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Ein Jahr Baukunstarchiv NRW in Dortmund: Ein lebendiger Standort für die Baukultur!

Ein Jahr Baukunstarchiv - Grund zum Feiern (v. l.): Prof. D. Wolfgang Sonne (wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs NRW), Ernst Uhing (Präsident der Architektenkammer NRW und Vorsitzender der Gesellschafter des BKA NRW), Markus Lehrmann (Geschäftsführer des BKA NRW und Hauptgeschäftsführer AKNW), Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitzender des Fördervereins des BKA NRW) und Michael Püthe (Vizepräsident der Ingenieurkammer-Bau NRW) – Foto: Detlef Podehl / Architektenkammer NRW

Ein Dutzend Ausstellungen, über 100 Veranstaltungen, mehr als tausend Gäste und Besucher in jedem Monat: Das „Baukunstarchiv NRW“ (BKA NRW), das vor einem Jahr in Dortmund im früheren Museum am Ostwall eröffnet wurde, kann auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurückblicken. „Es ist gelungen, ein lebendiges Zentrum für Baukultur entstehen zu lassen, das Dokumentation und Forschung mit Präsentationen und Gesprächen verbindet“, resümierte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW, die ersten 365 Tage der neuen Institution. Dass das Baukunstarchiv NRW seiner Kernaufgabe ebenfalls mehr als gerecht wird, belegt eine weitere Zahl: Über 100 Nachlässe von Architekten und Ingenieuren aus Nordrhein-Westfalen wurden bislang in die Obhut des Baukunstarchivs NRW gegeben.

Am 4. November 2018 hatten die Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW (Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Stiftung Deutscher Architekten, Ingenieurkammer-Bau NRW, der Förderverein für das Baukunstarchiv sowie die TU Dortmund als ständiger Kooperationspartner) die neue Institution am Ostwall 7 in Dortmund vorgestellt. Seitdem ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht Ausstellungen, Symposien, Diskussionen, Seminare oder Präsentationen Besucherinnen und Besucher in das Haus geführt hätten, beschrieb Markus Lehrmann, Geschäftsführer des BKA NRW, das kommunikative Konzept der Gesellschafter. „Dokumentieren, analysieren, präsentieren – dieser Dreiklang bestimmt die Arbeit des Baukunstarchivs NRW“, so Lehrmann weiter.

Zu den Höhepunkten des ersten Arbeitsjahres der jungen Institution gehörten Ausstellungen wie die Eröffnungsausstellung „Eins, zwei, drei Baukunstarchiv“, die Präsentation „Konzept + Atmosphäre“ des Dortmunder Büros GerberArchitekten, die Ausstellung „monumental“ von Prof. Heike Hanada, in der u. a. ihr neues Bauhausmuseum in Weimar vorgestellt wurde, die Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ der Architektenkammer NRW, die sich im Lichthof bis zu sieben Metern Höhe emporschraubte, sowie die ebenfalls auf das Bauhaus-Jubiläumsjahr bezogene Ausstellung „Vor dem Bauhaus – Osthaus“.

Aus Sicht des „Fördervereins für das Baukunstarchiv“ war das erste Aktionsjahr dadurch geprägt, die zugesagten Eigenmittel von 350.000 Euro mit der Stadt Dortmund abzurechnen und die eingeworbenen Materialzustellungen und Dienstleistungen in Höhe von ca. 110.000 Euro für den Eigenanteil zu bewerten. „Dies ist in vollem Umfang gelungen“, stellte Prof. Franz Pesch, der Vorsitzende des Fördervereins, fest. Insgesamt wurden rund 650.000 Euro für Bau- und Einrichtungskosten von den Gesellschaftern aufgebracht.

Zum Erfolg des neuen Baukunstarchivs NRW habe auch die Attraktivität des Standorts und des Bauwerks selbst beigetragen, unterstrich Kammerpräsident Ernst Uhing. Das 1872 - 75 als Landesoberbergamt errichtete Gebäude war mit Städtebaufördermitteln des Landes NRW umgebaut worden und wird den Gesellschaftern des Baukunstarchivs NRW durch die Stadt Dortmund miet- und abgabenfrei zur Verfügung gestellt.

Im ersten Geschäftsjahr nutzten bereits zahlreiche Institutionen, Verbände, Vereine und Initiativen das Baukunstarchiv NRW für ihre Veranstaltungen. So lud die Architektenkammer NRW hier zu ihrem Innenarchitektentag ein, in dessen Programmablauf über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer neben Vorträgen auch Tanz und Schauspiel erleben konnten. Auch die Teilnahme des neuen Hauses am „Tag der Architektur“, am „Tag des offenen Denkmals“ und der „Dortmunder Museumsnacht“ führten viele Besucher in die Ausstellungsräume. Besondere Aufmerksamkeit zog das Baukunstarchiv NRW auf sich durch seine Öffnung während des Evangelischen Kirchentages in Dortmund und durch die Teilnahme am „Urban Trail“, einer Baukultur-Lauf-Veranstaltung, in deren Rahmen rund 1500 Sportlerinnen und Sportler durch das Haus liefen.     

Auch für das Jahr 2020 entwickelten die Gesellschafter des Baukunstarchivs NRW unter Federführung des wissenschaftlichen Leiters des Hauses, Prof. Dr. Wolfgang Sonne von der TU Dortmund, ein Ausstellungsprogramm, das die Forschungsarbeit des Baukunstarchivs mit attraktiven Präsentationen und zahlreichen Vortragsangeboten verbindet. „Wir arbeiten unter architekturhistorischen Fragestellungen Nachlässe bedeutender Baumeister auf, forschen aber auch zu thematisch übergeordneten Fragestellungen“, erklärte Prof. Sonne. So arbeite ein Forschungsteam gegenwärtig zu der spezifischen Bauhistorie im Ruhrgebiet; ein weiteres befasse sich mit dem Nachlass des Münsteraner Architekten Harald Deilmann (1920 – 2008). Beides mehrjährige Forschungsvorhaben, für die Fördermittel akquiriert werden konnten. Zu Harald Deilmann werde es im Herbst 2020 eine Ausstellung im Baukunstarchiv NRW geben, kündigte Prof. Sonne an. Er freue sich auch auf die Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner – Vor der Malerei die Architektur“, die im Frühjahr 2020 anhand von Zeichnungen des international renommierten Malers darstellen werde, dass Kirchner ursprünglich Architektur studiert hatte.

Den Ausstellungsreigen des zweiten Aktionsjahres eröffnet am Abend des 4. November 2019, pünktlich zum ersten Geburtstag des Baukunstarchivs NRW, die Präsentation „JPK NRW – Der Architekt Josef Paul Kleihues in Nordrhein-Westfalen“, die bis zum 19. Januar 2020 im BKA NRW zu erleben ist. Die Ausstellung des Kuratorenteams Dr. Alexandra Apfelbaum, Dr. Silke Haps und Prof. Dr. Wolfgang Sonne wirft nicht nur einen gezielten Blick auf das nordrhein-westfälische Schaffen im Werk des bedeutenden Architekten Josef Paul Kleihues (1933 – 2004), sondern beleuchtet einen Baustein der Baugeschichte Nordrhein-Westfalens neu.

Ihren Ausdruck findet lebendige und gelebte Baukultur darin, dass viele Diziplinen an der Errichtung von Bauwerken in einem Team zusammenarbeiten. Nur durch die interdiziplinäre Teamarbeit von Architekten und Ingenieuren sei es gelungen, solche Bauwerke oder sogar Skulpturen wie z. B. das Turmhaus am Kant-Dreieck in Berlin von Josef Paul Kleihues zu errichten, ergänzte Dipl.-Ing. Michael Püthe, Vizepräsident der Ingenieurkammer-Bau NRW. Nordrhein-Westfalen blicke hier auf ein reiches Erbe. „Auch hier gilt es, im Rahmen von Forschungsarbeiten die besonderen Ingenieurleistungen in NRW - wie für das erst kürzlich als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnete Gasometer in Oberhausen - zu dokumentieren.“

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