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Baukunstarchiv NRW: Reproduktives Entwerfen – es war schon immer so…

Noch bis zum 5. April ist im Baukunstarchiv NRW in Dortmund die Ausstellung „Reproduktives Entwerfen“ zu sehen. Das Reproduktive Entwerfen bekennt sich zu allem in der Architekturgeschichte Vorhandenem und geht mit einer unvoreingenommenen Sicht auf alle bestehenden Architekturen, seien sie realisiert oder lediglich auf dem Papier entworfen, ans Werk. In der festen Überzeugung, dass Architektur nicht immer neu erfunden werden muss noch kann, bedienen sich Moritz Henkel an der TU Dortmund, Philipp Rentschler, Ulrich von Ey an der Beuth Hochschule Berlin und Prof. Georg Ebbing an der HSRM Wiesbaden mit ihren Studierenden konkreter architektonischer Referenzen, um diese nachzuahmen oder an anderer Stelle zu reproduzieren. Denn schließlich könnten nur „ignorante Hanswürste“ (Adolf Loos) glauben, immer wieder bei Null anfangen zu können.

Die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen wird bei den reproduktiven Entwerfern nicht geleitet von dem Wunsch nach ästhetischer Reduktion, Transformation oder formaler wie konzeptueller Abstraktion,
sondern von der präzisen und möglichst wörtlichen Aneignung des Bestehenden, um daran und daraus für Heute zu lernen. Durch die gewählte Strategie des Reproduktiven Entwerfens bleiben in den neuen Entwürfen die Gedanken und Bauten der Vorfahren erhalten und werden sogar noch vermehrt. Die Ausstellungsmacher versuchen, eine architektonische Kontinuität in ihren Entwürfen sichtbar und erlebbar
zu machen.

Grundlage für die in der Ausstellung präsentierten Entwürfe und Arbeiten ist das 2014 von Georg Ebbing, Moritz Henkel, Philipp Rentschler und Ulrich von Ey formulierte Manifest mit seinen acht Thesen. Diese bilden auf vielfältige Weise den Hintergrund für die tägliche Arbeit in Forschung, Lehre und Büropraxis. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den Jahren 2014 bis 2020, die sowohl im Rahmen der Lehre der Akteure als auch in den jeweiligen Architekturbüros realisiert wurden.

Die Ausstellung soll dazu einladen, in die vielfältige Welt der Architektur und ihrer Werke einzutauchen und „soll der Besucherin bzw. dem Besucher die Freude vermitteln, die es bedeuten kann, wenn man sich den vorhandenen Architekturen und ihrer Vielfalt wohlwollend nähert“, so die Kuratoren.

Besucher der Ausstellung sind auch dazu eingeladen, im Rahmen der Ausstellung selber mit Referenzen zu arbeiten, so wie es auch die Studierenden machen werden, die an der „Winterakademie“ teilnehmen, die vom 18. bis 27. März stattfindet. Auf vielfältige Weise kann sich so der große Reichtum der historischen Architektur einem jeden öffnen, hoffen die Kuratoren.

Ausstellung „Reproduktives Entwerfen 2014 – 2020“: 6. Februar bis 5. April 2020, Baukunstarchiv NRW, Dortmund.

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