Freiberufler

Von den derzeit etwa 30.000 Mitgliedern der AKNW sind etwa 11.000 freischaffend tätig. Der überwiegende Teil betreibt ein Büro als Alleininhaber bzw. Alleininhaberin. Etwa ein Viertel hat sich zu Gesellschaften zusammengeschlossen. Die durchschnittliche Bürogröße (Inhaber, Mitarbeiter und Teilzeitbeschäftigte) liegt bei 4,4 Personen.  

Wirtschaftliche Situation schwierig

Die wirtschaftliche Situation der freischaffenden Architektinnen und Architekten liegt unter den Erwartungen in Relation zum Ansehen in der Bevölkerung. Im Vergleich zum Einkommen anderer Freiberufler (Ärzte, Rechtsanwälte) rangiert der Architekt im unteren Bereich. 

Nach der letzten Strukturuntersuchung der Architektenkammer NRW erzielten 50 Prozent der freischaffend tätigen Architekten ein jährliches Einkommen unter 37.500 €. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei etwa 53 Stunden, der durchschnittliche Jahresurlaub liegt im Schnitt bei 20 Arbeitstagen. 

Herausforderungen für junge Bürogründer

Trotz dieser wenig erfreulichen Aussichten machen sich gerade in Zeiten einer angespannten Arbeitsmarktlage viele Absolventinnen und Absolventen selbstständig. 

Für junge Bürogründer ist es dabei sehr wichtig, Kontakte herzustellen, sowohl zu Kollegen der Architektur und Stadtplanung als auch zu Vertretern der Behörden. Auch ist es wichtig, soziale Kontakte zu knüpfen, um ein breites Spektrum möglicher Vertragspartner zu erhalten. Hierzu zählt etwa die Mitgliedschaft in örtlichen Architektenverbänden oder in Vereinen, das Anbieten von Fachvorträgen, ein Engagement in der Kommunalpolitik, die Mitwirkung bei Agenda-Prozessen etc.  

Sinnvoll ist vielfach auch der Zusammenschluss mit Mitgliedern anderer Fachrichtungen oder mit Fachingenieuren. Für einzelne, projektbezogene Vorhaben bietet sich dabei u. U. die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft an. Dies kann auch bei der Teilnahme an Wettbewerben sehr hilfreich sein. 

Wettbewerbe bieten nach wie vor eine Chance, Aufträge zu bekommen und bekannt zu werden. 

Architekten: Aufgaben und Auftragssitution 

Die Aufgaben der freischaffend tätigen Architektinnen und Architekten haben sich neben den klassischen Tätigkeiten wie Entwurf und Planung, Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung sowie Bauüberwachung und Dokumentation seit den 80er Jahren grundlegend geändert. Fertighaus-Hersteller haben ein großes Feld der klassischen Tätigkeitsfelder an sich gezogen. Gleichwohl werden auch hier Freiberufler gerade zur Planung und Ausführung anspruchsvoller Aufgaben hinzugezogen. 

Die knappen Kassen der öffentlichen Auftraggeber und die teilweise weggebrochenen Aufträge im Einfamilienhaus- und Geschosswohnungsbau haben zu einem weiteren Auftragsrückgang geführt. Doch die kleinteilige Bürostruktur der deutschen Architektenschaft bietet auch Vorteile: Große Firmen sind oft nicht in der Lage, in bestimmten Marktsegmenten wirtschaftlich zu arbeiten. Das anspruchsvolle Einfamilienhaus, das Geschäftshaus in der Baulücke, die Sanierung des Altbaubestandes, die Erweiterung von Einfamilienhäusern, der Rückbau von Gebäuden oder die Modernisierung und Instandsetzung (wie insgesamt das Bauen im Bestand) sowie das kosten- und flächensparende Bauen sind Felder, in denen freischaffend tätige Architekten nach wie vor tätig sind. 

Auch sind in den letzten Jahren verstärkt gesetzliche Regelungen erlassen worden, die neue Betätigungsfelder eröffnen. Hierzu zählen das barrierefreie Bauen, das energieeffiziente Planen und Bauen oder die Umsetzung denkmalpflegerischer Anforderungen. Auch die Tätigkeit als Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator oder das weite Feld der Gutachtertätigkeit sind hier zu nennen. Die Spezialisierung auf derartige Tätigkeitsfelder bietet berufliche Chancen. Auch ist zu erwägen, inwieweit eine Spezialisierung auf bestimmte Bauvorhaben (wie der Bau von Tankstellen, Arztpraxen, Messebau etc.) vorteilhaft ist. 

Innenarchitekten: Aufgaben und Auftragssitution 

Seit je her ist das Bauen im Bestand einer der Tätigkeitsschwerpunkte von Innenarchitekten. Sie sind Ansprechpartner für den Bereich Bewertung, Beratung, Konzepterstellung, Durchführung und Abrechnung. Durch ihre Ausbildung sind Innenarchitektinnen und Innenarchitekten in entsprechenden Arbeitsfeldern wie Hotel, Gastronomie, Wellness, Kaufhaus- und Ladenbau, Messe- und Ausstellungsbau, Sakralbauten und öffentliche Bauten sowie Verkehrsbauten tätig. 

Wie bei den Hochbaukollegen stellen auch Aufgaben, die sich aufgrund neuerer gesellschaftlicher Entwicklungen ergeben haben (barrierefreies Bauen, ökologisches Bauen von Innenräumen, denkmalpflegerische Sichtweisen sowie technische Erfordernisse im Bereich Schall-, Wärme- und Brandschutz) Tätigkeitsfelder für Innenarchitektinnen und Innenarchitekten dar. Freischaffende Innenarchitekten treten dabei entweder als eigenständiges Büro oder im Team mit Hochbaukollegen auf. 

Innenarchitekten dringen heute auch in thematisch verwandte Berufsfelder vor, etwa in Strategie und Entwicklungsbüros oder auch in Werbeagenturen; aufgrund ihrer Fachkenntnisse werden sie hier eingesetzt, um Angebote für ein modernes Leben zu entwickeln, um Umnutzungsmöglichkeiten bestehender Gebäude zu analysieren oder um bei Marktanalysen mitzuwirken. 

Landschaftsarchitekten: Aufgaben und Auftragssitutio

Auch die Aufgabengebiete der Landschaftsarchitektur entwickeln sich weiter. Neben der Revitalisierung von Industriebrachen ist die Modernisierung des Mietwohnbestandes mit seinen Außenanlagen und deren Anpassung an die Bevölkerungsentwicklung (Stadtumbau) ein aktuelles Arbeitsfeld. Gegenwärtig ist ein wahrer Boom des öffentlichen Interesses an Gartenkunst zu beobachten. Professionell gestaltete Gärten stoßen auf großes öffentliches Interesse.

Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten entwickeln Konzepte in den Bereichen Tourismus, Sport und Freizeit. Parkpflegewerke sind unerlässlich, besonders mit abnehmendem Budget der Städte. 

Außerdem sind Landschaftsarchitekten sind als Dienstleister gefragt, die Nutzungs-, Pflege- und Kostenpläne erstellen und deren Umsetzung begleiten. Auch der Umweltschutz fordert - zusätzlich zu Umweltverträglichkeitsstudien und landschaftspflegerischen Begleitplänen - neue Konzepte, beispielsweise für den Hochwasserschutz. 

Stadtplaner: Aufgaben und Auftragssitution

Klassischerweise erstellen Stadtplaner Bauleitpläne, städtebauliche Rahmenpläne und Stadtentwicklungskonzepte. Daneben werden Sie heute aber auch verstärkt zu Beratungstätigkeiten öffentlicher und privater Auftraggeber herangezogen. Dazu gehört auch die Erbringung stadtökonomischer und stadtökologischer Fachgutachten und die Mitwirkung bei Satzungen für Sanierungs-, Denkmal und Entwicklungsbereiche. 

Zum Tätigkeitsbereich zählen ferner Machbarkeitsstudien, die Mitwirkung bei umfangreichen Gebäudeplanungen sowie auch vorbereitende Planungen für Flächennutzungs- und Bebauungspläne. Freischaffende Stadtplaner arbeiten auch im Bereich des Projektmanagements oder der Projektsteuerung und übernehmen Moderationsprozesse bei planungsbegleitenden Veranstaltungen, Werkstattverfahren und Ähnlichem. 

In der künftigen beruflichen Praxis werden Stadtplaner, ob freiberuflich oder angestellt, immer häufiger interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen (z. B. Verkehrsingenieuren, Geografen, Landschaftsarchitekten) zusammenarbeiten. Teamfähigkeit sowie rhetorische und soziale Kompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung zur Ausübung des Berufes.