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Kreativität der Kinder zur Gestaltung des öffentlichen Raumes

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    Die Tagung am 5. März fand in einem beheizten Zelt am Rande der Siedlung statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiteten interdisziplinär in Gruppen zu definierten Themenfeldern - gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern. - Foto: Christof Rose

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    In der früheren „Notsiedlung“ am Wittenberger Weg am Rande des Düsseldorfer Stadtteils Garath realisierte die Düsseldorfer Künstlerin Ute Reeh gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen der Alfred-Herrhausen-Schule ein „Café“, für das die Bodenplatte bereits gegossen wurde - Foto: Christof Rose

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    Ein Thema der Tagung war die (wiederentdeckte) Technik des Lehmwellerbaus. Der Lehmwellerbau war im ländlichen Bereich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet, vor allem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wenn das Stroh-Lehm-Gemisch nach der Trocknung vor erneuter Durchfeuchtung geschützt wird, können die geformten Steine jahrhundertealt werden. Foto: Christof Rose

Ein beheiztes Zelt am Rande der früheren Notsiedlung „Wittenberger Weg“ im Düsseldorfer Süden bildete am 5. März den ungewöhnlichen Ort für ein spannendes Experiment im Bereich der Stadtplanung und der Partizipation: Die Düsseldorfer Künstlerin Ute Reeh hatte eine Tagung organisiert, zu der sich rund 100 Künstlerinnen und Künstler, Architekten und Stadtplaner, Mitarbeiter aus Planungs- und Bauverwaltung sowie dem Hochschulbetrieb trafen, um gemeinsam mit Kindern der Alfred-Herrhausen-Schule Düsseldorf über die Gestaltung des öffentlichen Raumes und Elemente für eine Verbesserung der konkreten städtebaulichen Situation vor Ort zu sprechen.

Die Architektenkammer NRW unterstützte das ambitionierte Vorhaben. Die Tagung machte ein großes Thema unserer Zeit an einem kleinen Beispiel konkret: Wie gelingt es, die Auflösungstendenzen des Privaten und Öffentlichen als Herausforderung zu begreifen und in diesem Prozess neue, gemeinsam erfundene und getragene Räume zuschaffen? Unter dem Titel „Unendlich viele Freiheitsgrade – im öffentlichen Raum“ wollte die interdisziplinäre Tagung der Frage nachspüren, wie durch Freiheit im Denken und Handeln künstlerisch begleitete Prozesse initiiert werden können. Der Begriff „Freiheitsgrad“ ist ein Begriff aus der Physik, der voneinander unabhängige, veränderliche Parameter eines Systems bezeichnet. Die Quantenfeldtheorie beschreibt Wechselwirkungen von Feldern untereinander durch unendlich viele Freiheitsgrade.

„Lasst uns zusammen untersuchen, wie durch solche Prozesse gemeinsamer öffentlicher Raum entstehen kann“, forderte Ute Reeh, die bereits seit dem Jahr 2013 in der Siedlung am Wittenberger Weg künstlerisch-soziale Projekte durchführt, die Tagungsteilnehmer auf. Schon die Arbeit an den fünfzehn Thementischen, an denen sich Kinder und Erwachsene aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenfanden, forderte von allen Beteiligten eine große Offenheit und ein Umdenken. Konnte zu Themen wie „Farbraum“, „AkustischerRaum“, „Digitaler Raum“ oder „PolitischerRaum“ noch spielerisch gearbeitet und konkret diskutiert werden, erwies es sich an Thementischen wie „Utopie und Eigenmacht“ oder „Baukultur und Kommunikation“ deutlich schwieriger, die jungen Teilnehmer aus der Siedlung einzubinden.

„Wir lernen hier viel über die Möglichkeitenund Grenzen der Partizipation“, fasste Myriam Thyes, Künstlerin aus Düsseldorf, ihren Eindruck zusammen. Die Kinder und Jugendlichen entwickelten konkrete Ideen für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, etwa durch mehr Spielplätze, die Ausweisung von Radwegen und die Einrichtung eines Jugendtreffs Viele zeigten sich begeistert von dem Projekt „Café Wittenberger Weg“, das Ute Reeh in den vergangenen Jahren entwickelt und in Teilen bereits realisiert hatte. Die Bodenplatte für das partizipativ geplante Nachbarschaftscafé,die bereits gegossen wurde, soll nun in Lehmwellerbautechnik um einen festen Baukörper ergänzt werden. Auch hierzu bot die Tagung konkrete Praxis: Aus Lehm und Stroh konnten die Teilnehmer Steine formen, die nach Trocknung für den Bau des Nachbarschaftstreffs genutzt werden sollen. „Jeder Bewohner der Siedlungkönnte doch einen Stein machen“, schlug derelfjährige Luca vor. Andere Arbeitsgruppenentwickelten Vorschläge für die Umnutzungeines angrenzenden, brachliegenden Fabrikgeländes,das potenziell für eine neue Wohnsiedlung genutzt werden könnte.

Projektpartner der Veranstaltung waren das Zentrum für Peripherie NRW von Ute Reeh, die Architektenkammer NRW, das Institut der Moderne im Rheinland, die Landesinitiative Baukultur NRW sowie der Landschaftsverband Rheinland.

Autor: Christof Rose