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Spanische Avantgarde der 1930er Jahre in Düsseldorf

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    Posieren vor den Architekten der Avantgarde der 1930er Jahre (v. l.): Prof. Thomas Schleper (Lenkungskreis „100 Jahre Bauhaus im Westen“), Dr. Klaus Englert (Fachautor und Referent), Milena Karabaic (Kulturdezernentin LVR) und Michael Arns (Vizepräsident AKNW). – Fotos: Christof Rose

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    Dr. Klaus Englert erläuterte die Stadtentwicklung der katalanischen Metropole anhand zahlreicher Karten und markanter Objektfotos.

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    Mit rund 70 Teilnehmern im Haus der Architekten – unter ihnen mehrere aus Spanien stammende Gäste – traf der Vortrag von Dr. Englert auf lebhaftes Interesse.

Wie entwickelte sich die Moderne in unseren europäischen Nachbarländern? Diese Frage will die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen im Rahmen ihrer Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ im Laufe des Bauhaus-Jubiläumsjahres 2019 sukzessive beantworten. Den Auftakt zu einer losen Vortragsreihe machte am 14. März Dr. Klaus Englert im Düsseldorfer „Haus der Architekten“ zum Thema „Katalanische Avantgarde der 1930er Jahre“.


„Barcelona war immer schon viel näher an Europa als Madrid“, stellte Klaus Englert, Fachjournalist, Autor und Kurator, zu Beginn seines Vortrags fest. Insofern sei es nicht überraschend, dass es Ende der 20er und zu Beginn der 1930er Jahre zu einem regen Austausch junger Architekten aus Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich und England gekommen sei. Dokumentiert ist insbesondere ein Treffen der Architektur-Avantgarde im März 1932 in Barcelona zur Vorbereitung des VI. CIAM-Kongresses, anlässlich dessen Josep Lluis Sert ua. mit Le Corbusier, Walter Gropius, Sigfried Giedion und Marcel Breuer zusammentraf. Wie Klaus Englert erläuterte, knüpfte der in Barcelona geborene Sert an den frühen Modernisme Antonio Gaudís an und wurde bis zu seiner Emigration 1936 in die USA zu einem der einflussreichsten Architekten der katalanischen Avantgarde. Zusammen mit Le Corbusier entwickelte Sert 1929 den Plan „Barcelona Futura“ für eine große Stadterweiterung, von dem aber nur einzelne Bauwerke umgesetzt werden konnten.

In seinem Vortrag analysierte Dr. Englert die Stadtentwicklung Barcelonas, das sich erst 1859 durch den Abriss der mittelalterlichen Stadtmauern aus einer baulichen Enge befreite, die immer wieder zu äußerst problematischen hygienischen Verhältnissen geführt habe. „Die zahlreichen Seuchen und der hohe Bevölkerungsdruck des ‚Manchester des Südens‘ haben immer wieder große Stadtentwicklungssprünge notwendig gemacht“, erläuterte Englert.

Den wichtigsten Grundstein vor der Avantgarde habe der Bauingenieur Ildefons Cerdà mit seinem Stadterweiterungsplan „Eixample“ von 1859 gelegt, dessen Grundstruktur einer auf quadratischen Blockrandbebauungen fußenden Gitterstruktur mit ihren zahlreichen Bauten des Modernisme bis heute prägend sei. Der jüngste, große Entwicklungsschub sei durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 erfolgt, in deren Vorfeld die Stadtplaner Barcelonas systematisch eine Erneuerung der historischen Altstadt und die Addition großer, zeichenhafter Bauwerke betrieben hätten.

„Die Avantgarde in Spanien erlebte nur eine kurze Zeit der Blüte, da bereits 1936 der Bürgerkrieg begann“, resümierte Englert. Was bis heute als Vermächtnis bestehe, sei die große Wertschätzung des öffentlichen Raumes, das Bestreben, Spekulation und Korruption mit einer egalitären, sozial ausgeglichenen Stadtplanung zu begegnen und die Priorisierung öffentlicher Bauten, insbesondere von Bildungsbauwerken aller Art.                   

Eine ausführliche architektur-historische Analyse liefert Dr. Klaus Englert in seinem aktuellen „Architekturführer Barcelona“, der bei DOM publishers erschienen ist.

Autor: Christof Rose