkeit gewagt hatte, sein erstes Einfamilienhaus. In Viersen baute er dem wohlhabenden Kaffeegroßhändler Walter Kaiser eine Villa, die vom Geist der Moderne durchdrungen war und einen radikalen Kontrast zu der Gründerzeit-Bebauung rund um den Alten Stadtgarten in Viersen darstellte. Nach dem Krieg wurde die Villa als Offizierswohnung der NATO genutzt, fiel später in das Vermögen des Bundes. 2011 schließlich kaufte Gerda-Marie Voß das inzwischen vernachlässigte und durch zahlreiche Umbauten belastete Haus, um es als „Villa V“ zu neuem Leben zu erwecken.

Gerda-Marie Voß, wie sind Sie zu dem Haus von Bernhard Pfau gekommen?

Ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde. Vor drei Jahren wollte ich eigentlich nach Berlin umziehen, war mir dessen aber nicht sicher. Ich stamme aus Mönchengladbach, und als ich eines Tages beim Parken am Alten Stadtgarten in Viersen die Villa entdeckte, habe ich mich gleich für das Bauwerk begeistert - und Recherchen angestellt.

 

Was ist heute über die „Villa V“, wie Sie das Haus doppeldeutig getauft haben, bekannt?

Das historische Quellenstudium war nicht einfach; manches beruht auf „oral history“. Walter Kaiser hat Anfang 1930 bewusst einen jungen Bauhaus-Architekten gesucht, er wollte einfach etwas radikal Neues wagen. Nach dem Krieg war das Gebäude als „Generalshaus“ bekannt, das alliierte Offiziere nutzen konnten. Leider haben diese im Laufe der Jahre die klare Struktur des Hauses durch Einbauten, Teppichböden, Tapeten etc. ziemlich verunstaltet. Es war eine große Herausforderung, die reine Gestaltungsidee von Bernhard Pfau wieder herzustellen.

 

 

Sie haben Kunst und Innenarchitektur studiert - was hat Sie am meisten an der Villa gereizt?

Mich interessiert in der Tat das Zusammenspiel von Kunst und Architektur, von Kommunikation und Gestaltung. Ich habe in meinem Berufsleben überwiegend im Denkmalschutz gearbeitet, so dass ich eine gute Basis habe, um dieses Haus als Denkmal angemessen zu revitalisieren. Es gibt unzählige Details, die mich thematisch fordern, aber immer wieder auch die Grenzen des Leistbaren führen. Das beginnt beim richtigen Putz für die Fassade, reicht über die Frage, wie ich mit den empfindlichen Original-Korkböden umgehe und endet nicht zuletzt bei der Rekonstruktion des Pools im Garten - der übrigens nach meiner Überzeugung von Bernhard Pfau als Kunstobjekt, nicht als Schwimmbecken gedacht war.

 

Bei der Fülle an Aufgaben und damit verbundenen Kosten stellt sich die Frage, wie Sie die Entwicklung der Villa dauerhaft sichern wollen.

Meine Mittel sind begrenzt. Deshalb muss das Haus mit Aktivität und Leben gefüllt werden. Meine Vision war von Anfang an, das tradierte Verständnis von Wohnen zu überwinden und eine Art offenes Netzwerk als Lebensform zu realisieren. Die großen Räume sind deshalb als Galerie- und Veranstaltungsräume gedacht. Die ehemaligen Kinderzimmer der Familie Kaiser stelle ich als Schlafräume für Künstler, Freunde und internationale Besucher zur Verfügung. Langfristig wird sich das Projekt aber nur tragen, wenn die Villa als Seminar- und Konferenzort gebucht wird. Das ist schon einige Male gelungen.

 

Was beeindruckt Sie am meisten an der Arbeit von Pfau?

Sicher sein Mut, mit tradierten Konventionen zu brechen und ein neues Verständnis von Architektur zu wagen. Dieses große Haus ist unglaublich licht und luftig. Gelungen ist vor allem die Verbindung von Innen- und Außenräumen, die an vielen Stellen fließend ist. Aus diesem Grunde möchte ich auch einen Skulpturengarten wachsen lassen, der ein ganzheitliches Erlebnis ermöglicht.

www.villa-v.de

 

 

 

Autor: Christof Rose