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„Neues Bauen im Westen“ – Wanderausstellung in Münster zu sehen

Das „Neue Bauen im Westen“ ist im Juli in Münster zu sehen. Mit ihrer gleichnamigen Wanderausstellung, die gestern Abend (10.07.19) in der Bürgerhalle des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster eröffnet wurde, zeichnet die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen mit ihren Projektpartnern den beiden Landschaftsverbänden die wichtigsten Entwicklungslinien des Bauhauses aus rheinisch-westfälischer Perspektive nach. In über 250 Exponaten und eigens für die Ausstellung geschaffenen Architekturmodellen bietet die Ausstellung dem Besucher die Möglichkeit, wechselseitige Einflussnahmen und Impulse zu überprüfen und auf Spurensuche bis in die Gegenwart zu gehen. „Das Bauhaus übt bis heute großen Einfluss auf Architektinnen und Architekten aus“, erläuterte Klaus Brüggenolte, Vizepräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, auf der Vernissage in Münster den Hintergrund des Projektes. „Mit unserer Ausstellung wollen wir den architektonischen Schwerpunkt des Bauhauses im historischen Kontext beleuchten und aufzeigen, welche Wechselwirkungen es zwischen dem Bauhaus und anderen Gestaltungsschulen jener Jahre gegeben hat.“

Die Wanderausstellung ist ein Beitrag in der Programmvielfalt des Verbundprojektes „bauhaus 100 im westen“, das die beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) zusammen mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW anlässlich des diesjährigen Bauhausjubiläums ins Leben gerufen haben. „Ich freue mich, dass sowohl in die Ausstellung als auch in das parallel erarbeitete Onlineportal www.neues-bauen-im-westen.de das Fachwissen der Denkmalpflege eingeflossen sind. Dieses trägt dazu bei, dass Besucher verschiedene Facetten des ‚Neuen Bauens in Westfalen-Lippe‘ kennenlernen können und sie damit zu einem differenzierten Blick auf die Bautätigkeiten in den Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen eingeladen werden“, kommentierte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Beide Projekte gehen u.a. diesen Fragen nach: Wie ist das Bauhaus im Rheinland und in Westfalen rezipiert worden? Welche Bauten verweisen unmittelbar auf die einflussreiche Kunst- und Bauschule? Welche früheren, parallelen und späteren Entwicklungen haben das Neue Bauen im Westen Deutschlands ausgemacht? In einer beeindruckenden Ausstellungsarchitektur werden Vorläuferentwicklungen wie der Hagener Impuls, die Arbeit des Deutschen Werkbundes und der moderne Industriebau mit Peter Behrens nachgezeichnet und die Folgewirkungen des Bauhauses bis in die Nachkriegsmoderne dargestellt. Fotos, Texte und maßstabsgerechte Holzmodelle, die von Studierenden der Peter Behrens School of Arts (PBSA, HS Düsseldorf) angefertigt wurden, machen die Architekturentwicklung des „Neuen Bauens“ auch sinnlich erfahrbar.

Die Ausstellung weist dabei stets auf die gesellschaftlichen Hintergründe und parallele Strömungen in Architektur und Städtebau hin. Denn das Bauhaus verdichtete Entwicklungen seiner Zeit in einem katalytischen Prozess. Formale Vereinfachung und das Ziel, vor allem auf dem Feld des Wohnungsbaus zu einer konkreten Verbesserung der Lebensumstände einkommensschwacher Schichten beizutragen, prägten das Bild der Bauhausästhetik seit den 1920er Jahren.

„Das Bauhaus, das wir kennen und über das wir gewöhnlich sprechen, ist das Ergebnis seiner wechselvollen Rezeptionsgeschichte“, erklärte Ausstellungskurator Prof. Dr. Thorsten Scheer (PBSA) in seinem Eröffnungsvortrag. Vor allem in der Zeit der Gründung der Bundesrepublik habe das Bauhaus eine Wirkung entfaltet, die als Überlagerung künstlerischer und politischer Diskurse etwa in den Bonner Bundesbauten nachhaltig Spuren in Nordrhein-Westfalen hinterlassen hat. „Damit und selbstverständlich auch mit den Ursprüngen in Hagen sowie den dringend gebotenen Abgrenzungen vom zweckrationalen Industriebau des Ruhrgebiets und den Erscheinungen des sogenannten Bauhausstils beschäftigt sich die Ausstellung und bietet dem Besucher eine Vielzahl von unterschiedlichen Betrachtungsweisen.“  

Das parallel entwickelte Onlineportal www.neues-bauen-im-westen.de stellt über 100 relevante Objekte des Neuen Bauens im heutigen Nordrhein-Westfalen vor. Die Architektenkammer NRW konnte mit den Denkmalpflegeämtern der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) insbesondere Bauwerke der 1920er und -30er Jahre zusammenstellen, die einen umfassenden Überblick gewährleisten. Das Spektrum der dargestellten Bauwerke reicht insgesamt vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Nachkriegsmoderne bis in die 1980er Jahre. Die Website bietet auch die Möglichkeit, regionale Themenschwerpunkte abzurufen und eigene Routen zu erstellen, um die vorgestellten Objekte direkt vor Ort erleben zu können.

Die Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ wurde im Februar/März 2019 erstmals im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf gezeigt. Danach war die Ausstellung in der NRW-Landesvertretung in Berlin (14. – 29.05.2019) und im Baukunstarchiv NRW in Dortmund (05. – 29.06.19) zu sehen. Nach der Präsentation beim LWL folgen Standorte im LVR-Haus in Köln (05. – 27.09.2019), im Technischen Rathaus Bielefeld (03. – 31.10.2019) sowie in der RWTH Aachen (Frühjahr 2020).

Weitere Informationen zum Landesverbund unter www.bauhaus100-im-westen.de.


Ausstellung „Neues Bauen im Westen“
11.07. – 23.07.2019
Bürgerhalle des LWL
Freiherr-vom-Stein-Platz 1, 48147 Münster
Eintritt frei.

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr. 09:00 – 18:00 Uhr

Vortrag:
Dr. Frank Maier-Solgk, Journalist/Autor:
„Zur Aktualität des Bauhauses“
23.07.2019, 18.30 Uhr.
Eintritt frei. Anmeldung erbeten unter www.aknw.de

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