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Stefan Jeromin (1966 - 2009): Aus Verantwortung für die gebaute Umwelt

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In rund fünfzehn Jahre gemeinsamer Arbeit in Partnerschaft mit Ante Anin und Dimitrios Fitilidis entwickelte Stefan Jeromin eine Architekturauffassung, die aufhorchen lässt. Früh schon entschieden sie sich für ökologisch nachhaltiges Bauen unter Einsatz neuer Materialien und Verfahren. Stefan Jeromin prägte die Entwurfs- und Ausführungsplanung des Büros Anin Jeromin Fitilidis maßgeblich. Der Name ajf bleibt über seinen Unfalltod vor einem Jahr hinaus als Markenzeichen für das Architekturbüro wie für die parallel betriebene GmbH für die eigene Projektentwicklung bestehen.

Mehr noch als das Architekturstudium an unterschiedlichen Hochschulen – Stefan Jeromin studierte in Essen – prägte Stefan Jeromin und Ante Anin die Mitarbeit bei Jürgen Overdiek und Karl-Heinz Petzinka in Düsseldorf. Mit einem ersten Wohnbauprojekt machten sie sich 1993 selbständig, 1998 stieß Dimitrios Fitilidis zu der Bürogemeinschaft hinzu. Zu der Zeit war das Bürohaus für die Werbeagentur Look Up in Gelsenkirchen schon bezogen, 1999 brachte dann der Architekturpreis Beton für diese Arbeit den Durchbruch für das junge Büro.  

Lässt man die beachtliche Reihe seither realisierter großer und kleiner Bauaufgaben Revue passieren, so fällt auf, wie die Architekten selbst das persönliche Risiko nicht scheuten, wenn eine glückliche Zusammenarbeit mit entscheidungsfreudigen Bauherrn den Weg ebnete. Ein solcher Bauherr ist der Inhaber von Look Up, Franz Przechowski, dessen Agentur so weit prosperierte, dass er jetzt mit ajf über ein zweites Gebäude auf dem Grundstück nachdenkt. Ein anderer Bauherr, die Gelsenwasser AG, unterstützte nicht nur den Entwurf für die neue, 2004 bezogene Hauptverwaltung als Prototyp in elementierter Bauweise mit Einsatz von Geothermie unterstützten. Sie arbeiteten auch für die bescheidene Aufgabe einer Regionalniederlassung im niederrheinischen Hünxe wieder mit ajf. Dieser Neubau wurde zum Jahresende bezogen.  

Was heute in aller Munde ist, das Ressourcen sparende, nachhaltige Bauen, war vor zehn Jahren noch ein bautechnisches und bauphysikalisches Wagnis. Technik sollte jedoch immer nur eine Komponente in ausgewogenem Verhältnis zu Wirtschaftlichkeit und Ästhetik sein. Beispielhaft dafür kann die kleine Verwaltung mit angeschlossener Produktion stehen, die für ARCA-Regler GmbH in Tönisvorst entstand. Das Besondere: Beide Bauteile umhüllt eine weich geschwungene, bedruckte Glashaut als isolierende Schicht und Mittler zwischen drinnen und draußen. 

Mit der Gründung eines Zweigbüros in Kroatien 2005 wagten ajf den Schritt zur Internationalisierung. Damit war die Basis geschaffen für die Beteiligung an Wettbewerben für große Bauaufgaben in der Region. In Rumänien betreute Stefan Jeromin zuletzt intensiv das Projekt der neuen Konzern-Zentrale von Petrom S.A., dem größten Öl- und Gasproduzenten in Südost-Europa. „Petrom City“ besteht aus fünf Gebäuden mit einer Gesamtnutzfläche von ca. 100.000 qm: Zwei ovalen, wie in einer Acht miteinander verschnittenen Bürogebäuden für die Verwaltung, einem rechteckigen, elfgeschossigen Hochhaus für den Vorstand, einem Rechenzentrum sowie einer eigenen Energiezentrale für die Energieversorgung über Kraft-Wärmekoppelung. Zwischen Verwaltung und Hochhaus liegt die Petrom Plaza als kommunikativer Platz unter freiem Himmel.  

Kommunikation und Transparenz sind auch innerhalb der ovalen Bürobauten das Hauptthema, denn die beiden innenliegenden, begrünten Atrien werden mit dreiflügeligen Brückenstegen überspannt und zugleich aneinander gekoppelt. Diese Figur bestimmt selbst die Dachaufsicht als prägendes Motiv. Der Sonnenschutz für die Glasfassaden wird hier wie in Gelsenkirchen in den Glaszwischenraum der Isolierverglasung integriert, bedruckte Glas-Außenflächen sollen den Sonneneintrag zusätzlich um 40 % reduzieren. 

„Petrom City“ wird für das Unternehmen Modernität, Transparenz und Energieeffizienz repräsentieren, dies waren die Prämissen. Der Baukomplex steht kurz vor der Vollendung.

Autor: Dr. Gudrun Escher