« zurück

„Bauhaus im Westen“ auf der Zielgeraden

Ein lebendiges, interdisziplinäres Netzwerk steht am Ende eines ereignisreichen Jahres, das in Nordrhein-Westfalen vom Landesverbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“ maßgeblich inhaltlich gestaltet wurde. „Die umfassende und stets vertrauensvolle Kooperation zwischen ganz unterschiedlichen Institutionen und Initiativen hat inhaltsstarke Veranstaltungen hervorgebracht und ist insgesamt ein Gewinn für das Land NRW“, resümierte Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer und Vorsitzender des Fachbeirats des Landesverbundes, auf der abschließenden Sitzung des wissenschaftlichen Beirats am 11. November auf dem Hohenhof in Hagen. Das Gremium tagte in dem einstigen Wohnhaus von Karl Ernst Osthaus, das der Folkwang-Gründer zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Künstler- und Intellektuellenkolonie entworfen hatte. Das vorläufige Fazit des Gremiums nach rund einem Jahr voller Ausstellungen, Symposien, Projekten und Publikationen zum Thema „Bauhaus und Neues Bauen“ fiel rundweg positiv aus.

Der Landesverbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“ hatte sich im Vorfeld des 100. Bauhaus-Geburtstags unter der Federführung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW sowie der beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) zusammengefunden, um die vielfältigen kulturellen Aktivitäten zum Jubiläumsjahr zu koordinieren und um gemeinschaftliche Projekte zu ermöglichen. Die Architektenkammer NRW war einer der zentralen Partner des Verbundes, in dem sich rund 40 Verbände und Initiativen engagierten.

So konnte beispielsweise die AKNW in Kooperation mit den Land- schaftsverbänden und mit Unterstützung des Kulturministeriums die Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ realisieren, die im Laufe des Jahres 2019 in Düsseldorf, Berlin, Dortmund, Münster, Köln und Bielefeld zu sehen war und deren Abschlusspräsentation im März 2020 an der RWTH in Aachen zu erleben sein wird. „Alleine zu den Vernissagen und ergänzenden Vorträgen im Rahmenprogramm kamen mehr als 1000 Besucher“, berichtete Christof Rose, projektverantwortlicher Abteilungsleiter „Medien + Kommunikation“ bei der AKNW, dem Fachbeirat.

Viele weitere Interessierte hätten die Ausstellung gesehen, da „Neues Bauen im Westen“ jeweils an Orten präsentiert wurde, die viel Publikumsverkehr aufweisen – vom „Haus der Architekten“ in Düsseldorf über die Häuser der Landschaftsverbände bis zum Technischen Rathaus in Bielefeld. Die ergänzende Webplattform, aufgesetzt von der Architektenkammer NRW mit Unterstützung der Denkmalpflegeämter von LWL und LVR, machte darüber hinaus die wichtigsten Objekte des Neuen Bauens im Westen ortsungebunden abrufbar. Die Objekte werden dauerhaft den Online-Architekturführer baukunst-nrw.de ergänzen.

Bauhaus-Jubiläum als Leitthema

Die Architektenkammer NRW ging konzeptionell in zahlreichen Veranstaltungen auf das wichtige baukulturelle Erbe ein, das der Gründung des Bauhauses in Weimar bei uns im Westen vorangegangen war (etwa die Hagener Impuls mit Osthaus/van de Velde) oder in der ersten und zweiten Moderne an Rhein und Ruhr entstanden war. So untersuchte der „Innenarchitektentag“ im Mai 2019 die Bedeutung des Bauhauses für die Fachrichtung und ließ auch Schauspiel und Tanz jener Epoche aufleben. Das 13. Architekturquartett NRW konzentrierte sich im Juni in Krefeld auf konkrete Bauhaus-Architekturen, deren Zustand und Bedeutung zur Diskussion gestellt wurden. Der fünfte „Urban-Slam“ der AKNW ließ am 19. November junge Planerinnen und Planer ihre Haltung zum Bauhaus in pointierten Slams formulieren. Und ab Mitte Dezember können Interessierte bis Mitte Januar 2020 im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf die Ausstellung „Bauhaus macht Schule“ besuchen, die Arbeiten und Kindern und Jugendlichen vorstellt, die sich im Rahmen von „Kultur und Schule“-Projekten der AKNW und des NRW-Kulturministeriums mit den Lehren des Bauhauses beschäftigt hatten.

Abschluss des Verbundes mit „Bildungskongress“

Der Jugend soll auch das letzte Wort gehören, wenn am 26. und 27. März 2020 im Textilmuseum in Bocholt mit einem „Bildungsgipfel“ der feierliche Abschluss des Landesverbundes „100 Jahre Bauhaus im Westen“ markiert werden soll. Schülerinnen und Schüler, Studierende und alle, die sich mit der kulturellen Bildungsarbeit befassen, sind dann eingeladen, die Erkenntnisse aus dem Bauhaus-Jubiläumsjahr und seinen vielfältigen Veranstaltungen zu formulieren und nach vorne zu blicken: Was können das Bauhaus und das Neue Bauen im Westen jungen Menschen heute sagen? Welche Ideen für Schulprojekte und Lehrinhalten gibt es, um die Ideale des Bauhauses weiter in die Zukunft zu tragen?

Ausstellung „Bauhaus macht Schule“ bis zum 21. Januar 2020 im Haus der Architekten in Düsseldorf. Vernissage zur Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ am 16.03.2020, RWTH Aachen. „Bildungskongress 100 Jahre Bauhaus im Westen“ am 27.03.2020 im LWL-Textilmuseum Bocholt.

Autor: Christof Rose