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Bauhaus 100 im Westen

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke. 2019, das war nicht zuletzt das Bauhausjahr. Was haben die Jubiläumsfeierlichkeiten gebracht? Was bleibt von 100 Jahren Bauhaus? - Ein Resümee.

Es bleiben auf alle Fälle viel beachtete Ausstellungen, zum Beispiel zu der bislang unterbelichteten Rolle der (Textil-)Künstlerin Anni Albers in der Kunstsammlung NRW oder zu den beiden Exil-Bauhäuslern Josef Rings und Erich Mendelsohn, eine Ausstellung, die von Dortmund nach Tel Aviv wanderte. Dann gab es die Wanderausstellung "Neues Bauen im Westen" der Architektenkammer NRW sowie eine lehrreiche Schau zu den politischen Hintergründen der berühmten Kunstschule ("Weimar im Westen - Republik der Gegensätze"), die durch das ganze Land tourte; es gab Oskar Schlemmers legendäre Tanz-Schöpfung Triadisches Ballett am Theater Dortmund; zum Abschluss im März 2020 wird es einen Bildungskongress ("Zukunftslabor Bauhaus") im LWL-Textilmuseum Bocholt geben, der die Ziele und Vorstellungen des Bauhauses im Blick auf eine zukünftige Gesellschaft mit Schülern, Studierenden und Pädagogen diskutieren wird. Alles zusammen mehr als 50 Ausstellungen, Symposien, Diskussionsrunden, natürlich auch Publikationen, Filmreihen nebenbei und manches mehr zu einem nationalen Thema, das auch dem Land Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr einen (Bauhaus-) Stempel aufgedrückt hat.

Federführend für das Programm waren das Ministerium für Kultur und Wissenschaft und die beiden Landschaftsverbände LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) und LVR (Landschaftsverband Rheinland) zuständig, die im Haus der Architekten in Düsseldorf am 7. Januar 2020 ein Resümee zogen. Man habe gezielt die ganze Breite des Phänomens Bauhaus abdecken wollen, sowohl die ästhetische, die gesellschaftspolitische als auch die experimentelle Seite der berühmten Schule berücksichtigt, betonte Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin im Ministerium. Kaluza unterstrich zudem die positiven Erfahrungen mit der dreiteiligen Verbund-Organisation, durch welche Kompetenzen zusammengeführt werden konnten und auch eine landesweite Beteiligung sichergestellt war. Es könnte ein Modell auch für zukünftige Themen werden: Konkret arbeite man in ähnlicher Struktur gemeinsam an dem Thema Provenienzforschung. Die Projekte des Bauhausjubiläums haben die drei Verbundpartner insgesamt mit rund 5,6 Millionen Euro unterstützt.

Schwerpunkt Architektur durch die AKNW

Zu den rund 40 Akteuren, die sich mit Pro-jekten zum Bauhausjubiläum einbrachten, gehörte an führender Stelle die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die mit der Wanderausstellung "Neues Bauen im Westen" – sie gastierte in sechs Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Berlin - den architektonischen Schwerpunkt in diesem Jahr gesetzt hatte. "Für uns war hierbei wichtig", so AKNW-Präsident Ernst Uhing, "den Bauhaus-Ansatz in seinen Nachwirkungen in den Blick zu nehmen; zu fragen, was hat das Bauhaus mit uns Nachkommen gemacht -  in den Nachkriegsjahr-zehnten vor allem, aber nicht zuletzt auch im Blick auf unsere heutige Architektur-Praxis."

Gesellschaftliche Reformbewegungen

Das Bauhaus war Teil und Ausdruck einer umfassenden Moderne-Bewegung, die gerade in NRW vielfältige Wurzeln besaß. Milena Karabaic, Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Rheinland, betonte bei ihrem Rückblick – gegen manche Kritik in den Medien - die innovative Haltung, die den verschiedenen modernen Strömungen schon ab der Jahrhundertwende von 1900 zugrunde lagen und gerade den Westen Deutschlands in diesem Zusammenhang interessant mache. Die Stichworte lauten Peter Behrens (Architekt und „Großvater des Industriedesigns“), die Reformbewegung Hagener Impuls und das vielschichtige Phänomen der Industriekultur an Rhein und Ruhr.

Entdeckungen im Westfälischen

Bauhaus auch in Westfalen? Barbara Rüschoff-Parzinger, die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, erinnerte als Highlight des Jahres an die Neuentdeckung des Landhauses Ilse im Siegerland, den Zwilling (und einzigen Nachbau) des berühmten Weimarer „Haus am Horn“. Zu nennen sei auch die Ausstel-lung „Bauhaus und Amerika“, die sogar in den USA auf Resonanz gestoßen sei. Wer über diese und andere Aspekte auf theoretischem Niveau noch einmal nachlesen will, hat dazu Gelegenheit in einer vom Verbund herausgegebenen neuen Publikation mit dem Titel „die welt neu denken. Beiträge aus dem Eröffnungssymposion 100 jahre bauhaus im westen“ (Herausgeber: Joachim Henneke, Dagmar Kift und Thomas Schleper). Lesenswert.

Info: www.bauhaus100-im-westen.de

Autor: Dr. Frank Maier-Solgk