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Architektenbefragung 2018: Verbesserte Lage – positive Aussichten

Gesamt-Brutto-Jahresgehalt einschließlich aller zusätzlicher Geldleistungen und Überstundenvergütungen (nur Vollzeittätige / Median) - Grafik: Reiß & Hommerich

Gute Nachrichten: Die Einkommen sowohl der selbstständig tätigen als auch der angestellten nordrhein-westfälischen Architektinnen und Architekten, Planerinnen und Planer sind weiter gestiegen. Zu diesem Ergebnis gelangte die bundesweite Architektenbefragung 2018, aus der wir Ihnen hier die auf Nordrhein-Westfalen bezogenen Erkenntnisse vorstellen. Die Befragung wurde im Mai und Juni 2018 als Online-Befragung durchgeführt. 26 100 Kammermitglieder waren von der AKNW zu der Befragung eingeladen worden, rund 3500 Mitglieder nahmen an der Befragung teil (Rücklaufquote: 13,4 Prozent).

Wenden wir uns zunächst den selbstständig tätigen Mitgliedern der AKNW zu. Bereits zwischen 2013 und 2015 waren die Pro-Kopf-Umsätze in den nordrhein-westfälischen Architektur- und Planungsbüros im Mittel um 11,6 % gestiegen. In der diesjährigen Befragung konnte ein Anstieg des Pro-Kopf-Umsatzes um 12 Prozent von rund 62 500 Euro im Jahr 2015 auf 70 000 € im Jahr 2017 verzeichnet werden. Differenziert nach Bürogröße zeigt sich, dass mit zunehmender Zahl der Beschäftigten auch der Pro-Kopf-Umsatz steigt. Ein-Personen-Büros erwirtschafteten 2017 im Mittel einen Umsatz von 60 000 €. In Büros mit mehr als 10 tätigen Personen waren es rund 85 000 € pro Kopf.

Ähnlich fällt das Ergebnis bezogen auf die Erlöse pro Inhaber aus. Auch sie sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: um 20 % zwischen 2013 (46 000 €) und 2015 (55 400 €) und um 12 % zwischen 2015 und 2017 auf dann 62 000 €. Die rückläufige Wachstumsrate resultiert aus einem im Vergleich zum Umsatzwachstum überproportionalen Anstieg der Kosten, insbesondere der Personalkosten. Vor allem größere Büros haben aufgrund der guten Auftragslage in den letzten zwei Jahren zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Dies schlägt sich unmittelbar in den Erlösen pro Inhaber nieder, die in Büros mit fünf und mehr tätigen Personen 2017 geringer ausfallen als 2015.

Trotz dieses Rückgangs fallen die Erlöse je Inhaber in größeren Büros weiterhin deutlich höher aus als in kleineren Unternehmenseinheiten. Inhaber von Ein-Personen-Büros erwirtschafteten 2017 im Mittel einen Gewinn von 40 200 €. Dieser Wert steigt über 64 000 € (2 bis 4 Tätige) und 98 000 € (5 bis 9 Tätige) auf schließlich 150 000 € Erlös pro Inhaber in Büros mit 10 und mehr tätigen Personen.

Ein Blick in die Auftragsbücher der Büros stimmt für die Zukunft optimistisch: Rund die Hälfte der Büroinhaber gibt an, der Auftragsbestand des eigenen Büros reiche für mehr als die kommenden sechs Monate. 26 % sind für einen Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten ausgelastet. Immerhin 13 % der selbstständig tätigen Kammermitglieder geben trotz der guten baukonjunkturellen Lage an, die Aufträge des Büros reichten für weniger als die kommenden drei Monate, und 14 % der Büroinhaber verfügten zum Befragungszeitpunkt über freie Kapazitäten. Insbesondere Ein-Personen-Büros und kleine Büros sind nicht voll ausgelastet. Ein knappes Viertel der Büroinhaber ohne Mitarbeiter und 13 % der Inhaber von Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen beklagen einen akuten Auftragsmangel. Inhaber mittelgroßer (5 bis 9 Tätige) und großer Büros (10 und mehr Tätige) haben dieses Problem demgegenüber deutlich seltener (4 % bzw. 2 %).

Steigende Gehälter bei den Angestellten

Nicht nur die Büroinhaber profitieren von der positiven baukonjunkturellen Entwicklung, auch die angestellten Kammermitglieder konnten sich in den letzten Jahren über kontinuierlich steigende Gehälter freuen. 2017 lag das Gesamt-Brutto-Jahresgehalt einschließlich aller zusätzlichen Geldleistungen und Überstundenvergütungen der Vollzeit tätigen Angestellten bei 58 000 € (Median). Im Vergleich zu den letzten Erhebungen ergibt sich ein Anstieg der Gehälter um jeweils 7 %.

Eine differenzierende Betrachtung zeigt, dass in der gewerblichen Wirtschaft die höchsten Jahresgehälter gezahlt werden (Median: 70 000 €), gefolgt vom öffentlichen Dienst (65 000 €). Die mit Abstand niedrigsten Jahresgehälter erhalten Angestellte in Architektur- und Planungsbüros mit 49 000 €. Diese Gehaltsunterschiede sind zum Teil damit zu erklären, dass Angestellte in Architekturbüros in der Regel jünger sind als ihre Kolleginnen und Kollegen in der gewerblichen Wirtschaft und im öffentlichen Dienst und somit auf weniger Berufsjahre zurückblicken. Zum anderen handelt es sich bei den Arbeitgebern aus der gewerblichen Wirtschaft deutlich häufiger um Großunternehmen, die in aller Regel höhere Gehälter zahlen als kleinere Unternehmen.

Verbesserte Überstundenregelung

Nicht nur bezogen auf die Gehälter hat sich die Situation der Angestellten in Folge des baukonjunkturellen Aufschwungs verbessert, sondern – zumindest tendenziell – auch hinsichtlich der Arbeitszeit. Zwar sind Überstunden weiterhin fester Bestandteil des Arbeitsalltags der überwiegenden Mehrheit angestellter Architektinnen und Architekten, Planerinnen und Planer. So geben 80 % der angestellt tätigen Kammermitglieder an, regelmäßig über die vertraglich vereinbarte Zahl der Wochenstunden hinaus zu arbeiten. Der Vergleich der letzten drei Befragungen zeigt jedoch, dass der Anteil der Überstunden leistenden Angestellten sowohl in den Architektur- und Planungsbüros als auch in der gewerblichen Wirtschaft seit 2013 kontinuierlich gesunken ist (2012: 87 %). Umgekehrt verlief die Entwicklung im öffentlichen Dienst: hier stieg der Anteil der Angestellten, die regelmäßig länger arbeiten als vertraglich festgelegt, von 67 % im Jahr 2012 auf aktuell 74 %.

Eine (anteilige) Abgeltung von Überstunden durch Vergütung und/oder Freizeitausgleich erfolgt in gut zwei Drittel aller Fälle. Im öffentlichen Dienst werden Überstunden nahezu immer abgegolten (90 %). Deutlich anders ist dies in den Architektur- und Planungsbüros und in der gewerblichen Wirtschaft: Zwei Drittel der in Architektur- und Planungsbüros und 46 % der in der gewerblichen Wirtschaft angestellten Kammermitglieder geben an, die von ihnen geleisteten Überstunden würden (teilweise) bezahlt oder per Freizeitausgleich abgegolten.

Auch hier wird bei Betrachtung der Ergebnisse im Zeitverlauf deutlich, dass sich die Situation der in der freien Wirtschaft angestellten Kammermitglieder in den letzten Jahren verbessert hat. 2012 erhielten nur 48 % der Angestellten in Architektur- und Planungsbüros (2017: 67 %) und 37 % der Angestellten in der gewerblichen Wirtschaft (2017: 46 %) eine Kompensation für die von ihnen geleitete Mehrarbeit.

Personalmangel

Gestiegene Gehälter und verbesserte Überstundenregelungen gehen vermutlich auf verstärkte Bemühungen seitens der Arbeitgeber zurück, ihre Angestellten enger an das eigene Büro bzw. Unternehmen zu binden. Die gute Baukonjunktur sorgt vielerorts für Kapazitätsaus- bzw. -überlastung mit der Folge, dass zusätzliches Personal gesucht wird. Und dieses ist mittlerweile schwer zu finden.

Insgesamt 51 % der befragten Büroinhaber geben an, 2017 Mitarbeiter für das eigene Büro gesucht zu haben. Vor allem größere Büros hatten im letzten Jahr offene Stellen zu besetzen: 93 % der Inhaber von Büros mit mehr als 10 tätigen Personen, 71 % der Inhaber von Büros mit 5 bis 9 Beschäftigten und 35 % der Inhaber von Büros mit 2 bis 4 Beschäftigten waren 2017 auf Personalsuche. Dies entspricht in etwa der Situation im Berichtsjahr 2015: Der Anteil der Büros mit offenen Stellen ist in den letzten zwei Jahren nur leicht von 46 % auf 51 % gestiegen.

Einen deutlichen Unterschied zu 2015 gibt es bezogen auf die Frage, ob die Personalsuche mit Schwierigkeiten verbunden war. Schon 2015 berichteten knapp zwei Drittel (64 %) der personalsuchenden Büroinhaber von Problemen, geeignete Mitarbeiter für das eigene Büro zu finden. In der aktuellen Befragung liegt dieser Anteil bei 79 %. Die nach Bürogröße differenzierende Betrachtung zeigt, dass Inhaber größerer Büros häufiger von Problemen bei der Personalsuche berichten als Inhaber kleinerer Büros. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass in größeren Büros häufig mehrere offene Stellen zu besetzen sind. Der Vergleich der Ergebnisse für die Referenzjahre 2015 und 2017 zeigt, dass der Anteil derer, die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen haben, in kleineren Büros deutlich stärker gestiegen ist als in größeren Büros mit mehr als 10 tätigen Personen. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass große Büros potenziellen Mitarbeitern häufig attraktivere Angebote machen können als kleinere.

Büronachfolge

Die Frage nach einem möglichen Nachfolger bei Eintritt in den Ruhestand wird zumindest für einen Teil der selbstständig tätigen Kammermitglieder in den nächsten Jahren zum Problem. So sind in NRW derzeit 15 % der Büroinhaber älter als 60 Jahre. Gefragt nach der Bereitschaft, ein eigenes Büro zu gründen bzw. ein bestehendes Büro zu übernehmen, geben aber 44 % der angestellten Kammermitglieder an, eine selbstständige Tätigkeit nicht in Erwägung zu ziehen. Insgesamt 30 % waren entweder schon einmal selbstständig tätig und haben diese Tätigkeit wieder aufgegeben oder haben sich mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit zwar auseinandergesetzt, diesen aber verworfen.

Als Grund für die fehlende Gründungsbereitschaft wird vor allem das mit einer selbstständigen Tätigkeit verbundene finanzielle Risiko genannt (39 %). 12 % lehnen eine Selbstständigkeit aufgrund einer (erwarteten) Unvereinbarkeit von selbstständiger Tätigkeit und Familie ab. Eng mit diesem Argument verknüpft ist die von 11 % genannte hohe zeitliche Belastung, die aus einer selbstständigen Tätigkeit resultiere. Weitere 11 % rechnen mit einem schwierigen Start, insbesondere bei einem Markteintritt als kleines Büro. Ebenfalls rund ein Zehntel lehnt einen Schritt in die Selbstständigkeit ab, weil die aktuelle Situation als Angestellter als zufriedenstellend betrachtet wird (9 %).

26 % der Angestellten stehen einem Schritt in die Selbstständigkeit grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber: 24 % ziehen eine selbstständige Tätigkeit in Erwägung, haben aber diesbezüglich noch keine konkreten Schritte unternommen. 2 % streben die Gründung oder Übernahme eines Büros gezielt an.

Architektinnen und Planerinnen haben seltener den Wunsch, sich selbstständig zu machen als ihre männlichen Kollegen. 50 % der Frauen, aber nur 39 % der Männer lehnen den Gedanken an eine Bürogründung oder -übernahme grundsätzlich ab. Mehr Männer als Frauen sind grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber einem Schritt in die Selbstständigkeit (26 % gegenüber 22 %) oder befinden sich bereits in der gezielten Vorbereitung einer Bürogründung oder -übernahme (3 % gegenüber 2 %). Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sind vor allem deshalb von großer Bedeutung, da der Frauenanteil unter den Angestellten seit Jahren kontinuierlich wächst. Lag er 2012 noch bei 39 %, sind es in der diesjährigen Befragung bereits 45 %.

Insgesamt zeigt sich, dass sich die wirtschaftliche Situation der selbstständigen wie auch der angestellten Kammermitglieder verbessert hat. Die Zeichen für die Zukunft sind positiv. Risiken ergeben sich insbesondere bezogen auf die Sicherung des Nachwuchses sowohl als Angestellte in den Büros als auch als Bürogründer und -nachfolger.

Architektenbefragung 2018: Ergebnisse für NRW mit Grafiken (PDF)

Autor: Nicole Reiß, Reiß & Hommerich, Bergisch Gladbach