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Bauhaus in der SBZ/DDR

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    Dr. Andreas Butter (Leibniz Institut, Erkner) freute sich über die Einladung nach Köln von (v. l.) Prof. Thomas Schleper (LVR, Lenkungskreis „bauhaus100 im westen“), Prof. Gertrude Cepl-Kaufmann (Institut „Moderne im Rheinland“, Mitglied im Fach-beirat „bauhaus 100 im westen“ und Milena Karabaic (Kulturdezernentin LVR) Bild: Christof Rose

Das 100. Gründungsjubiläum des Bauhaus‘ hat vielfach deutlich gemacht, wie die Gestaltungsschule nach dem Zweiten Weltkrieg durch rückblickende Kanonisierung und das Wirken der früheren Bauhaus-Direktoren Walter Gropius und Mies van der Rohe als geschlossenes Konzept wahrgenommen werden konnte.

Dass das Bauhaus heute als einer der „wichtigsten Kulturexporte“ (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier) gilt, ist zudem auf die internationale Arbeit zahlreicher Bauhaus-Meister und -Schüler zurückzuführen.

Wie aber entwickelte sich das Bauhaus-Erbe nach 1945 dort, wo die Bauhaus-Schule gegründet wurde und 13 Jahre lang existierte - auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später der DDR? Zu dieser Frage hielt Dr. Andreas Butter, Kunsthistoriker am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner bei Berlin, dessen Forschungsschwerpunkt auf der deutschen Architekturgeschichte der DDR und Berlins liegt, am 18. September im LVR-Landeshaus in Köln einen Vortrag im Rahmen der Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

„Es gab nach dem Krieg eine starke Präsenz von Bauhäuslern in der SBZ“, stellte Andreas Butter einleitend fest. Und obwohl in Städten wie Berlin, Weimar und Dessau, aber auch in Potsdam, Halle und Dresden Hochschulen für Architektur und Gestaltung gegründet wurden oder werden sollten, die sich unmittelbar auf das Bauhaus bezogen, habe sich der Umgang mit dem Bauhaus-Erbe rasch zu einem Politikum entwickelt. Die zunächst positive Haltung wandelte sich spätestens mit dem III. Parteitag der SED im Jahr 1950, auf dem der neu gewählte Generalsekretär Walter Ulbricht die Neuausrichtung der SED nach leninistisch-stalinistischem Vorbild verkündete und „modernistische“ Gestaltungs- und Planungsmethoden als einen Affront gegen die propagierten „nationalen Traditionen“ diffamierte.

Gleichwohl nahmen einzelne Architekten verhalten Bezug auf die Prinzipien des elementierten Wohnungsbaus, wie ihn das Bauhaus experimentell entwickelt hatte. Ein herausragendes Projekt jener Jahre war die Entstehung von Halle-Neustadt (1961–1974) durch den Bauhäusler Richard Paulick, der bereits am Bau der Stalinallee in Berlin beteiligt gewesen war.
1964 wurde das Bauhaus-Gebäude in Dessau notdürftig saniert, 1967 fand die erste offizielle „Bauhaus-Ausstellung“ im Schloss Georgium in Dessau statt, allerdings weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst 1976 wurden das Bauhaus umfassend saniert und die „Bauhauskolloquien“ ins Leben gerufen. „Die DDR hat sich über viele Jahre schwer mit dem Bauhaus getan“, resümierte Dr. Andreas Butter. „Eine vorsichtige ‚Erbeaneignung‘ fand erst in den 1970er Jahren statt.“  

Weitere Vorträge zum Bauhaus im Rahmenprogramm der Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ finden statt im Technischen Rathaus Bielefeld sowie im Frühjahr 2020 an der RWTH Aachen.

Autor: Christof Rose