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Hel Haparta: Zeichnen als Leidenschaft

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    Katholische Kirche St. Juliana - Plandarstellung März 1962 Hel Haparta

Zwischen dem Architekten und seinen Bauherren entwickelten sich bleibende Freundschaften, und in vielen Privathäusern zeugen Kreidezeichnungen Hapartas - zumeist Landschaften oder Akte - von der dauerhaften persönlichen Verbundenheit. Zeichnen mit künstlerischem Anspruch (mehrere Ausstellungen in Schloss Benrath zeugen davon) war die große Leidenschaft von Hel Haparta, dessen Hauptwerke in den 50er und 60er Jahren an Rhein und Ruhr entstanden. - Ein Beitrag unserer Reihe „Retrospektive“.

Das Zeichnen blieb für den Architekten Haparta aber immer ein Seitenprodukt neben der Arbeit im Planungsbüro und auf den zahlreichen Baustellen. Eine malerische Qualität zeichnet aber auch seine Entwurfsskizzen aus, die, obwohl sie locker aus der Hand gezeichnet wurden, tatsächlich maßstabgetreue Planungsgrundlagen lieferten.                 

Bleibende Prägung erhielt der aus Beuthen in Oberschlesien gebürtige Architekt im Studium in München bei Hans Döllgast, bei dem er die Sorgfalt der Ausführung bis in alle gestalterischen und technischen Details lernte. Das zeichnerische Talent sicherte ihm damals den Lebensunterhalt, denn seine mit bayrischen Motiven bemalten Holzkästchen waren in den ersten Nachkriegsjahren ein Verkaufsschlager.                               

Ein lohnender Auftrag für die XOX-Keksfabrik lockte Haparta Anfang der 1950er Jahre von München nach Düsseldorf. Er blieb, baute Fabriken, Bürohäuser, Kirchen, Privatvillen und ein Clubhaus für den Benrather Tennisclub. Dort spielte er Tennis, und viele Clubfreunde wurden zu Bauherren. Seine Aktivitäten waren bundesweit gestreut, was ständiges Reisen bedeutete, denn auf der Baustelle wollte Haparta nichts dem Zufall oder der Willkür der Handwerker überlassen. Dabei blieb das eigene Wohnhaus ein Stiefkind, ein einfaches Bestandsgebäude im Stadtteil Holthausen, das erweitert wurde, als die Familie wuchs, mehr nicht. Großzügig gerieten dagegen Villen im Düsseldorfer Süden, auf Mallorca, wo er die bekannte „Villa Italia“ umbaute, oder in Österreich, wo er das Landhaus für Walter Scheel entwarf.                                              

Ein Großprojekt aus späterer Zeit, als er bereits in Bürogemeinschaft mit seinem Sohn Jens Haparta zusammen arbeitete, war der Generalplan für eine Ferienanlage mit Bungalows und Golfplatz auf der Insel Kos. Aber mit demselben Engagement verfolgte er auch kleine Aufträge, etwa die Einrichtung einer Privatbibliothek mit Aussichtsfenster. Aus der Zusammenarbeit mit dem Freund Josef Gartner entstand hier die Idee, wasserführende Stahlfensterrahmen für die Raumtemperierung zu entwickeln, eine technische Innovation, die sich noch heute in den Integrierten Fassaden der Marke Gartner wieder findet.                                               

Eine andere bautechnische Innovation macht das Faszinosum der katholischen Kirche St. Juliana im Norden Duisburgs aus, gebaut 1963 - 65. Spannbeton hieß um 1960 das Zauberwort, ein Material, mit dem auf der Basis der Forschungen von Franz Dischinger neuartige, dynamische und leichte Raumformen realisierbar wurden. Die Gestaltidee für St. Juliana profitiert von diesen technischen Möglichkeiten, wobei Haparta sie in konsequenter und unmittelbar überzeugender Weise in eine baukünstlerische Form aus einem Guss umsetzte.                                     

Spannbetonrahmen als Fundament und Dreipunktträger über einem Sechseck, die sich im Zentrum eines Zeltdaches treffen, bilden hier im Bergbaugebiet das hinreichend elastische statische Gerüst, während die Wandflächen als nicht tragende Scheiben eingespannt wurden. Die dramatische Geste des sich aus dem Zeltdach aufschwingenden und im Kreuzzeichen gipfelnden Turmes wird zum Fanal des Aufbruchs und zugleich, mit seiner festen Verankerung in der Grundrissfigur, zur Verheißung der Geborgenheit der Gemeinde unter seinem Schutz. Seither hat die Kirche eine neue Kupfereindeckung bekommen - von Rissen oder Undichtigkeiten keine Spur.           

Autor: Gudrun Escher