Künftiger Förderstandard: QNG

Das Ergebnis der Landtagswahl beschäftigte den Vorstand der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in seiner Sitzung am 7. Juni im Haus der Architekten.

14. Juni 2022Autor*in: Christof Rose

„Dass die für unseren Kernbereich zuständige Arbeitsgruppe der möglichen Koalitionäre den Namen ‚Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung‘ trägt, lässt auf eine konsistente Ressortbildung hoffen“, fasste Präsident Ernst Uhing den Wissensstand zum Zeitpunkt der Vorstandssitzung zusammen. Die AKNW bemühe sich gegenwärtig darum, die Anliegen der Architektenschaft in persönlichen politischen Gesprächen in die Beratungen zur Regierungsbildung einzuspeisen. Für die Stadt- und Landesentwicklung werde es von großer Bedeutung sein, dass die künftigen Ministerien für Bauen, Verkehr und Klimaschutz eng miteinander kooperieren.

QNG: Kammer gestaltet mit

Ein wichtiges Thema der Vorstandsberatungen war das neue „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ (QNG). Als Gast konnte Kammerpräsident Uhing den Referatsleiter Nachhaltigkeit der Bundesarchitektenkammer, Jörg Schumacher, begrüßen, der den aktuellen Stand zum QNG vorstellte.
Der Bund fördert im Rahmen der BEG seit dem 1. Juli 2021 Nachhaltigkeitsaspekte durch eine eigene „NH-Klasse“. „Nachhaltiges Bauen wird in der Bauförderung auf Dauer eine Fördervoraussetzung sein“, prognostizierte Jörg Schumacher. So seien am 20.04.2022 bereits die ergänzten QNG-Anforderungen für den Neubau und die Komplettmodernisierung von Nichtwohngebäuden im Rahmen der Einführungsphase in Kraft getreten. Das Siegel werde von einigen bereits am Markt etablierten Anbietern von Gütesiegeln wie die DGNB, BNB oder NaWoh vergeben, die sich zuvor entsprechend akkreditieren lassen müssen. „Die Anforderungen gehen über die bisherigen Standards hinaus, etwa in Fragen der Baustoffwahl, Dachbegrünung oder Barrierefreiheit“, führte Schumacher aus.
Die deutschen Architektenkammern strebten dabei an, „die Qualifizierungsmöglichkeiten für alle Fachrichtungen bundesweit so zu bündeln und verzahnen, dass Mitglieder möglichst gezielt zu dem notwendigen Qualifizierungslevel kommen“, fasste Jörg Schumacher die aktuellen Bemühungen der Architektenkammern auf Bundesebene zusammen.
„Damit wird endlich eine langjährige Forderung unserer Kammer umgesetzt, nämlich die Umstellung der Nachhaltigkeitsförderung weg vom betriebsbedingten Energieverbrauch und der Gebäudedämmung hin zu einer holistischen Betrachtung von Bauwerken und Siedlungen. Zukünftig muss am Ende der Lebensdauer eines Gebäudes eine ausgeglichene CO₂-Bilanz erreicht werden, vermutlich für alle Gebäude, ob gefördert oder nicht“, betonte Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der AKNW, vor dem Vorstand. Das Angebot der Kammern solle systemoffen sein und ggf. in Kooperation mit einzelnen Anbietern entwickelt werden.
Der Vorstand beschloss, die Kammermitglieder in dieser wichtigen Thematik regelmäßig zu informieren; dazu wird es kurzfristig zwei Online-Infoveranstaltungen geben.

di.BAStAI in der Praxis

Die Datenbank „di.BAStAI“ ist die Überführung des Architektenstempels ins digitale Zeitalter. Die bundesweite Auskunftsstelle von 29 Architekten- und Ingenieurkammern erlaubt den unteren Bauaufsichtsbehörden, die Übereinstimmung der im Bauantrag angegebenen Mitgliedsnummer mit der Eintragung in den Kammerlisten schnell und kostenfrei digital zu überprüfen. „Leider wird das Angebot aber von den Bauaufsichtsämtern noch nicht so angenommen, wie es die Kammern erhofft hatten“, stellte Vorstandsmitglied Heinrich Pfeffer als Vorsitzender des Ausschusses Beruf, Innovation, Digitalisierung fest. „Wir müssen noch weitere Überzeugungsarbeit leisten, um die Kolleginnen und Kollegen in den zuständigen Behörden mitzunehmen.“
Präsident Ernst Uhing unterstrich, dass di.BAStAI sich bereits etabliert habe und für die Baubehörden einen großen Vorteil darstellen werde. Mit der flächendeckenden Umsetzung des digitalen Bauantrags in Nordrhein-Westfalen werde die Nutzung von di.BAStAI zwingend. Der AKNW-Präsident verwies auf die Fachmesse „digitalBAU“ in Köln, auf deren Eröffnungspodium er am 31. Mai mitdiskutiert hatte. Auf der größten Fachmesse zu diesem Spezialthema sei einerseits das große Interesse der Branche deutlich geworden, andererseits auch der Diskussionsbedarf, der zu diesem Themenfeld bestehe.

„Vier gewinnt“: Veranstaltung für alle vier Fachrichtungen

Der Austausch zwischen den vier in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen vertretenen Fachrichtungen soll intensiviert werden. Mit dem Vorschlag für eine übergreifende Veranstaltung unter dem Arbeitstitel „Praxisorientierte Zusammenarbeit der Fachrichtungen“ stellte der Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit dem Vorstand ein Konzept vor, in dem interessierte Kolleginnen und Kollegen anhand konkreter, interdisziplinär geplanter Projekte über bessere Wege der Kooperation zwischen Hochbau-Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung diskutierten sollen.
Die Veranstaltung soll der gegenseitigen Information der Fachrichtungen dienen und dazu anregen, die Zusammenarbeit zu stärken. Der Vorstand hieß Ziel und Konzept gut – und beschloss, die Veranstaltung in der zweiten Jahreshälfte 2022 durchzuführen.                   

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