« zurück

Tag der Architektur: Von neuen Wegen und digitalen Abenteuern

  • Bild 1 von 5

    Die Medien griffen auf den „virtuellen TdA“ in ihrer Berichterstattung auf. Hier ein Dreh des WDR in Düsseldorf zum Umbau eines Ladenlokals als Wohnraum von Bauherr Thorsten Stark (r.). – Foto: Christof Rose/Architektenkammer NRW

  • Bild 2 von 5

    In Lindlar stellte Architektin Andrea Schnieber (3. v. r.) mit Armin und Flora Schnieber sowie der Bauherrin Heike Flemming (l.) und Schreinermeister Jürgen Flemming (2. v. l.) den Neubau einer Schreinerei mit „Holz und Licht“ in einer Live-Begehung vor. – Foto: M. Flemming

  • Bild 3 von 5

    Filmsequenz zum „Blauen Haus“ in Duisburg auf Instagram von Druschke + Grosser Architekten. - Screenshot

  • Bild 4 von 5

    Einladung zur 360-Grad-Begehung einer neuen Kita in Soest: Architekt Christian Trost. - Screenshot

  • Bild 5 von 5

    Das Logo zum TdA 2020 wies in verschiedenen Varianten auf die Sondersituation hin.

Der „Tag der Architektur 2020“ fand Corona-bedingt im Internet und auf Social-Media-Kanälen sowie medial statt. Viele Büros nutzten diesen außergewöhnlichen Tag der Architektur zum Experimentieren und Sammeln von Erfahrungen.

„Das ist ein waghalsiges Abenteuer, auf das wir uns da eingelassen haben!“ Mit dieser Haltung führte die Architektin Andrea Schnieber am 21. Juni anlässlich des „Tags der Architektur“ eine Gruppe virtuell anwesender Besucherinnen und Besucher durch das Projekt „Holz und Licht als Konzept für eine Schreinerei“ in Lindlar. Gemeinsam mit ihrer Bauherrin Heike Flemming stellte ihr Büro „Architektur vor Ort“ eine halbe Stunde lang den Neubau vor: Der vom heimischen Bildschirm zugeschaltete Besucher erlebte die Architektin Schnieber im Dialog mit dem Schreinermeister Jürgen Flemming, wobei der gemeinsame Rundgang durch das Gebäude gefilmt und live gestreamt wurde. Anschließend bestand die Möglichkeit, über die Chat-Funktion Fragen zu stellen und Meinungen auszutauschen.

Das Experiment glückte auch nur teilweise: Obwohl sich die Architektin und ihr Bauherr eine spannende Dramaturgie des Rundgangs ausgedacht hatten und sich technisch auf der Höhe der Zeit befanden, litt der Live-Auftritt dann doch unter Übertragungsproblemen bei Bild und Ton. „Für den Bauherrn und uns war es auf jeden Fall ein sehr spannender Nachmittag, dem sicherlich noch einige interessante Gespräche folgen werden“, resümierte Andrea Schnieber ihre Erfahrungen.

Auch der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, freute sich über innovative Ideen und Kommunikationsangebote, welche die teilnehmenden Büros in diesem Jahr teilweise zum „Tag der Architektur“-Wochenende entwickelt hatten. „Wir haben im Vorfeld allen Beteiligten gesagt: Nutzen wir gemeinsam diesen außergewöhnlichen Tag der Architektur zum Experimentieren und zum Sammeln von Erfahrungen“, blickte Präsident Uhing zurück. „Diese Chance haben dankenswerterweise viele Büros für sich genutzt.“

360 Grad-Besuch

So stellte beispielsweise Architekt Christian Trost in Soest den „Neubau einer Kindertagesstätte mit U3-Betreuung“ in Form einer 360-Grad-Präsentation vor. Der Besucher wurde auf der entsprechenden Internetseite vor dem Objekt durch den Architekten begrüßt und hatte dann die Möglichkeit, sich in verschiedene Bereiche der Kita zu klicken. Dort hörte man jeweils auf der Tonspur die Erläuterungen des Architekten und konnte sich zeitgleich optisch um die eigene Achse drehen. Auf diese Weise war der gesamte Baukörper - Innen- und Außenraum bis hin zu einer Vogelperspektive - im Bild und mit fachlichen Vertiefungen zu erleben.

Fotos und Pläne auf Website

In Marl hätte Architektin Anika Müller gerne die neue „Doppelnutzung: Gottesdienstraum & Kolumbarium in St. Barbara“ vor Ort vorgestellt. „Auch die stolzen Bauherren hätten diesen Tag gerne genutzt, um das Projekt persönlich einem Publikum vorzustellen.“ Dennoch nutzte das Büro AM Architekten das Architekturwochenende, um die Presse auf das Projekt in der St. Barbara Kirche aufmerksam zu machen. Zudem wurden zahlreiche Fotos und Informationen auf der Homepage des Büros sowie auf der Plattform Houzz vorgestellt. „Ein Vorteil bei diesem speziellen Projekt ist natürlich, dass der Kirchenraum und Friedhof während der normalen Öffnungszeiten des Gebäudes für jedermann tagtäglich zugänglich ist“, sagte Architektin Müller, die das Projekt in Ergänzung zur Medienarbeit der Architektenkammer NRW auch kirchlichen Fachredaktionen zur Berichterstattung vorgeschlagen hatte.

Auch viele andere Architekturbüros boten auf ihren Homepages weiterführende Informationen zu den Objekten, die am „Tag der Architektur“ vorgestellt werden sollten, etwa die Düśseldorfer SOP Architekten zu dem Bauwerk „Fürst & Friedrich“ oder das Kölner Architekturbüro caspar. (vormals meyer-schmitzmorkramer) zu dem Ensemble Abtei Michaelsberg in Siegburg - ein Projekt, das u.a. mit dem „German Design Award Special 2018“ ausgezeichnet worden war.

Die Architektenkammer NRW wies in ihrer Online-Bilddatenbank auf solche ergänzenden Infos hin und vernetzte sich auch mit allen Büros, die auf Facebook oder Instagram aktiv waren. Zudem wurde der beliebte Katalog zum „Tag der Architektur“ auch in diesem Jahr mit einer Auflage von 10 000 Stück gedruckt und an Interessierte verteilt.

Berichte in Print, Radio, TV
Die Pressestelle der AKNW hatte den „Tag der Architektur“ auch in diesem Jahr und nach Absage der ursprünglich geplanten Vor-Ort-Besichtigungstermine den Medien gegenüber intensiv beworben. Zwar fiel die Resonanz nicht so umfangreich aus wie in den Vorjahren. Zahlreiche Redaktionen griffen das Thema aber - gerade in Corona-Zeiten - gerne auf oder ließen sich durch persönliche Ansprache für den „Tag der Architektur“ begeistern. So wurde in verschiedenen Radiosendern und auf vielen Internetplattformen darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung 2020 zwar ohne persönliche Gespräche vor Ort, aber doch auf digitalen Wegen durchgeführt wurde. Auch in vielen Lokalzeitungen wurde über TdA-Objekte und -Akteure aus der jeweiligen Stadt berichtet.

Im Fernsehen griffen einige Lokalzeiten des WDR-Fernsehens ausgewählte Projekte auf. Etwa das Landesstudio Düsseldorf, für das die Reporterin Nora Schuster drei Objekte aus der Landeshauptstadt bzw. in Haan aufsuchte. Thorsten Stark, Bauherr eines Projektes in Düsseldorf-Eller, berichtete dem Kamerateam gerne über sein kleines, aber feines Projekt: die Umwandlung eines alten, leerstehenden kleinen Ladenlokals in neuen Wohnraum. „Ich bin selber sehr Architekturinteressiert und wollte gerne zeigen, was wir aus einer guten Idee und mit kompetenten Architekten an der Seite hier geschaffen haben“, erzählte Stark. „Ich denke, es kann anderen zur Inspiration dienen.“

„Ressource Architektur“

Der Düsseldorfer Bauherr griff damit das Leitmotiv auf, unter das die deutschen Architektenkammern in diesem Jahr den „Tag der Architektur“ gestellt hatten: „Ressource Architektur“. Damit sollten die Bedeutung und Qualitäten von Bestandsgebäuden hervorgehoben werden, erläuterte Kammerpräsident Uhing. „Wir wollen am Tag der Architektur beides zeigen: aufregende Neubauten, aber auch gelungene Sanierungen und Modernisierungen, teilweise auch Umnutzungen älterer Bauwerke.“ Im intelligenten, nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Vorhandenen liege eine große Chance, aber auch eine Verpflichtung.

Führung mit Film
Einige Architekturbüros produzierten eigens Videoclips bzw. Kurzfilme, um ihr „Tag der Architektur“-Objekt über die Homepage oder Social-Media-Kanäle präsentieren zu können. „Statt eines sommerlichen Ausflugs zu den neusten Architekturprojekten in Nordrhein-Westfalen, wie Sie Ihn bestimmt schon kennen, laden wir Sie dieses Jahr auf einen virtuellen Rundgang ein“, hatte etwa das Duisburger Architekturbüro Druschke und Grosser in einer Pressemitteilung angekündigt. Mit zwei Filmen stellte das Architekturbüro den Jugendtreff „Blaues Haus“ (Duisburg) sowie die „Kita Löwenzahn“ (Kamp-Lintfort) dann online vor. „Unsere Architektur ist nur einen Klick entfernt.“ Zugleich luden Dirk Druschke und Bibiana Grosser alle Interessierten zum Dialog ein: „Wir freuen uns über Ihre Nachrichten, Eindrücke und Ideen zu unseren Projekten über E-Mail oder unseren Instagram-Account.“
Ähnlich verfuhr der Havixbecker Architekt Kai Binnewies mit seinem Einfamilienhaus: Auch er hatte eine filmische Präsentation des kubischen Wohnhauses produzieren lassen, das über die Homepage des Büros abrufbar war. Ein Angebot, das am 20. und 21. Juni durchaus auf Resonanz traf.

Autor: Christof Rose