Architektenhonorar

Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner müssen sich bei der Abrechnung ihrer Leistungen an die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) halten. Diese begünstigt einen Wettbewerb, bei dem es nicht nur um das günstigste Angebot, sondern auch um die beste Planungsleistung geht.

Die HOAI ist ein transparentes Regelwerk und führt dazu, dass Sie wissen was Sie bezahlen. Das Honorar ist kein Geheimnis, sondern ein Rechenexempel, das der Architekt Ihnen erklären kann – und sollte. Und keine Angst: Kein Architekt wird Sie beim Betreten seines Büros gleich zur Kasse bitten.

Das Architektenhonorar ist abhängig von

  • den anrechenbaren Baukosten; dies sind im Wesentlichen die Kosten für die Herstellung des Gebäudes
  • der Schwierigkeit der Bauaufgabe; ein Veranstaltungsgebäude mit komplizierter Konstruktion und Technik ist natürlich aufwendiger zu planen als ein Einfamilienhaus
  • dem Umfang der Leistungen; werden in neun Leistungsphasen untergliedert und - falls Sie den Architekten nicht mit allen Leistungen beauftragen - prozentual abgerechnet
  • Ihrer Vereinbarung mit dem Architekten; sie können den nach HOAI vorgeschriebenen Höchst- oder Mindestsatz oder einen Betrag dazwischen vereinbaren

Die Leistungsphasen des Architekten sind

  1. Grundlagenermittlung: Der Architekt ermittelt gemeinsam mit dem Bauherrn die exakten Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben.
  2. Vorplanung: Mittels Strichskizzen und Zeichnungen im geeigneten Maßstab nehmen die Vorstellungen des Bauherrn erste Gestalt an. Der Architekt klärt die Realisierbarkeit und erstellt eine erste Kostenschätzung.
  3. Entwurfsplanung: Der Architekt fertigt Schnittzeichnungen, Grundrisse und Außenansichten an, in der Regel im Maßstab 1 : 100. Hinzu kommen eine Baubeschreibung des Hauses und eine Kostenberechnung.
  4. Genehmigungsplanung: Der Architekt reicht die notwendigen Baugenehmigungsanträge im Namen des Bauherrn bei der zuständigen Behörde ein und erwirkt damit die Baugenehmigung.
  5. Ausführungsplanung: Nach Erteilung der Baugenehmigung fertigt der Architekt genaue Zeichnungen im Maßstab 1 : 50 an, wichtige Details in größeren Maßstäben.
  6. Vorbereitung der Vergabe: Der Architekt arbeitet eine genaue Massenberechnung und Leistungsbeschreibung für die Handwerker aus und versendet diese als Ausschreibung an Firmen.
  7. Mitwirkung bei der Vergabe: Der Architekt prüft die eingehenden Angebote und erstellt einen Kostenanschlag.
  8. Objektüberwachung: Der Architekt kontrolliert die Arbeiten auf der Baustelle. Wenn ein Auftrag ausgeführt wurde, nimmt er die Arbeiten mit dem Bauherrn ab und prüft die Rechnungen.
  9. Objektbetreuung und Dokumentation: Der Architekt stellt alle wichtigen Dokumente zusammen und übergibt sie dem Bauherrn.

In der Regel macht das Architektenhonorar bei Neubauten ca. 15 bis 12 Prozent der Gesamtkosten der Baumaßnahme (ohne Grundstückskosten) aus. Bei Umbauten im Bestand liegen die Architektenhonorare meist etwas höher (ca. 17 bis 15 Prozent der Gesamtkosten), weil Umbauten deutlich komplexer sein können als Neubauten und  der Architekt mehr Planungsaufwand hat. Da die Honorarordnung das Architektenhonorar degressiv ausgestaltet, gilt folgende Faustregel: Je höher die Gesamtkosten der Baumaßnahme ausfallen, desto niedriger fällt das Architektenhonorar im Verhältnis (prozentual) dazu aus.

Bedenken Sie: Der Architekt ist Fachmann und kann Ihnen schon bei einem gemeinsamen Rundgang durch Ihren Altbau mit seinen Hinweisen dabei helfen, einige Tausend Euro zu sparen. Er kennt die Einsparpotenziale beim Bauen, die Tücken und die Kostenfallen. 

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