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Paul Schneider-Esleben (1915-2005): Vertreter einer filigranen Moderne

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    Das Mannesmann-Hochhaus am Düsseldorfer Rheinufer. (Architekt: Paul Schneider Esleben) - Foto: Maier-Solgk

Paul Schneider-Esleben (1915 - 2005) und das „Mannesmann-Hochhaus“ in Düsseldorf. Zwischen 1956 und 1958 wurde das Mannesmann-Hochhaus als erstes Nachkriegshochhaus in Europa um einen Betonkern herum in jener Stahlskelettbauweise errichtet, wie sie aus den USA bekannt war. Die Ähnlichkeit mit dem fast exakt gleich hohen New Yorker Lever House stach damals allgemein ins Auge.

Es steht, seiner Bedeutung durchaus angemessen, an einer der exponiertesten Stellen der Stadt, zwischen dem Verwaltungsbau von Peter Behrens von 1912 und der Villa Horion (ehemalige Staatskanzlei), etwas zurückversetzt vom Rhein, dem es fast nonchalant seine Schmalseite zuwendet: das Mannesmann-, später Vodafone-Hochhaus, in das zum Jahreswechsel 2013/14 das Wirtschaftsministerium des Landes einzieht.

Der 93 Meter hohe Musterbau der Nachkriegsmoderne aus Stahl und Glas, mit Brüstungsbändern aus emaillierten Edelblechpaneelen (den Farben des Unternehmens), besitzt noch heute das, was man Ausstrahlung nennen könnte. Das Bauwerk ist, nimmt man die Stahlrohrskulptur von Norbert Kricke auf der Freifläche hinzu, das Bild einer ganzen Epoche.

Lob für die städtebauliche Einfügung

Schon 1954 hatte Paul Schneider-Esleben (P.S.E.), der gebürtige Düsseldorfer, dessen 100. Geburtstag 2015 gefeiert wird, den von der Mannesmann AG ausgeschriebenen Wettbewerb fast überraschend gegen einige damals schon bekanntere Kollegen gewonnen; Egon Eiermann aus Karlsruhe war darunter, der später als baukünstlerischer Berater hinzugezogen wurde, Helmut Hentrich aus Düsseldorf natürlich, und Wilhelm Riphahn aus Köln.

Die Jury, bestehend aus Paul Bonatz, der nach seinem Exil am Wiederaufbau des Düsseldorfer Opernhauses beteiligt war, dem Leiter des Stadtplanungsamtes Friedrich Tamms und dem Staatssekretär für Wiederaufbau Konrad Rühl, hob lobend die städtebauliche Einfügung, vor allem aber das in „wohltuendem Kontrast“ zu den Altbauten stehende Äußere, das aufgrund der „Einfachheit und Glätte seiner Oberfläche“ überzeugte.

Architekt der Aufbaujahre

In der Tat. Schneider-Esleben war, ohne im Düsseldorfer Architektenstreit besonders in Erscheinung getreten zu sein, der unter den Nachkriegsarchitekten in Düsseldorf vermutlich am stärksten einer leichten und filigranen Moderne zugewandte Architekt jener Aufbaujahre, die bis zu diesem Zeitpunkt noch überwiegend von Granit, Travertin und Tuffstein geprägt war.

Aus Amerika kam nicht nur die neue Leichtbauweise, mit der in Deutschland zuerst die großen Unternehmen wie die 1952 neu gegründete Mannesmann AG, wenig später mit dem Thyssen-Hochhaus die Phönix Rheinrohr AG oder zuvor bereits BASF in Ludwigshafen nach der Nazizeit ein neues Zeichen setzen wollten.

Auch die Porzellan emaillierten Stahlblechpaneele des Baus, für die Mannesmann die Lizenz erworben hatte, stammten von jenseits des Atlantiks - aus US-amerikanischen Flugzeugwerften. Und nicht zuletzt spiegelte auch das Innere den Geist der neuen Zeit: Schneider-Esleben hatte hier eine Sitzgruppe aus Stahlrohren im Stil der Mies‘schen Barcelona Sessel entworfen.

Durchbruch mit der Großgarage Haniel

Es waren die 1950er Jahre, die Schneider-Esleben mit geprägt hat und die wiederum ihn wohl am stärksten geprägt haben. Angefangen hatte er nach dem Krieg und dem Abschluss seines Studiums an der TH Stuttgart zunächst bei Rudolf Schwarz in Frankfurt, bevor er das Büro seines Vaters auf Schloss Lembeck im Münsterland fortführte. Seinen Durchbruch erzielte Schneider-Esleben dann in Düsseldorf mit der 1951 an der Grafenberger Allee errichteten Großgarage Haniel – der ersten mehrstöckigen Parkgarage in Deutschland. Das Äußere dominieren die an den Kragarmen aufgehängten Rampen, während das vollständig mit Glas ummantelte Traggerüst aus Rahmenböcken besteht.

Neben diesem besonders filigran wirkenden Exempel moderner Leichtigkeit brachte der eiförmige Kuppelbau der Rochus Kirche (1951) die formal experimentierfreudige Renaissance des Kirchenbaus der Nachkriegszeit zum Ausdruck.

Nicht weniger beispielgebend für einen neuen Typus an Schulgebäuden dürfte die 1961 eröffnete Rolandschule gewesen sein, die die Stadtverwaltung aufgrund ihrer vielen Glasflächen und der aufgestellten Kunstwerke aus Angst vor Verletzungsgefahr der Schüler zunächst wieder schließen ließ. Die Zero-Künstler und Freunde von Schneider-Esleben Heinz Mack, Günther Uecker und Otto Piene sind in der heute denkmalgeschützten Anlage mit Arbeiten vertreten.

Nähe zur Kunst

Überhaupt scheint die Nähe zur Kunst sich durch das Leben von Paul Schneider-Esleben zu ziehen, der selbst auch als Entwerfer nicht  nur von Möbeln, sondern auch von Schmuck wie zeitweise auch als Zeichner tätig war. Während der in den frühen 1960er Jahren fertig gestellte 12-geschossige Düsseldorfer Commerzbank-Bau bereits Spuren serieller Routine aufweist, bewies die Privatvilla Zindler im Süden Düsseldorfs, die ganz aus sich überlappenden geometrischen Kreisform entwickelt wurde, die experimentelle Grundhaltung dieses deutschen Avantgardisten.

Zu seinem Mitte der 1960er Jahre entworfenen Bau meinte er: „Die Architektur kommt wieder in Bewegung. Das statisch-additive Bauen hat seine Aufgabe erfüllt, alles ist wieder im Fluss.“

 

Objekte von Paul Schneider-Esleben auf baukunst-nrw:

St. Rochus in Düsseldorf
Haniel-Garage in Düsseldorf
Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf
Rolandschule in Düsseldorf

Autor: Dr. Frank Maier-Solgk