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Mobile Beratung - Ein Kommentar von Michael Arns

Michael Arns, Vizepräsident der AKNW - Foto: Manuel Thomé

Liebe Kollegin,
lieber Kollege!

Bauen ist statisch - Baukultur ist es nicht! Es ist diese Grundüberzeugung, mit welcher der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den ersten „mobilen Gestaltungsbeirat“ in Nordrhein-Westfalen eingerichtet hat. Eine Grundüberzeugung, die wir teilen. Ich hatte die Freude, den Prozess der Entwicklung dieses neuen Instruments der Baukulturförderung von Anfang an zu begleiten und den Prozess immer wieder aktiv unterstützen zu können. Und ich bin mir sicher: Der „Mobile Baukulturbeirat“, so der offizielle Name des Gremiums, wird wertvolle Beiträge zur Baukultur in Westfalen leisten können.

Ein mobiler Gestaltungsbeirat? Warum? Nun, wir haben in Nordrhein-Westfalen bereits ca. 50 solcher Beiräte; in vielen Großstädten, aber auch in zahlreichen Städten mittlerer Größe. Nach zehn Jahren in Siegen bin ich selbst in den Gestaltungsbeiräten der Städte Arnsberg, Bergisch Gladbach und Kevelaer aktiv - alles Kommunen, in denen das Beratungsgremium mittlerweile sehr geschätzt wird. Wir haben aber (bundesweit) die Erfahrung gemacht, dass kleine oder mittlere Kommunen in den wenigsten Fällen über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, die ein mit externen Mitgliedern besetzter Gestaltungs- oder Planungsbeirat benötigt. Denn auch das hat sich erwiesen: Nur eine externe, außerhalb der eigenen Stadt erfolgte Besetzung dieses Gremiums kann effektiv und unabhängig arbeiten. Und Fachleute von außerhalb müssen angemessen entschädigt werden. Bei kleinen, zumeist ländlichen Kommunen, oft ohne ausreichende Fachkompetenz, hapert es oft am Geld. Gerade diese Kommunen haben eine externe Beratung aber am dringlichsten nötig. Deshalb also dieses erste Modell eines Mobilen Gestaltungsbeirats in NRW.

Wie arbeitet dieser “Mobile Baukulturbeirat“? Steht in einer kleinen westfälischen Gemeinde ein wichtiges Bauvorhaben an, kann der mobile Gestaltungsbeirat angerufen werden. Das Gremium wird dann ad hoc aus einem Pool von beim LWL gelisteten Fachkräften gebildet, die dort über eine Legislaturperiode berufen sind. Nach getaner Arbeit, in der Regel nach etwa drei Sitzungen, löst sich der Beirat wieder auf und geht zurück in eine Bereitschaftsphase.

Um die Bedeutung dieses Instruments der Baukulturförderung deutlich zu machen, muss man sich vor Augen führen, dass die 50 Gestaltungs- und Planungsbeiräte in NRW jeweils pro Jahr über 20 konkrete Einzelprojekte beraten. Die meisten Verfahren gehen mit einer intensiven inhaltlichen Arbeit, Kommunikation der Ergebnisse mit dem Rat und seinen Ausschüssen sowie oftmals mit einer umfassenden medialen Berichterstattung und Bürgerinformation einher. Gestaltungsbeiräte sind deshalb nicht allein Instrumente, die Architekten, ihren Bauherren, Investoren sowie den kommunalen Entscheidern beiseite stehen und die Projekte durch ihren fachlichen Input qualitativ optimieren können - sie sind auch ein Instrument, um Projektvorhaben offen zu kommunizieren, Ideen zu diskutieren und die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Zwar keine aktive, aber immerhin eine passive Bürgerbeteiligung!

Dabei muss kein Bauherr (auch kein Stadtrat) fürchten, dass ihm durch den Gestaltungsbeirat Entscheidungsbefugnis abgenommen werden könnte. Im Gegenteil: Oft sind Vorhaben, die öffentlich eher umstritten sind, mithilfe des Gestaltungsbeirats besser und leichter zu vermitteln.

Nordrhein-Westfalen ist in der öffentlichen Wahrnehmung stark urban geprägt. Gleichwohl gibt es einen vielfältigen ländlichen Raum, der sich baukulturell überaus heterogen entwickelt hat. Deshalb ist es gut, dass der erste mobile Gestaltungsbeirat für NRW regional verankert ist. Der LWL will den Beirat in seinem Verbreitungsgebiet Westfalen-Lippe anbieten für Kommunen bis 40 000 Einwohner. Spontan haben bei der Vorstellung am 4. Mai in Münster bereits fünf Kommunen ihr Interesse bekundet. Es wäre zu begrüßen, wenn der Landschaftsverband Rheinland hierdurch angeregt werden könnte, einen entsprechenden Beirat für das Rheinland ins Leben zu rufen. Oder auch der ein oder andere Landkreis in NRW.
Ich wünsche dem „Mobilen Gestaltungsbeirat“ des LWL viel Erfolg, aber auch Beweglichkeit - nicht nur im örtlichen Sinne. Wenn er dazu beiträgt, dass in ländlichen Regionen über baukulturelle Fragen diskutiert und gerungen wird, wäre das schon ein großer Erfolg.

Ich bin gespannt auf erste Ergebnisse und grüße Sie herzlich!
Ihr

Michael Arns
Vizepräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
arns@aknw.de

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