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Fachtagung „Architektur und Medien“ zum politischen Journalismus

Kosten, Bauzeiten, spektakuläre Entwürfe - wenn politische Journalistinnen und Journalisten über Architektur-Themen berichten, dann häufig im Zusammenhang mit diesen Schlagwörtern. „Architekturthemen werden häufig erst Thema, wenn sie zum Politikum werden“, sagte AKNW-Pressesprecher Christof Rose zum Auftakt der zweiten Fach- und Forschungskonferenz der Architektenkammer NRW und dem Institut für Medienentwicklung und -analyse der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am 16. Mai. Doch wie können Architekten in solchen Debatten Gehör bekommen? Wie können sie dazu beitragen, dass städtebauliche Überlegungen nicht untergehen? Unter dem Titel „Architektur und Politik - Kommunikation mit Hindernissen?“ diskutierten renommierte Politikjournalisten mit Architekten, Medienwissenschaftlern und PR-Vertretern aus Architekturbüros. Treffpunkt war die erst im Januar 2019 eingeweihte neue Zentrale der Funke Mediengruppe in Essen.

„Kommen Sie auf uns zu. Bei uns rennen Sie offene Türen ein!“ Mit diesen Worten forderte der Lokalchef des Kölner Stadtanzeigers, Christian Hümmeler, alle Architekten auf, in der politischen Berichterstattung über Bauprojekte eine größere Rolle zu spielen. Auch Dr. Tobias Blasius, Landtagskorrespondent der WAZ bzw. der Funke Mediengruppe, riet dazu, die Diskussion über ein Bauvorhaben nicht der Politik oder dem Investor zu überlassen. „Erklären Sie, dass eine Stadt eine Handschrift hat. Vermitteln Sie städtebauliche Aspekte“, riet er besonders in jenen Situationen, in denen eine mangelnde Informiertheit der Bevölkerung dazu führt, dass ein Bauvorhaben keine Akzeptanz findet. Architekt Matthias Pfeifer vom Düsseldorfer Büro RKW Architektur+ sah genau an dieser Stelle Nachholbedarf bei den Medien. Er nahm die Journalisten in die Pflicht, ihrer Informationsaufgabe auch bei komplexen Sachverhalten nachzukommen. „Oft bleibt die Debatte an der Oberfläche.“ Stadtplanung sei ein kompliziertes Themenfeld. Journalisten müssten sich der Aufgabe stellen, sich in solche Themen einzuarbeiten, um der Bevölkerung eine eigene Meinungsbildung überhaupt zu ermöglichen.

Dr. Leo Flamm, bis 2019 WDR-Korrespondent mit Schwerpunkt Landespolitik, konterte: „Wer öffentlich gehört werden will, muss öffentlich die Stimme erheben.“ Er riet den Architekten dazu, sich aktiv in politische Debatten einzuschalten, bereits vor einer Anhörung im Landtag mit den Redaktionen zu sprechen und auf spannende Aspekte eines Themas hinzuweisen. „Bringen Sie sich als konstruktiver Problemlöser ins Gespräch“, empfahl Flamm.

Eingeleitet wurde die Fach- und Forschungskonferenz von Prof. Andreas Schümchen, Direktor des Instituts für Medienanalyse und -entwicklung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sowie der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und freien Journalistin Patrycja Muc, die auch die Moderation übernahm. In einer siebenwöchigen Auswertung von elf journalistischen Produkten hatten sie festgestellt, dass Berichterstattung mit Architekturbezug einschließlich der Themen Wohnen, Stadt- und Landesentwicklung umfassend im Politikteil der Zeitungen stattfindet, mit Objektbezug stark im Lokalen verankert ist und deutlich seltener im Wirtschafts- oder Umweltressort auftaucht. AKNW-Präsident Ernst Uhing unterstrich, dass die Architektenkammer NRW in intensivem Kontakt mit den Medien in Nordrhein-Westfalen stehe und für die Mitglieder auch regelmäßig Seminare der Akademie zum Thema Medienarbeit anbietet. - Die Veranstaltungsreihe soll fortgesetzt werden.

Autor: Vera Moselage