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Karl Band (1900 – 1995) - Der Wiederaufbau Kölns

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    Hohenzollernring 26, der Entwurf von Karl Band von 1950 - Foto Jochen Roessle

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Die Stadt Köln wäre ohne die Arbeit des Architekten Karl Band nicht dieselbe. Dies betrifft nicht nur das Rathaus, dessen Wiederaufbau mit neuer Ergänzung er 1960 bis 72 betreute, oder das Schnütgenmuseum für mittelalterliche Kunst unter Einbeziehung der profanierten Kirche St. Cäcilien (1953-57), sondern die Konzeption der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg insgesamt. Bereits während des Krieges zur Rettung der historischen Kirchen vom Wehrdienst freigestellt, trat er 1945 mit einer Denkschrift zum Wiederaufbau Kölns an die Öffentlichkeit und begleitete, auf weiten Strecken in Zusammenarbeit mit dem befreundeten Rudolf Schwarz, die Erneuerung der Stadt als Stadtrat im Planungs-, Hochbau- und Kulturausschuss. Daneben war er als freier Architekt bis ins hohe Alter aktiv. Sein Nachlass im Stadtarchiv Köln wird derzeit als exemplarische Aufgabe archivarisch aufbereitet, um das Material für die Stadtforschung zu erschließen.

Der „HAStK Bestand 1673“ ist ein Glücksfall für Köln, denn in der Vergangenheit gingen die Nachlässe bedeutender Architekten der Stadt wie Gottfried Böhm oder Rudolf Schwarz an die bekannten Architektursammlungen in München und Frankfurt am Main; andere, weniger prominente, verschwinden ungesichtet.

Um Karl Band hat sich das Archiv bereits frühzeitig bemüht, eine erste Anfrage an den 86-jährigen wurde jedoch mit dem Hinweis abgelehnt, das Material werde noch täglich gebraucht. Aber der Kontakt war da, und das Nachfolgebüro sorgte für die Überführung in zwei Kontingenten 2001 und 2007. Seit Herbst 2007 ist nun der Kunstwissenschaftler Jochen Rössle mit der Bestandsaufnahme befasst mit dem Ziel, hier beispielhaft Aufwand und Kosten eines solchen Verfahrens zu ermitteln. 2011 soll das Projekt abgeschlossen sein. Das Architekturforum Rheinland e.V. begleitet den Prozess, um auf die Problematik der Architektennachlässe aufmerksam zu machen und für künftige Fälle Strukturen zu entwickeln.

Nach sieben Monaten Arbeit gab ein Vortrag im Archiv einen ersten Einblick in den Umfang: Etwa 200 Meter vorsortierte Akten und 974 Planrollen, von denen jedoch erst ein Viertel gesichtet werden konnte, beziehen sich auf etwa 800 Projekte, davon 157 Kirchen und 12 Klöster, 36 Kindergärten und zehn Tankstellen, Geschäftshäuser, Wohnhäuser, sieben städtebauliche Entwürfe und ein Bilderstöckchen.

Bemerkenswert: Es sind keine weiteren programmatischen Texte bekannt, und es gibt kein Fotoarchiv. Letzteres erschwert die Zuordnung nicht bezeichneter Plandarstellungen wie der hier wiedergegebenen zum Objekt Hohenzollernring, denn sogenannte Schrägansichten wurden nicht wie Ausführungspläne beschriftet. Und es erschwert eine spätere wissenschaftliche Aufarbeitung, wenn Pläne und ausgeführte Bauten in Beziehung gebracht werden müssen.

Karl Band studierte zunächst Kunstgeschichte in Bonn bei Paul Clemen, der sein Verständnis für historische Bauten nachhaltig prägte, und 1921 - 24 Architektur in Karlsruhe bei Hermann Billing und Otto Gruber. Es folgten erste Berufsjahre bei verschiedenen Kölner Architekten und 1930 die Ernennung zum Regierungsbaumeister. Sein 1928 begründetes eigenes Büro ging 1930 in der Bürogemeinschaft mit Eduard Endler auf und wurde nach dessen Tod 1932 mit dem Sohn Clemens Endler weiter geführt. Unter den zahlreichen Mitarbeitern im Büro, die Planzeichnungen auch selbst signierten (was sogar Studenten zugestanden wurde), sind Hans Schilling und Karl-Heinz Schlösser besonders hervorzuheben. Juniorpartner war 1965 bis zu dessen frühem Tod 1983 Karl Bands Sohn Gero.
Architekturhistorisch betrachtet war Karl Band ein wichtiger Vertreter der Kölner Moderne, die auch als „Kölner Schule“ bezeichnet wird mit u. a. Rudolf Schwarz, Dominikus und Gottfried Böhm, Wilhelm Riphahn, Hans Schilling und Künstlern der Kölner Werkschule; aber er war nicht ihr führender Kopf. Diese Rolle kam eher Rudolf Schwarz zu, mit dem Band regen Austausch pflegte.

So kann wohl auch letztlich nicht entschieden werden, wer das nach dem Krieg innovative Konzept der sogenannten Hallenschule mit zentralem, lichtdurchflutetem Aufenthaltsraum, der die Klassenzimmer über Galerien erschließt, in die Diskussion brachte. 1951 - 53 realisierte Karl Band nach diesem Prinzip die Liebfrauenschule in Köln-Lindenthal und prägte damit einen Bautypus für den Kölner Schulbau, der verwandte Entwurf von Rudolf Schwarz für eine Mädchenschule in Darmstadt im Zusammenhang der „Darmstädter Gespräche“ 1951 blieb dagegen unausgeführt. Eine Avantgarde anzuführen, war nicht im Sinne von Karl Band. Sein Credo, „die alte Substanz herauszuarbeiten und den heutigen Bedürfnissen zu entsprechen“, blieb für Köln weit über die Wiederaufbauphase hinaus richtungsweisend. Diesem Ansatz gemäß geben die Bauten des Büros Karl Band nicht den allein maßgebenden Stil, die unverwechselbare Handschrift zu erkennen. Besonders Wohn- und Geschäftshäuser fügen sich ganz unscheinbar in das Gemenge der Stadt.

Dass sie da stehen, wie das um 1950 entstandene Kino mit weit ausgreifendem Vordach am Hohenzollernring 26, macht das Gepräge dieser Stadt aus - weit mehr als die berühmten Einzelbauten, ob Kirche oder Rathaus.

Objekte von Karl Band auf baukunst-nrw:
Festhaus Gürzenich St. Alban in Köln
Sanierung St. Peter in Köln

Autor: Gudrun Escher