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UrbanSlam: Mehr Mut zum Experiment!

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    Ausverkauft! Mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war der 5. UrbanSlam in Düsseldorf einer der bislang am stärksten besuchten in der Reihe. Das alternative Kulturzentrum Zakk bot die passende Atmosphäre.

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    Sorgten für einen lebendigen UrbanSlam (v. l.): Christina Drenker, Aylin Özdemir und Jutta Göttlicher, Mladen Milinovic, Ernst Uhing, Christian Westerfeld, Profislammer Jonathan Löffelbein und Moderatorin Patrycja Muc – Fotos: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW

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    Performing Scientist: Prof. Dr. Thorsten Scheer erläuterte die Genese des Bauhauses

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    Poetry-Slammer als Gast auf dem UrbanSlam: Jonathan Löffelbein sprach über „Häuser. Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin? Und können sie überhaupt gehen?“

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    Einer der beiden Gewinner, Christian Westerfeld, sprach über "Das Dorf am Kölnberg"

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    Studentinnen der TH Köln, Jutta Göttlicher und Aylin Özdemir, sprachen über Mies van der Rohe und sein Werk im Westen. Foto: Ingo Lammert

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    Aylin Özdemir von der TH Köln stellte das Projekt " Mies im Westen" vor. Foto: Ingo Lammert

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    Die Moderatorin und Journalistin Patrycja Muc führte gekonnt durch den Abend. Foto: Ingo Lammert

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    Foto: Ingo Lammert

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    Christina Drenker, Stadtplanerin und

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„Wie kann unsere Generation die Welt besser machen?“ Diese Frage beschäftigt nicht nur Mladen Milinovic, Masterstudent im Fach Architektur aus Aachen. Alle vier Beiträge zum 5. UrbanSlam der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen drehten sich um die Frage, was junge Planerinnen und Planer dazu beitragen können, um unser Leben nachhaltiger und unsere gebaute Umwelt besser zu gestalten. Die Parallele zu der Gründungsgeneration des Bauhauses in Weimar bzw. Dessau war damit gegeben. Die inhaltlichen Auseinandersetzungen mit der Leitfrage und die Darbietungen der jeweiligen Thesen auf der Bühne in Düsseldorf fielen dabei überaus vielfältig aus. Und der Abend, den mehr als 300 Gäste am 19. November im alternativen Kulturzentrum Zakk erlebten, entsprechend kurzweilig.

Was tun mit den Großwohnsiedlungen der frühen 1970er Jahre? Diese Frage trieb Christian Westerfeld aus Köln um. Er gestaltete seinen Slam als erzählte Geschichte: „Es war einmal in Meschenich“, begann er seine Überlegungen zum sogenannten Kölnberg, mit dessen Weiterentwicklung er sich im Rahmen seiner Masterarbeit im Fachbereich Architektur an der TH Köln befasst hatte. „Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen“, stellte Westerfeld seine Ausgangshaltung dar. „Wir brauchen neue Ideen, um den Bestand zu nutzen und wieder attraktiv zu machen.“ Er beschrieb, wie der dörfliche Teil von Meschenich baulich in die Siedlung Kölnberg hineinwachsen könnte. „Mein Ziel ist, in den städtebaulichen Konflikten Potenziale zu erkennen und diese zu Chancen für die Zukunft zu machen!“

Mit einem Mies-Quizz begannen Aylin Özdemir und Jutta Göttlicher ihre Vorstellung des Projektes „Mies im Westen“, an dem sie im Rahmen ihres Studiums an der TH Köln für eine Ausstellung des M:AI NRW mitgewirkt hatten. „Mit dem Projekt konnten wir vor allem die berufliche Entwicklung des Architekten Ludwig Mies van der Rohe nachvollziehbar machen, von seinen noch konventionellen Anfängen in seiner Geburtsstadt Aachen bis zur seiner späteren Karriere als Bauhaus-Direktor und Protagonist des International Style.“

Umfassende theoretische Gedanken zur Aktualität des Bauhauses präsentierte Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Christina Drenker. Die Prokuristin des Büros ISR aus Haan stellte Bezüge in den Aufgabenfeldern Wohnungsbau, Möbeldesign, Tanz und Gestaltung zwischen den 1920er Jahren und heute her. „Letztlich kann jeder etwas anderes im Bauhaus sehen; jeder nimmt etwas anderes mit.“ Das sei bis heute die Stärke des Bauhauses.

Dass es nicht nur ein Bauhaus gab, sondern verschiedene Entwicklungsstufen der Design- und Gestaltungsschule, machte Prof. Dr. Thorsten Scheer in seinem Auftaktvortrag deutlich. „Das Bauhaus erscheint erst rückblickend als geschlossenes Konzept.“ Wenn in diesem Jahr - zu Recht - das Gründungsjahr des Bauhauses zum 100. Mal gefeiert werden könne, dann gehe es „um Anschlussfähigkeit, Demokratiefähigkeit und Teilhabe“.

Die große Resonanz auf den 5. UrbanSlam der AKNW zeige, dass das Bauhaus auch für viele junge Leute heute noch eine produktive Reibungsfläche darstelle, resümierte der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing. „Das bestätigt die vielen Reaktionen, die wir auf unsere Wanderausstellung ‚Neues Bauen im Westen‘ erhalten haben.“ Es sei ermutigend für den gesamten Berufsstand, dass junge Kolleginnen und Kollegen den Austausch zu Fragestellungen suchten, die gerade 100 Jahre nach der Bauhausgründung wieder hochaktuell seien. Das bestätigte auch der Kölner Blogger und Profi-Slammer Jonathan Löffelbein in seinem satirischen Beitrag „Häuser. Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin? Und können sie überhaupt gehen?“ mit der Feststellung: „Wir sind immer in Räumen. Gehen wir aus einem raus, kommen wir in den nächsten rein. Die ganze Welt ist eine Matroschka-Figur!“
Am Schluss: Donnernder Applaus für alle Slammer – besonders laut für Mladen Milinovic und Christian Westerfeld zu zwei gleichrangigen ersten Gewinnern.

Zum Video der Veranstaltung

Autor: Christof Rose