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Architekturquartett zu Paul Schneider-Esleben

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    Lebendig ging es zu auf bei der Sonderausgabe des Architekturquartetts NRW zum Thema „100 Jahre PSE“ am 27. August in Düsseldorf. Im 21. Obergeschoss des Mannesmann-Hochhauses diskutierten Prof. Wolfgang Döring (2. v. l.), Dr. Regine Heß (3. v. l.), Prof. Mischa Kuball (2. v. r.) und Reinhard Hübsch (Gesprächsleitung, 3. v. r.) über drei richtungsweisende Bauwerke von Paul Schneider-Esleben, die in Düsseldorf in saniertem Zustand erhalten sind. Die Bauwerke wurden dem Publikum jeweils von Christof Rose (r., Pressesprecher AKNW) in einem Foto-Video-Vortrag vorgestellt. Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer NRW (l.), freute sich, zu der Veranstaltung auch die Tochter von PSE, Claudia Schneider-Esleben (4. v. r.), sowie die Direktorin des M:AI, Dr. Ursula Kleefisch-Jobst (4. v. l.), begrüßen zu können. - Fotos: Ingo Lammert

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    Diskutierten drei Bauwerke aus der frühen Schaffensperiode von Paul Schneider von Esleben: (v. l.) Reinhard Hübsch, Prof. Mischa Kuball, Dr. Regine Heß und Prof. Wolfgang Döring

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    AKNW-Präsident Ernst Uhing begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer zu der Diskussion im Mannesmann-Hochhaus

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    Diskutanten: (v. l.) Prof. Wolfgang Döring, Reinhard Hübsch (Gesprächsleitung), Dr. Regine Heß und Prof. Mischa Kuball

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    1951: Haniel-Garage in Düsseldorf, Grafenberger Allee 258; Architekt: Paul Schneider von Esleben; Sanierung: 1993 durch Giese Falkenberg GmbH Berlin Foto: Thomas Mayer

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    Die Skizze von PSE zeigt die Idee. Entstanden ist Deutschlands erstes Parkhaus nach dem Krieg mit Platz für 500 Wagen.

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    Die vollständige Verkleidung mit einer Glashaut erzeugte eine bis dato für Zweckbauten unerreichte Leichtigkeit und Transparenz. 1985 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt und 1992/1993 saniert. Die Sanierung erhielt eine Auszeichnung beim Deutschen Architekturpreis 1997. Foto: Oskar Söhn

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    Der Garage angegliedert war ein Motel (12 Zimmer + Restaurant), ganz im Sinne des Leitmotivs der autogerechten Stadt. Viergeschossiger Kubus mit komplett verglaster Fassade, außenliegende Auffahrtsrampen. Foto: Oskar Söhn

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    Das Architekturquartett vor der Lichtorgel des ZERO-Künsterls Mack. Am 5. September 1961 wurde die Schule als evangelische Volksschule eröffnet. Heute hat die Schule rund 300 Schüler und wurde 2005 aufwändig saniert. Foto: Christina Wolff

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    1961: Grundschule an der Rolandstraße in Düsseldorf; Architekt: Paul Schneider von Esleben; Sanierung: Michael von Ooyen Architekt BDA mit Klaus Legner Architekt BDA; Foto: Thomas Mayer

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    Mit dem strengen Modul-System orientiert sich der Architekt an Werken von Ludwig Mies van der Rohe. Wegen seiner überzeugenden Architektur setzte der Bau sich rasch durch und wurde vorbildlich für eine ganze Reihe von Schulgebäuden. Foto: Thomas Mayer

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    Die Sanierungskosten der Schule betrugen 6,9 Mio € und waren 2006 abgeschlossen. Auszeichnungen: Architekturpreis NRW 2011, Auszeichnung Guter Bauten 2010, Auszeichnung vorbildlicher Bauten NRW 2010, Deutscher Fassadenpreis 2007; Foto: Thomas Mayer

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    Ende 2008 wurde das Hochhaus an das Land NRW verkauft, 2014 ist das NRW-Wirtschaftsministerium in die ehemalige Mannesmann-Zentrale eingezogen. Foto: Thomas Mayer

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    Im Jahre 1956-1958 wurde es von Paul Schneider von Esleben in Stahlskelettbauweise errichtet. 90 Meter Höhe und 28 Etagen - das Skelett bestand aus Rundrohrstützen, das seinerzeit wichtigste Produkt der Mannesmann-Röhrenwerke. Rasterfassade aus Glas sorgt für Leichtigkeit und Eleganz. Foto: Dolf Siebert

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    1956-58: Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf; Architekt: Paul Schneider von Esleben; Sanierung durch RKW Architektur + Städtebau, Düsseldorf; Foto: Rudolf Eimke

Wer sich als „Künstler-Architekt“ versteht, für den ist jedes Bauwerk auch ein Kunstwerk. „Paul Schneider-Esleben war unglaublich ambitioniert, aber auch sehr eigensinnig“, erinnerte sich Prof. Wolfgang Döring. Der Architekt und Architekturlehrer war Anfang der 1950er Jahre als Projektleiter im Büro von PSE eingestiegen - und hatte dort u. a. die Rolandschule bearbeitet. Diese und zwei weitere PSE-Arbeiten aus der frühen Schaffensphase von Paul Schneider von Esleben unterzog das Architekturquartett NRW einer kritischen Prüfung.

Einig waren sich die Diskutanten, dass die Haniel-Garage im östlichen Stadtteil Flingern zu den faszinierendsten Bauwerken der deutschen Nachkriegszeit zählt. „Die Haniel-Garage markiert einen Epochenwechsel, weg von massiver Repräsentationsarchitektur, hin zu leichten Stahl-Glas-Konstruktionen, deren Wände sich auflösen“, brachte Dr. Regine Heß ihre Einschätzung auf den Punkt. Die Kunsthistorikerin aus München beschäftigt sich am Architekturmuseum der TU intensiv mit dem Werk von PSE, da dort der Nachlass des Architekten liegt. Auch für den Lichtkünstler Prof. Mischa Kuball aus Düsseldorf sind die Haniel-Garage und auch das Mannesmann-Hochhaus zeichenhafte Bauten, die eindeutige Botschaften transportieren: „Es geht darum, etwas zu demonstrieren, sei es die Eleganz des Automobils oder die Macht eines Unternehmens“, so Prof. Kuball. Beide Bauten reduzierten den Aufwand für Material und Ornament und betonten die städtebauliche Figur. „Am Abend macht das Licht das schlanke Bauwerk zu einem ephemeren Element, ähnlich dem vorüberfließenden Wasser des Rheins“, erläuterte der Lichtkünstler das Mannesmann-Hochhaus.

Reinhard Hübsch, Kulturjournalist beim SWR und als einer der vier Diskutanten des Architekturquartetts auch der Gesprächsleiter auf der Bühne,  unterstrich die Vielseitigkeit des Architekten und Designers PSE. „Schon seine Bauwerke der 1950er Jahre zeigen ganz unterschiedliche Ausformungen“, konstatierte Hübsch. Konstitutiv sei aber zweifellos der Wille, etwas Innovatives zu wagen. Das gelte für die Wahl der Konstruktionsweise (Stahl-Skelett-Konstruktionen beim Hochhaus, aufgehängte, außenliegende Rampen bei der Haniel-Garage) in gleicher Weise wie bei der des Materials (emaillierte Blechpaneele  beim Mannesmann-Hochhaus, die aus dem Flugzeugbau übernommen wurden).

Dr. Regine Heß unterstrich, dass Paul Schneider von Esleben auch ein hervorragender Städtebauer gewesen sei. „Die Art und Weise, wie er seine auffallenden, expressiven Bauwerke behutsam in den Stadtraum integriert, ist bis heute beeindruckend.“ Dem stimmte auch Prof. Wolfgang Döring zu. „Die Bauten, über die wir heute sprechen, sind allesamt Unikate und Ausdruck eines Ausnahmetalents.“ Die Kehrseite dieses Talents sei ein aufbrausender Charakter und eine gewisse Starrsinnigkeit gewesen. „Vermutlich hat PSE aus diesem Grund niemals ein großes Architekturbüro aufgebaut“, resümierte Prof. Döring, der das Büro Ende der 50er Jahre verließ, um sich selbstständig zu machen.

Sonderausgabe des Architekturquartett - die Objekte

1. Das Mannesmann Hochhaus
1956-58: Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf
Architekt: Paul Schneider von Esleben
Sanierung durch RKW Architektur + Städtebau, Düsseldorf
Im Jahre 1956-1958 wurde es von Paul Schneider von Esleben in Stahlskelettbauweise errichtet. Mit knapp 90 Meter Höhe und 28 Etagen war es zur Zeit seiner Entstehung das höchste Gebäude Düsseldorfs. Das Skelett bestand aus Rundrohrstützen, das seinerzeit wichtigste Produkt der Mannesmann-Röhrenwerke. Rasterfassade aus Glas und blau emaillierten Stahlblechelementen sorgen für Leichtigkeit und Eleganz. 2000: Vodafone übernimmt Mannesmann und das Gebäude wird zur Europazentrale des Vodafone-Konzerns umgebaut. Sie Sanierung nach neusten Baurechtsvorgaben übernimmt das Architekturbüro RKW (Rhode Kellermann Wawrowsky). Die Fassade wird bis auf den Rohbau zurückgebaut Fertigstellung im Jahr 2001. Ende 2008 wurde das Hochhaus an das Land NRW verkauft, wobei das Gebäude bis 2012 weiter von Vodafone genutzt wurde. Anfang 2014 ist das NRW-Wirtschaftsministerium in die ehemalige Mannesmann-Zentrale eingezogen.

2. Die Haniel-Garage
1951: Haniel-Garage in Düsseldorf, Grafenberger Allee 258
Architekt: Paul Schneider von Esleben
Sanierung: 1993 durch Giese Falkenberg GmbH Berlin
Düsseldorf, Flingern Nord, Grafenberger Allee 258, Deutschlands erstes Parkhaus nach dem Krieg mit Platz für 500 Wagen. Der Garage angegliedert war ein Motel (12 Zimmer + Restaurant), ganz im Sinne des Leitmotivs der autogerechten Stadt und des zu erwartenden Auto-booms. Viergeschossiger Kubus mit komplett verglaster Fassade, außenliegende Auffahrtsrampen, die mit Stahlstreben an den das Dach tragenden Betonträgern aufgehängt sind. Die vollständige Verkleidung mit einer Glashaut erzeugte eine bis dato für Zweckbauten unerreichte Leichtigkeit und Transparenz. 1985 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt und 1992/1993 saniert. Die Sanierung erhielt eine Auszeichnung beim Deutschen Architekturpreis 1997. Die Haniel-Garage ist nicht mehr als öffentliches Parkhaus zugänglich und wird mittlerweile von einem Autohaus und einem Schnellimbiss genutzt.

3. Grundschule Rolandstraße
1961: Grundschule an der Rolandstraße in Düsseldorf
Architekt: Paul Schneider von Esleben
Sanierung: Michael von Ooyen Architekt BDA mit Klaus Legner Architekt BDA
Die Rolandschule ist eine Gemeinschaftsgrundschule an der Rolandstraße 40 in Düsseldorf-Golzheim. Das Gebäude wurde von 1957 bis 1961 nach Entwürfen von Paul Schneider-Esleben erbaut. Am 5. September 1961 wurde die Schule als evangelische Volksschule eröffnet. Heute hat die Schule rund 300 Schüler. Mit dem strengen Modul-System orientiert sich der Architekt an Werken von Ludwig Mies van der Rohe. Wegen seiner überzeugenden Architektur setzte der Bau sich rasch durch und wurde vorbildlich für eine ganze Reihe von Schulgebäuden. Die Schule wurde 2005 aufwändig saniert. Die Beanspruchung durch 40 Jahre Nutzung, geänderte Energiekonzepte, aber auch die Entfernung von Schadstoffen wie Asbest und PCB machten diese Arbeiten notwendig. Die beauftragten Architekten konnten sich mit Schneider-Esleben abstimmen, allerdings erlebte dieser den Abschluss der Arbeiten nicht mehr (PSE verstarb 2005). Die Sanierungskosten betrugen 6,9 Mio € und waren 2006 abgeschlossen. Auszeichnungen: Architekturpreis NRW 2011, Auszeichnung Guter Bauten 2010, Auszeichnung vorbildlicher Bauten NRW 2010, Deutscher Fassadenpreis 2007

Der Düsseldorfer Fernsehsender Center.TV bietet an folgenden Terminen eine Ausstrahlung des Sonder-Architekturquartetts an. Außerhalb des Düsseldorfer Stadtgebiets kann der Sender über das Internet unter folgender URL angesehen werden http://www.centertv.de/page/livestream/

  • Donnerstag        10.September, 09.00 Uhr
  • Samstag             12.September, 12.00 Uhr
  • Sonntag              13.September, 20.15 Uhr


Jetzt schon vormerken! Vortrag von R. Hübsch am 08.09.15 um 19.00 Uhr im Haus der Architekten. Weitere Info

Autor: Christof Rose