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Elmar Schossig (1950 - 2009): Integrale Planung

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Er hatte das Talent zu begeistern – sich und andere, um gemeinsam die beste, die allerbeste Lösung einer Aufgabe zu suchen. Dies hatte Produktdesign zum Ergebnis für technische Komponenten und Ausstattungselemente, eingebunden in Großobjekte wie das Capricorn-Haus am Medienhafen in Düsseldorf: Außen und innen bis zur Farbgebung und den Akustikwänden Entwurf Schossig. Im gemeinsamen Kölner Architekturbüro teilten er und Dörte Gatermann sich die Projekte auf, denn für einen guten Entwurf könne immer nur einer verantwortlich sein. Der andere wurde dann zum aufmerksamsten Kritiker.

Elmar Schossig war in Chemnitz geboren und wuchs am Oberrhein in Lörrach auf, studierte Architektur in Braunschweig und Aachen und gründete 1984 mit Dörte Gatermann, kongeniale Kollegin und Ehefrau, das Büro in Köln. Ohne in der Stadt groß geworden zu sein, war der Anfang schwer. Da halfen die frühen Auszeichnungen, der Förderpreis des Landes NRW für junge Künstler 1987 und im selben Jahr ein Landespreis für vorbildlichen Gewerbebau und eine Auszeichnung zum Deutschen Architekturpreis für die Rimowa-Kofferfabrik von 1986. Dieser erste Gewerbebau mit ausgeprägter Corporate Identity hat Geschichte geschrieben, auch wegen seiner von Elmar Schossig zusammen mit dem Aluminiumwerk entwickelten Trapezblechfassade. Dem DEUBAU-Preis 1989 folgten viele andere und öffneten Türen.

Architektur als Bestandteil des lebendigen Organismus
Gerne arbeitet das Büro ab einem sehr frühen Projektstadium mit Generalübernehmern zusammen, um die besten Ergebnisse innerhalb stets enger Kostenrahmen zu erzielen. In der Nachfolge von Richard Buckminster Fuller begreift Elmar Schossig „Architektur als Bestandteil des lebendigen Organismus Erde“. Ein Gebäude sei kein statisches Gebilde, sondern müsse ein hohes Maß an Dynamik aufweisen, bezogen auf das Klima am jeweiligen Ort und auf die Nutzer. Dem Ziel sich zu nähern, sei nur im Miteinander der am Bau beteiligten Fachdisziplinen erreichbar. Dieses konsequent verfolgte, integrale Planungsverfahren, für das er unermüdlich in Vorträgen warb, war für ihn eine inspirierende Freude. Fast zwangsläufig führte die Arbeit am Bauprojekt zu einer ganzen Reihe von Produktentwicklungen, etwa der Integral-Fassade als Element mit Lichtlenkdecke, Lüftungselementen, Klimatechnik und Jalousie, die an mehreren Bürobauten wie den Stadtwerken Bochum zum Einsatz kam, oder der Weiterentwicklung als „I-modulFassade“ für das Capricorn-Haus und als „Kiemenfassade“ für die Erneuerung des Karstadthauses in Gütersloh, dort in Kombination mit einem neuartigen, flach-schalenförmigen Aluminiumfassadenhalter.

Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie
Integrale Architektur im Sinne von Gatermann und Schossig bleibt nicht auf die technischen Aspekte beschränkt, sondern erfordert die komplexe Verknüpfung mit räumlichen und explizit künstlerischen Qualitäten. Wie ein roter Faden zieht sich die Auseinandersetzung mit Kunst im Verhältnis zum Raum durch die Entwurfsarbeit von Elmar Schossig, sehr direkt für das 1993 fertig gestellte Wohn- und Atelierhaus für den Bildhauer Ansgar Nierhoff in Köln oder als eigenständige Raumskulptur für den zweitplatzierten Wettbewerbsentwurf für ein Café im Düsseldorfer Hofgarten 2001. Komplexität und Dynamik in Form und Farbe werden hier konkret, funktional reduziert auf Stütze und Dach, räumlich elementar auf Kegel und Fläche, farbig auf die Primärfarben rot und blau und das komplementäre orange.

Schossigs Fotoarbeit begann am konkreten Objekt
Schon früh war bei Elmar Schossig der Wunsch lebendig, die künstlerische Auseinandersetzung im Medium der Fotografie zu suchen. Diese Arbeit intensivierte sich in den letzten Jahren und führte noch kurz vor seinem Tod am 15. Dezember 2009 mit Unterstützung von Rolf Sachsse zur Vorbereitung der Ausstellung „Farben und Formen im Quadrat“, zu sehen bis September 2010 in Köln. Seine Fotoarbeit begann am konkreten Objekt an einem konkreten Ort, der auch nicht verleugnet wird – das Archiv umfasst etwa 30.000 Aufnahmen -, und mündete in intensive, einsame Arbeit am heimischen PC, die das Bild immer weiter vom Objekt entfernte, es von seinem beschreibenden Charakter emanzipierte. Ergebnis sind künstlerisch eigenständige, abstrakte Farb- und Textur-Kompositionen.

Objekte von Gatermann und Schossig auf baukunst-nrw:
Rimowa Kofferfabrik in Köln
Umbau Karstadt in Gütersloh
Capricornhaus in Düsseldorf
RömerMuseum in Xanten

Autor: Dr. Gudrun Escher