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„Neues Bauen im Westen“ – Wanderausstellung im LVR-Landeshaus in Köln

„Neues Bauen im Westen“ ist ab sofort bis zum 27. September in Köln zu sehen. Mit ihrer gleichnamigen Wanderausstellung, die gestern Abend (05.09.19) im LVR-Landeshaus in Deutz eröffnet wurde, zeichnet die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen mit ihren Projektpartnern – den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) – die wichtigsten Entwicklungslinien des Bauhauses und des neuen Bauens aus rheinisch-westfälischer Perspektive nach. In über 250 Exponaten und eigens für die Ausstellung geschaffenen Architekturmodellen bietet die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, wechselseitige Einflussnahmen und Impulse zu überprüfen und auf Spurensuche bis in die Gegenwart zu gehen. „Das Bauhaus übt bis heute großen Einfluss auf Architektinnen und Architekten aus“, erläuterte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, auf der Vernissage in Köln den Hintergrund des Projektes. „Mit unserer Ausstellung wollen wir den architektonischen Schwerpunkt des Bauhauses im historischen Kontext beleuchten und aufzeigen, welche Wechselwirkungen es zwischen dem Bauhaus und anderen Gestaltungsschulen jener Jahre gegeben hat.“

Die Wanderausstellung ist ein Beitrag in der Programmvielfalt des Verbundprojektes „100 jahre bauhaus im westen“, das die beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) zusammen mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW anlässlich des Bauhausjubiläumsjahres ins Leben gerufen haben.

„Bauen hat mit Orten, mit Räumen und mit Gelegenheiten zu tun“, erklärte Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, mit Blick auf den Umzug des LVR vor 60 Jahren von Düsseldorf in das neu erbaute Landeshaus am Deutzer Rheinufer. „Für den Neuanfang in Köln setzte man auf einen Baustil nüchterner Eleganz, der Anregungen von Mies van der Rohe und Le Corbusier aufgreift. Die Architektur knüpft an demokratische Bau-Traditionen der Weimarer Republik an und signalisiert damit, wie auch viele Bundesbauten der Nachkriegszeit in Bonn, Westbindung. So lädt die Ausstellung dazu ein, über das Erbe der in Weimar gegründeten Reformschule Bauhaus und die Rolle der Demokratie für unser Gemeinwesen im Lichte ihrer Bauten nachzudenken.“ Mit einem Programm aus Ausstellungen, Vorträgen und Führungen feiert der LVR in den nächsten Wochen das Doppeljubiläum 100 Jahre Bauhaus und 60 Jahre LVR in Köln.

Die Ausstellung „Neues Bauen im Westen“ geht insbesondere diesen Fragen nach: Wie ist das Bauhaus im Rheinland und in Westfalen rezipiert worden? Welche Bauten verweisen unmittelbar auf die einflussreiche Kunst- und Bauschule? Welche früheren, parallelen und späteren Entwicklungen haben das Neue Bauen im Westen Deutschlands ausgemacht? In einer beeindruckenden Ausstellungsarchitektur werden Vorläuferentwicklungen wie der Hagener Impuls, die Arbeit des Deutschen Werkbundes und der moderne Industriebau von Peter Behrens nachgezeichnet und die Folgewirkungen des Bauhauses bis in die Nachkriegsmoderne dargestellt. Fotos, Texte und maßstabsgerechte Holzmodelle, die von Studierenden der Peter Behrens School of Arts (PBSA, HS Düsseldorf) angefertigt wurden, machen die Architekturentwicklung des „Neuen Bauens“ auch sinnlich erfahrbar.

Die Ausstellung weist dabei stets auf die gesellschaftlichen Hintergründe und parallele Strömungen in Architektur und Städtebau hin. Denn das Bauhaus verdichtete Entwicklungen seiner Zeit in einem katalytischen Prozess. Formale Vereinfachung und das Ziel, vor allem auf dem Feld des Wohnungsbaus zu einer konkreten Verbesserung der Lebensumstände einkommensschwacher Schichten beizutragen, prägten das Bild der Bauhausästhetik seit den 1920er Jahren.

„Das Bauhaus, das wir kennen und über das wir gewöhnlich sprechen, ist das Ergebnis seiner wechselvollen Rezeptionsgeschichte“, erklärte Ausstellungskurator Prof. Dr. Thorsten Scheer (PBSA) in seinem Eröffnungsvortrag. Vor allem in der Zeit der Gründung der Bundesrepublik habe das Bauhaus eine Wirkung entfaltet, die als Überlagerung künstlerischer und politischer Diskurse etwa in den Bonner Bundesbauten nachhaltig Spuren in Nordrhein-Westfalen hinterlassen hat. „Damit und selbstverständlich auch mit den Ursprüngen in Hagen sowie den dringend gebotenen Abgrenzungen vom zweckrationalen Industriebau des Ruhrgebiets und den Erscheinungen des sogenannten Bauhausstils beschäftigt sich die Ausstellung und bietet den Besucherinnen und Besuchern eine Vielzahl von unterschiedlichen Betrachtungsweisen.“ 

Das parallel entwickelte Onlineportal www.neues-bauen-im-westen.de stellt über 100 relevante Objekte des Neuen Bauens im heutigen Nordrhein-Westfalen vor. Die Architektenkammer NRW konnte mit den Denkmalpflegeämtern der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) insbesondere Bauwerke der 1920er und -30er Jahre zusammenstellen, die einen umfassenden Überblick gewährleisten. Das Spektrum der dargestellten Bauwerke reicht insgesamt vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Nachkriegsmoderne bis in die 1980er Jahre. Die Website bietet auch die Möglichkeit, regionale Themenschwerpunkte abzurufen und eigene Routen zu erstellen, um die vorgestellten Objekte direkt vor Ort erleben zu können.

Die Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ wurde im Februar/März 2019 erstmals im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf gezeigt. Danach war die Ausstellung in der NRW-Landesvertretung in Berlin (14. – 29.05.2019), im Baukunstarchiv NRW in Dortmund (05. – 29.06.19) und in der Bürgerhalle des LWL in Münster (11. – 23.07.19) zu sehen. Nach der Präsentation beim LVR folgen Standorte im Technischen Rathaus Bielefeld (08. – 31.10.2019) sowie in der RWTH Aachen (Frühjahr 2020).

Weitere Informationen zum Landesverbund unter www.bauhaus100-im-westen.de.
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Ausstellung „Neues Bauen im Westen“

06.09. – 27.09.2019
LVR-Landeshaus
Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln
Eintritt frei.

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr., 08.00 – 19.00 Uhr

Das LVR-Landeshaus ist zudem am „Tag des offenen Denkmals“ (08.09.19) geöffnet. Führungen werden angeboten. Bitte beachten Sie Hinweise auf der Homepage des LVR unter www.lvr.de sowie https://afz.lvr.de/de/archiv_des_lvr/dokument_des_monats/dokument_2014_10/2014_10.html

Vorträge:

•    11.09.2019, 19.00 Uhr: „Jenseits des Bauhauses: Moderne und Exil in der Türkei der Dreißiger Jahre“ - Bernd Nicolai, Universität Bern

•    18.09.2019, 19.00 Uhr: „Zwischen Modernebegeisterung und Nationaler Tradition. Die Bauhausrezeption in den Gründungsjahren der DDR“ - Andreas Butter, Leibniz Institut, Erkner

Landeshaus des LVR, Nordhalle, Kennedy-Ufer 2, Köln-Deutz
Eintritt frei. Anmeldung erbeten unter www.aknw.de

Pressekontakt:
Christof Rose
Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Tel.: (0211) 49 67 34
rose@aknw.de

Birgit Ströter
LVR-Fachbereich Kommunikation
Tel.: (0221) 809 77 11
www.lvr.de

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